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Montag, 02.05.2011

Die deutschen Fernsehfilme 2011

Die Auswahl steht nun fest: 23 der besten neuen Fernsehfilme feiern Premiere auf dem FILMFEST MÜNCHEN.

Matthias Koeberlin, Ken Duken und Jacob Matschenz in LACONIA

Der deutsche Fernsehfilm existiert in einem streng definiertem Rahmen: In der ARD gibt es den FilmMittwoch, den Degeto-Freitag und den Tatort-Sonntag. Beim ZDF gibt es das Montagskino, Donnerstags den neuen Fernsehfilm der Woche und den Sonntagsfilm der Pilcher-Lindström-Schule. Bei den Privaten hat nur noch Sat.1 einen festen Sendeplatz - am Dienstag - für eigenproduzierte Fernsehfilme, bei RTL und ProSieben beschränkt man sich auf wenige Event-Filme wie HINDENBURG und ISENHART.

Läßt man die Herzschmerz- und Krimi-Schienen beiseite, bleiben genau vier Primetime-Sendeplätze, um "mal was anderes" zu machen. Ein überschaubares Feld, um das sich einige große und viele kleine Produktionsfirmen streiten, aber das wesentlich zur Existenzsicherung der gesamten Branche beiträgt - Segen und Fluch der heimischen Filmwirtschaft zugleich.

Wim Wenders sagte kürzlich im FM4-Interview über IM LAUF DER ZEIT: "Heute würde jede Fernsehanstalt, wenn man kommt und sagt, 'Ich hab hier eine Drehbuchseite, das ist der Anfang von meinem Film und danach weiß ich nicht wie's weitergeht', einen ja gar nicht mehr ins Vorzimmer lassen. Und ohne Fernsehbeteiligung kommt man an die anderen Subventionen nicht ran. So wird man heute im Vorfeld abgeblockt."

Schere im Kopf - oder einfach eine Professionalisierung der Branche? Wenn die Quote der 14- bis 49-jährigen beim ZDF mittlerweile hinter der von Kabel 1 liegt und die jungen Zuschauer generell ins Internet zu YouTube, Vimeo et al. abwandern, muss man sich jedenfalls auch in den Chefetagen und Sendergremien Gedanken über die Zukunft des Fernsehfilms machen. Mutige Experimente wie WER RETTET DINA FOXX? werden in Auftrag gegeben und dann um 23:20 versendet. Andererseits kann auch ein Münsteraner Tatort zeigen, dass es innerhalb der Grenzen und Spielregeln des Genres möglich ist, mit Witz und Geist 12 Millionen Zuschauer - darunter auch viele Junge - vor den Flimmerkasten zu locken.

Dass das heimische TV-Movie einen prominenten Rahmen erhält, dafür sorgt schon seit über 10 Jahren die Reihe der Deutschen Fernsehfilme auf dem FILMFEST MÜNCHEN. "Die von uns ausgewählten Filme sind qualitativ hochwertiges, aber auch ungemein spannendes und packendes Fernsehen", sagt Filmfest-Leiter Andreas Ströhl.

In diesem Jahr sind es vor allem aktuelle Themen, die die Fernsehfilm-Macher umtreiben. Es geht um U-Bahn-Schläger, Amokläufer, Mobbing im Internet und um Kirchenvertreter unter dem Verdacht des Kindesmissbrauchs, aber auch um die Gefahr von Terroranschlägen in Deutschland und das Flüchtlingsdrama vor der italienischen Küste.

So aktuell die Themen, so vertraut die Namen, die dahinter stehen: Matti Geschonneck (LIEBESJAHRE), Dominik Graf (der neue Münchener  POLIZEIRUF 110: CASSANDRAS WARNUNG), Christine Hartmann (DAS DUNKLE NEST), Uwe Janson (LACONIA), Peter Keglevic (DER CHINESE), Vivian Naefe (MEIN EIGEN FLEISCH UND BLUT), Tim Trageser (DIE LEHRERIN) sowie zwei Filme jeweils von Rainer Kaufmann (BLAUBEERBLAU und FÖHNLAGE) und Matthias Tiefenbacher (EINE HALBE EWIGKEIT sowie UND DENNOCH LIEBEN WIR) lesen sich wie ein Who's Who der deutschen Regiezunft, genauso wie Hauptdarstellerinnen und -darsteller wie Anna Loos, Iris Berben, Veronica Ferres, Barbara Auer, Sophie von Kessel, Cornelia Froboess und Matthias Habich, Nina Kunzendorf und Devid Striesow, Heino Ferch, Christian Berkel, Wotan Wilke Möhring und Kostja Ullmann.

Unter den Krimis sind zwei POLIZEIRUF 110-Folgen, in denen Matthias Brandt und Anna Maria Sturm als neues Ermittlerpaar debütieren, die neueste Folge von UNTER VERDACHT (von der frisch gekürten Grimme-Preisträgerin Aelrun Goette) mit Senta Berger und der BR-Heimatkrimi FÖHNLAGE, in dem Martin Feifel als Kommissar in Garmisch-Partenkirchen ermittelt.

Ihre Premiere werden auf dem FILMFEST MÜNCHEN auch zwei große dreistündige Event-Filme haben, die im Fernsehen - und auf dem Festival - in zwei Teilen gezeigt werden: DER CHINESE ist die Verfilmung des gleichnamigen Thrillers von Henning Mankell mit Suzanne von Borsody und Michael Nyqvist. Die ZDF-BBC Koproduktion LACONIA mit Ken Duken und Franka Potente erzählt die Geschichte eines ungewöhnlichen Aktes von Zivilcourage mitten im U-Boot-Krieg 1942.

Die Dokumentarfilme der Reihe beschäftigen sich mit dem Begriff der EHRE, den Spuren koscheren Lebens in einer Familie (NICHT GANZ KOSCHER) und dem wohl bekanntesten zeitgenössischen deutschen Komponisten Wolfgang Rihm (ICH BIN DEIN LABYRINTH).

Die 20 Spielfilme der Reihe Deutsche Fernsehfilme konkurrieren um den Bernd Burgemeister Fernsehpreis 2011, der am 26. Juni 2011 auf dem FILMFEST MÜNCHEN vergeben wird. Der mit 25.000 Euro dotierte Preis wird von der VFF, der Verwertungsgesellschaft der Film- und Fernsehproduzenten, gestiftet. Ausgezeichnet wird der Produzent des besten Fernsehfilms. Die Jury des Bernd Burgemeister Fernsehpreis 2011 bilden die Schauspielerin Bernadette Heerwagen, die Drehbuchautorin und Regisseurin Julia von Heinz sowie Andreas Schreitmüller, Leiter der Redaktionen Spielfilm und Fernsehfilm beim Kulturkanal ARTE.

Das komplette Programm des FILMFEST MÜNCHEN 2011 wird am 6. Juni veröffentlicht. Der Online-Kartenverkauf startet am 13. Juni.


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