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Zurück zur ÜbersichtSonntag, 26.06.2011
THE OFF HOURS: Amy Seimetz
Das "It Girl" von Sundance 2011 im Interview
"Der Independentfilm ist nicht tot. Aber manchmal muss man ein
paar Steine umdrehen, um ihn zu finden." Amy Seimetz in THE OFF
HOURS
Die L.A. Times nannte Amy Seimetz das
"Sundance It Girl 2011". Neben der Schauspielerei schreibt sie,
produziert und führt Regie. Letztes Jahr war sie beim FILMFEST
MÜNCHEN in THE MYTH OF THE AMERICAN SLEEPOVER zu sehen. Am
Dienstag, den 28. 6. kommt sie nach München. Am Mittwoch, den 29.6.
um 21:30 Uhr wird sie den Film THE OFF HOURS
präsentieren, in dem sie eine Nachtschicht-Kellnerin auf der Suche
nach der Liebe spielt.
MYTH OF THE AMERICAN SLEEPOVER lief letztes Jahr beim FILMFEST
MÜNCHEN, Regisseur Dave Mitchell war einer der Publikumsslieblinge.
Waren Sie schon einmal in München?
MYTH OF THE AMERICAN SLEEPOVER ist ein wunderschöner Film. David hat seine Vision mit so viel Herz und Präzision verwirklicht. Der Regiestil von Megan Griffiths bei THE OFF HOURS ist sehr ähnlich - präzise und makellos vom Tonfall. Sowohl Megan wie David achten sehr aufs Detail und auf die kleinen Nuancen im Spiel, und umgeben sich gerne mit tollen Crews. Ich bin schon ein paar Mal in Berlin gewesen, aber noch nie in München. Ich freue mich sehr darauf, die Stadt kennen zu lernen.
Sie haben beim Film SILVER BULLETS mitproduziert, Schauspielerin Lynn Shelton aus OFF HOURS hat auch mitproduziert. Wir haben im diesjährigen Festivalprogramm Filme, die von Schauspielern wie Nicole Kidman, Natalie Portman, Kevin Spacey und Keanu Reeves produziert wurden - Ist die Eigenproduktion eine neue Möglichkeit für Schauspieler, die Filme zu machen und Rollen zu bekommen, die sie wollen? Oder sehen Sie das nur als logische Fortführung des Independent Do-It-Yourself Geistes?
Ich bin kein hektischer Produzententyp. Ich bin mehr sowas wie eine schrullige Hausmeisterin mit einem riesigen Schlüsselbund, die jemandem eine neue Wohnung zeigt-- wenn der eine Schlüssel nicht passt, probiere etwas anderes.
Ich sollte ursprünglich nicht in SILVER BULLETS mitspielen. Ich weiß nicht, ob Sie Joe Swanbergs Regiemethode kennen - der Film durchlief mehrere Inkarnationen, ehe er sich auf die jetzige Form festlegte, und irgendwann wurde ich da auch mit reingeworfen. Mein Ziel als Joes Produzentin war es nicht, meine Nase auf die Leinwand zu bekommen. Ich hatte eine Rolle in ALEXANDER THE LAST und war völlig erstaunt von seiner Fähigkeit, den Film zu entwickeln ohne total unter Stress zu geraten. Ich weiß immer noch nicht, wie er das schafft - vielleicht würde er Ihnen auch sagen, dass er total unter Strom steht aber es nicht zeigt. Für mich war es nur eine andere Art der Zusammenarbeit.
Produzieren ist eine schwammige Angelegenheit - ich kann gar nicht sagen, wie oder warum andere es tun. Jeder Film ist anders. Ich mag den DIY - Do-It-Yourself - Ansatz wenn es darum geht, mein Waschbecken zu reparieren oder neue Klamotten zu nähen, aber Film ist immer ein Gemeinschaftwerk. Vielleicht wäre DIO der bessere Ausdruck: Do-It-Ourselves... Aber das hat nicht das selbe punkige Flair, was?
Hat das Ihre Einstellung zum
Filmemachen verändert - sich plötzlich übers Budget, die
Verwertung, das Geschäftliche Sorgen zu machen? Hat das ihre Arbeit
alss Schauspielerin verändert?
Bei SILVER BULLETS habe ich mir jeden Tag die Augen ausgeheult,
wenn ich ans Geschäftliche gedacht habe. Ich wollte zum
Beispiel, dass der Film damit endet dass Kate oben auf der
Freihheitsstatue schreit, aber Joe fand das vom Ton her falsch.
Jeden Tag hat Joe meine grandiosen Vorstellungen abgeschossen. Mein
lädiertes Ego und mein allgemeiner Missmut mit Joe hat irgendwann
mein Spiel beeinträchtigt..
Nein, ich würde und könnte keine
Independentfilme machen, wenn ich mir zuviele Gedanken übers
Geschäftliche machen würde. Es gibt Leute, die besser ausgerüstet
sind, damit fertig zu werden. Meine Produktionsfähigkeiten
erstrecken sich lediglich darauf den Film gemacht zu bekommen - ab
da lasse ich die PR und Sales-Leute übernehmen. Das hängt natürlich
alles davon ab, was für einen FIlm man macht.
Sie habe auch schon Drehbücher geschrieben und Regie geführt -
war das ein natürlicher Schritt oder war es eher wie ein
Seitenwechsel?
Für mich ist alles Filmemachen. Ich wollte ursprünglich
schreiben und Regie führen, aber mein anfängliches Unwissen übers
Protokoll und die Industriegepflogenheiten ließ die Grenzen
zwischen den einzelnen Aufgabenbereichen am Set verschwimmen. Als
ich am der NYU Film studierte, begann ich in meinen eingenen Filmen
aufzutreten weil es mir schwer fiel, anderen zu sagen was sie zu
tun haben. Dann begann ich Gefallen an der Schauspielerei zu
finden. Es wurde mir klar dass ich zu stolz gewesen war zuzugeben,
dass ich gerne auch vor der Kamera stehen würde. Ich glaube ich
dachte man hält mich dann für eitel. Vielleicht war ich auch eitel.
Um als Künstler dabeizubleiben, muss man ein bisschen eitel
sein.
Momentan führe ich gerade Regie in einem Film mit Kate Lyn Sheil
und Kentucker Audley. Wir sind fast fertig. Es geht um zwei
Liebende auf den Straßen im Hinterland von Florida, die sehr böse
Dinge tun. Kate und Kentucker sind brilliant darin. Ich habe sehr
viel Glück, mit ihnen zu arbeiten, sowohl als Schausspielerin wie
als Regisseurin.
Unser Ehrengast auf dem FILMFEST Tom DiCillo
beklagt die Einvernahme des amerikanischen Indpendent-Films durch
Hollywood - räumt aber ein, dass Hollywood seine
Existenzberechtigung hat. Wo sehen Sie sich - als zur Zeit
angesagteste amerikanische Indie-Filmemacherin - auf diesem
Spektrum zwischen Mainstream- und
Independent-Kino?
Ich weiß gar nicht, ob die überhaupt zum selben Spektrum gehören,
oder ob man sich da wirklich festlegen muss. Der Begriff Spektrum
erinnert mich an das Lichtspekttum im Astronomie-Seminar - Soll ich
eine Farbe aussuchen?
Ich mag Hollywood. Und ich mag Independentfilme. Beide
koexistieren und bedingen einander. Ja - ich weiß, was DiCillo
meint wenn er davon spricht, dass der Independentfilm zu sehr nur
noch auf den Verkaufserfolg schielt. Und ich glaube auch dass der
Begriff "Independent" heute zu sehr verwässert und ausgedehnt
wurde, genauso wie Begriffe wie "HD" und "bio". Tortzdem heißt das
nicht, es gäbe keine Künstler, die versuchen, neue Grenzen
auszuloten. Der Independentfilm ist nicht tot. Aber manchmal muss
man ein paar Steine umdrehen, um ihn zu finden.
Interview: Collin
McMahon
Nachdruck frei mit Nennung und Beleg










