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Mittwoch, 25.06.2014

Die Seidenstraße der Kinder: Junge Filme aus Fernost

China, Japan, Korea, Mongolei, Kambodscha und Thailand

Ananda Everingham und Janesuda Parnto in CONCRETE CLOUDS

Das Kino aus Fernost nimmt seit langen Jahren beim FILMFEST MÜNCHEN einen besonderen Platz ein. Wie immer stark vertreten ist das in den letzten Jahren zu einer neuen Blüte gekommene koreanische Kino. Viele sprechen auch von der koreanischen "New Wave". Darin nimmt der Meisterregisseur Hong Sang-soo eine Sonderstellung ein. Er lebt in seinem eigenen Erzählkosmos, der, stark beeinflusst von der französischen Nouvelle Vague, v.a. an die poetischen Konversationstücke eines Eric Rohmer erinnert. OUR SUNHI, ausgezeichnet in Locarno mit dem Regiepreis, beweist mit minimalistischer Leichtigkeit, wie wenig es braucht, um Spannung zwischen Figuren und eine bewegende Geschichte zu kreieren.


Si-hoo Kim und Yun-hea Kim in STEEL COLD WINTER

Dagegen trägt STEEL COLD WINTER alle Elemente, die das jüngere Kino Koreas auszeichnen, in sich, Genre- und Autorenkino untrennbar miteinander verknüpft. Gesellschafliche Gewalt in stilisierter Fotografie. Nonkonformisten, meist Jugendliche, werden zu neuen Helden. Ein Psycho-Horror-Szenario.


WIE DER WIND SICH HEBT von Hayao Miyazaki

Besonders stolz sind wir gleich zwei neue Highlights des japanischen Animationsfilms aus dem legendären Filmstudio Ghibli präsentieren zu können. WIE DER WIND SICH HEBT von Altmeister und Chef des Ghibli-Studios Hayao Miyazaki entführt in die faszinierende Welt des Flugzeugbaus und hebt den Realismus seines Sujets mit zeichnerischen Mitteln auf eine ganz neue Ebene. DIE LEGENDE DER PRINZESSIN KAGUYA von Isao Takahata zeichnet ein japanisches Volksmärchen aus dem 10. Jahrhundert nach. Ein wirklich großartiges Duett, das eine ganze Bandbreite unterschiedlicher Erzählwelten mit den Mitteln der Animation zeigt.


DIE LEGENDE DER PRINZESSIN KAGUYA von Isao Takahata

Als zentralen Film der diesjährigen Auswahl aus Fernost sehen wir das jüngst in Cannes präsentierte poetische Drama um Liebe und Tod der Meisterregisseurin Naomi Kawase, STILL THE WATER. Ein pantheistischer Bilderrausch!

Eine Liebesgeschichte, die sich zum Politthriller entwickelt, kommt aus China, TRAP STREET, das Regiedebüt von Vivian Qu. In Zeiten von WikiLeaks und NSA ein äußerst mutiger Film im heutigen China.


Yulai Lu in TRAP STREET

Fast unbemerkt von der westlichen Welt vollzieht sich in Thailand eine soziale Tragödie. Durch extreme Erosionen an den Finanzmärkten droht der komplette Zusammenbruch der gesamten Nation. Lee Chatametikool, bisher bekannt als Cutter der Filme von Cannes-Preisträger Apichatpong Weerasethakul, verbindet in CONCRETE CLOUDS die Nostalgie eines Heimatverlusts mit wunderschönen verstreuten Liebesgeschichten.


Baasandorj Enkhtaivan in REMOTE CONTROL

Als visuelles Highlight kann die australisch-kambodschanische Koproduktion RUIN gelten. Hier trifft die Romantik der exotischen Liebesbeziehung zweier Outcasts auf die Realität einer feindlichen Umwelt. Ein Muss für jeden, der zeitgenössisch-innovatives Kino liebt.

REMOTE CONTROL offenbart dem Zuschauer einen präzisen Einblick in der Zerrissenheit der mongolischen Gesellschaft. Atemberaubende Landschaften, jahrhundertealte Traditionen dieses einst gewaltigen Weltreiches stoßen unmittelbar auf eine anonyme moderne Wirtschaftswelt. Einziger Ausweg: die Welt der Phantasie.

Bernhard Karl

 

Filme aus Fernost beim Filmfest 2014

CineMasters
STILL THE WATER, Naomi Kawase, Japan/Spanien

CineVision
RUIN, Michael Cody und Amiel Courtin-Wilson, Australien/Kambodscha

Spotlight
WIE DER WIND SICH HEBT, Hayao Miyasaki, Japan
DIE LEGENDE DER PRINZESSIN KAGUYA, Isao Takahata, Japan
STEEL COLD WINTER, Choi Jin-seong, Südkorea

International Independents
OUR SUNHI, Hong Sang-soo, Südkorea
TRAP STREET, Vivian Qu, China
REMOTE CONTROL, Byamba Sakhya, Mongolei/Deutschland
CONCRETE CLOUDS, Lee Chatametikool, Thailand


Nijiro Murakami und Jun Yoshinaga in STILL THE WATER