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Mittwoch, 18.01.2017

Trauer um Hans Strobel

Ein Nachruf

Hans Strobel mit Astrid Lindgren beim FILMFEST MÜNCHEN 1985

Der langjährige frühere Leiter des Kinderfilmfests München Hans Strobel ist in der Nacht zum 24.12.2016 nur wenige Tage vor seinem 79. Geburtstag verstorben. Wir trauern um einen geschätzten Kollegen und einen der großen Mentoren und Wegbereiter des modernen Kinderkinos.

Zusammen mit seiner Frau Christel war Strobel davon überzeugt, dass man genauso wie Erwachsenen auch Kindern die Welt über Filme erschließen und ihnen durchaus auch "schwierige" Inhalte oder eine ungewohnte Filmästhetik vermitteln kann. Denn er nahm sie ernst und glaubte nicht daran, Kinder vor Problemen schützen zu müssen, sondern es kam darauf an, wie man ihnen komplexe Themen vermittelte.

Die beiden arbeiteten schon in den 1970er Jahren unermüdlich für die Anerkennung des modernen und etwas anderen Kinderfilms in Deutschland, wo das Angebot doch recht spärlich war. 1979 gründeten sie das "Kinderkino München" im Olympiadorf und zeigten dort Kinderfilme aus der ganzen Welt. Ihr Kinderkino sollte wegweisend für andere Kinderkino-Initiativen werden, denn die jungen Zuschauer galten den Strobels nicht als Konsumenten, sondern sie bezogen sie auch mit in die Umsetzung und Planung ein: als Kassenkräfte, Ansager und Filmkritiker für das eigene Kinoheft "Neues vom lachenden Filmsocken". Mit von der Partie auch ihr Sohn Frank, der als junger Vorführer schon früh an das Filmgeschäft herangeführt wurde und heute ein bekannter Dirigent und Spezialist für Filmmusik und Musikbegleitung zu Stummfilmen ist. Es ist tröstlich, dass Hans seinen Sohn noch einen Tag vor seinem Tod in der Münchner Philharmonie beim Dirigat des Films "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" erleben konnte.

Als 1983 das Filmfest München gegründet wurde, sorgten Hans und Christel Strobel dafür, dass eine Sektion Kinderfilmfest eingerichtet wurde, die er 22 Jahre lang bis 2004 leitete. Sie zeigten aktuelle Filme, machten beispielsweise den Iranischen Film bei uns bekannt, auch wenn der zunächst nicht als typischer Kinderfilm anzusehen war, organisierten Retrospektiven und regelmäßige Begleitveranstaltungen – und brachten hochrangige und interessante Gäste wie zum Beispiel Astrid Lindgren (1985), Ota Hofman oder den bekannten iranischen Filmemacher Majid Majidi (2000) nach München aufs Kinderfilmfest.

1980 gründeten Hans und Christel Strobel die Kinder-und Jugend Film Korrespondenz, bis zuletzt das einzige deutschsprachige Magazin für den Kinder- und Jugendfilm. Strobel war außerdem Dozent an der Katholischen Stiftungsfachhochschule München und an der Katholischen Fachakademie für Sozialpädagogik München und wirkte lange am Institut Jugend Film Fernsehen in München, um als Vermittler sowohl die Studierenden, als auch seine Kollegen für den Kinderfilm zu begeistern. Er war in vielen Verbänden tätig, beim Bundesverband Jugend und Film, der LAG Film Bayern, oder dem Förderverein deutscher Kinderfilm. Wer ihn kannte, mochte seine kommunikationsfreudige und offene Art, die frei von jedem Konkurrenzdenken war. Er war ein Meister darin, Kontakte zu knüpfen und Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen.

Hans und Christel Strobel erhielten für ihre wegweisende Arbeit zahlreiche Auszeichnungen, darunter die Medaille "München leuchtet – den Freunden Münchens", den "Ehrenschlingel" des internationalen Kinder-und Jugendfilmfests in Chemnitz, oder den Förderpreis der DEFA-Filmstiftung. Der Verband der deutschen Filmkritik hat den beiden 2013 seinen Ehrenpreis verliehen. Bis zum Schluss blieb Hans Strobel neugierig und konstruktiv im Dialog. Wir werden ihn alle sehr vermissen.