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Freitag, 07.04.2017

Poster 2017: Das neue Design

Illustratorin Olimpia Zagnoli im Interview

Olimpia Zagnoli (© Tamu McPherson)

 

Seit 2012 ist die Sonnenbrille das Symbol für Deutschlands größtes Sommerfilmfest. Die Idee stammt vom Designstudio Abc&D, das sich seit fünf Jahren um die visuelle Kommunikation des Festivals kümmert. Umgesetzt hatte die Motive der Münchner Filmplakatmaler René Birkner. Neben dem FILMFEST MÜNCHEN-Plakat zeichnet Birkner u.a. auch die Fassadenplakate der Festivalkinos Sendlinger Tor und City. In diesem Jahr hat sich Abc&D nun etwas Neues überlegt.

„Unser Ziel war es, dem visuellen Leitmotiv – der Filmfest-Sonnenbrille – nach fünf Jahren Ästhetik der Kinoplakatmalerei einen neuen Stil zu verpassen“, sagt Justin von Keisenberg von Abc&D. Sein Kollege Manuel Trüdinger fügt an: „In diesem Jahr steht die Geschichte des Kinofilms im Mittelpunkt: Sehr markante Sonnenbrillen aus Klassikern der Kinofilmgeschichte werden in den Fokus der visuellen Festivalkommunikation gerückt.“

Für dieses Konzept konnte das Studio die bekannte italienische Illustratorin Olimpia Zagnoli gewinnen. Ihre Arbeiten waren bereits auf den Titelblättern des New York Times Magazine, des New Yorker, der La Repubblica. Außerdem entwarf sie Illustrationen für Google und den Taschen Verlag. Mit ihren großflächigen Zeichnungen hat sich Zagnoli ein eigenes Image kreiert. Riesige, kräftige Farbblöcke, klare Formen, schwungvolle Silhouetten, winzige Details. Klug und subtil beobachtet sie, was um sie herum passiert.

Die Motive werden nicht nur auf dem Plakat 2017 zu sehen sein, sondern auch auf der Website und vielen weiteren Kommunikationsmitteln.


Das FILMFEST MÜNCHEN sprach mit Olimpia Zagnoli über das Plakat 2017:



Was fanden Sie spannend daran, das Plakat für das FILMFEST MÜNCHEN zu illustrieren?

Ich genieße Filme als eine komplexe Form des kreativen Ausdrucks. Für mich sind Filmfestivals eine interessante Gelegenheit, Menschen zu treffen und mit ihnen über ihre Gefühle zu sprechen – indem sie auf das reagieren, was sie gerade auf der Leinwand gesehen haben.

Wie war Ihr Zugang zur Motividee bzw. den Motiven „Berühmte Sonnenbrillen(träger) aus der Filmgeschichte“?

Ich habe ein sehr klares Briefing erhalten, dass ich eine meiner häufig gezeichneten Accessoires hervorheben soll: die Sonnenbrille. Ich könnte also kaum glücklicher sein.

Was begeistert Sie an Ihrer Arbeit?

Ich schaffe eine Parallelwelt, die eine universale Sprache spricht. Alle können sie verstehen, selbst wenn sie in einer anderen Parallelwelt leben.

Woher nehmen Sie die Inspiration für Ihre Illustrationen?

Mich inspirieren viele Dinge: Supermärkte, Proust, alte Textilien und Coca Cola.

In einem Interview sagten Sie, dass das Illustrieren für Sie eine Form der Kommunikation ist. Was bedeutet das?

Ich schaffe Bilder, die ein Gefühl, eine Emotion, eine Reaktion, ein Konzept oder vielleicht auch gar nichts wecken. Deshalb würde ich sagen, dass ich meinen visuellen Wortschatz nutze, um jemandem etwas mitzuteilen.

Sie zeichnen vor allem auch weibliche Figuren. Warum?

Weil ich selbst eine Frau bin. Deshalb ist es für mich leichter, mich mit einer Situation zu identifizieren, die von einer Frau erlebt wurde und nicht von jemand anderem. Ich weiß genau, wie sich eine Frau fühlt, wenn sie aus dem Bett springt und aufgeregt ist, weil sie denkt, sie hat etwas erreicht, das sie sich mit all ihrem Herzen gewünscht hat. Das kann ich von Männern und Katzen nicht behaupten. Auch wenn ich mir vorstelle, dass sich das für sie auch ziemlich gut anfühlen muss.

Ihre Illustrationen sind sehr flächig, mit klaren großen Strukturen. Aber dennoch haben Sie häufig kleine auffällige Details. Auf unseren Plakaten sind das beispielsweise Ohrringe etc. Warum? Was erzählen diese Details?

Ich kreiere gerne große Flächen und Formen, um sie dann mit kleinen Dekorationen und Mustern anzureichern. Ich denke, das verleiht den Figuren einfach mehr Charakter. Das sagt ein bisschen mehr aus über ihre intimen Entscheidungen und ihre Persönlichkeit.