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Donnerstag, 13.04.2017

Umfassende Gefühlsbilder

Das FILMFEST MÜNCHEN trauert um Michael Ballhaus

Michael Ballhaus auf dem FILMFEST MÜNCHEN 2013.

Der international angesehenste deutsche Kameramann der vergangenen Jahrzehnte bahnte sich seinen Weg von Unterfranken bis nach New York, eine steile Karriere zweifelsohne: Mit sensiblem Understatement schritt er stets voran, während sein Markenzeichen doch eine Kreisbewegung war – frenetisch wie in Fassbinders MARTHA (1973), anhimmelnd wie in den FABELHAFTEN BAKER BOYS (1989), für den er seine zweite Oscar-Nominierung erhielt, fiebrig wie in OUTBREAK (1995) von Wolfgang Petersen.

Ballhaus, geboren 1935 in stürmischen Zeiten, überstand den Exzentriker Rainer Werner Fassbinder genauso wie er Jack Nicholson überstand, der, wie er einmal erzählte, DEPARTED – UNTER FEINDEN (2006) stärker geprägt hatte als dessen Regisseur Martin Scorsese. In die saftigen Deutlichkeiten des Genrekinos stürzte er sich ohne Scheu, während ihm privat die großen Gesten wohl eher fremd waren. Ohne Eitelkeit sprach er etwa stets von seiner Erkrankung, dem Grünen Star. Ausgerechnet einen leidenschaftlichen Lichtarbeiter wie ihn befiel dieses Leiden.

Zuletzt lebte er wieder in seiner Geburtsstadt Berlin, doch nach München kehrte Ballhaus regelmäßig zurück. Er war an der Hochschule für Fernsehen und Film einer der Initiatoren der Kamera-Abteilung, die er von 2010 bis 2015 leitete, 2007 hatte er das Amt des Jurypräsidenten beim INTERNATIONALEN FESTIVAL DER FILMHOCHSCHULEN inne. Er vergab einen Spezialpreis an DEATH OF SHULA, ein israelisches Roadmovie um einen Familienvater, der seinen Hund in der Wüste begraben möchte. „Der Lauf des Lebens stört immer wieder die Fahrt“, schrieben wir seinerzeit.

Die Fahrten von Michael Ballhaus waren stets makellos. Und sie öffneten die Räume, in denen sich Menschen vor der Kamera bewegten ebenso wie die Gefühlswelten, die in ihnen tobten.