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Freitag, 16.06.2017

Am Anfang war immer das Wort

Christian Lex zum Autoren-Panel

Am Anfang war immer das Wort

Gastbeitrag von Christian Lex, Verband Deutscher Drehbuchautoren e.V.

 

Es ist schon merkwürdig. Einerseits taucht die Welt im Bingewatching-Wahn begeistert durch ein immer größer werdendes Meer an genial horizontal erzählten Serien; Fordert mehr und mehr Material, diskutiert mit Arbeitskollegen und ärgert sich über Kritiken in den Feuilletons, die doch die Lieblingsserie wieder nicht verstanden haben. Sie feiert die Macher, aber – und jetzt kommt der springende Punkt gerade in Deutschland scheint man andererseits zu vergessen, dass das aufgehende goldene Zeitalter des Fernsehens von Autoren geprägt ist. All die Showrunner, die kreativen Macher der Serien, sind mehr Autoren denn Regisseure. Vor wenigen Jahren haben die Autoren sogar durch einen Streik die halbe Branche in Hollywood lahm legen können. Selbst die Dänen haben uns gezeigt, was herauskommen kann, wenn man Adam Price einfach mal machen lässt und er mit BORGEN eine der besten Serien mindestens dieser Dekade schreibt.

Und wir in Deutschland? Wir hängen oft genug noch dem allein gültigen Bild des Autorenfilmers nach, zwingen auch den unbegabtesten Regisseur in die Drehbuchautorenrolle. In Pressemitteilungen von Produktionsfirmen werden Autoren bisweilen gar nicht erwähnt, im Videotext möchte man die nächste Unterseite anklicken, um den Autor herauszufinden, bis man merkt, dass er nicht veröffentlicht wurde. In Festivalprogrammen ist kein Platz mehr für seinen Namen, auf die Bühne bei Premieren kommt er gern mal gemeinsam mit dem Setrunner und im Abspann nennt man ihn grundsätzlich nicht. Er stand ja am Anfang des Films. Wenn er Glück hatte.

Woran liegt diese Missachtung eines so wichtigen Berufsstandes für das Filmemachen? Und warum ist das in anderen Ländern ganz anders? Haben wir in Deutschland einfach keine so guten Autoren? Entdecken die Fernsehredaktionen die innovativen Nischenfilmer des German Mumblecore vielleicht nur in der Hoffnung, man könne sich in Zukunft das Drehbuch gleich grundsätzlich sparen? Ist ein Drehbuch nicht ein besseres Textbausteinkonglomerat, dessen künstlerische Würze auch noch der Regisseur dazu geben kann? Oder liegt das Problem vielleicht doch woanders? Werden Autoren heute vielmehr als Lebensabschnittsschreiber verstanden, die zu gehen haben, wenn es wem auch immer nicht passt? Verstehen die Entscheider nicht mehr Autorenpersönlichkeiten zu fördern, in dem man ihnen Raum, Zeit, Geld und vor allem Vertrauen gibt? Arbeiten sich die Autoren heute vielmehr an einer kaum erklimmbaren Produzentenwand ab, die sich vor den direkten Kontakt mit den Redaktionen geschoben hat?

Wo sind sie – die Autoren? Diese Frage stellt sich der Verband Deutscher Drehbuchautoren am 26.06. um 13.30 Uhr in der Black Box im Gasteig. Auf dem von VDD Vorstandsmitglied Brigitte Drodtloff moderierten Podium sitzen:

Dr. Cornelia Ackers - Redakteurin und Filmproduzentin beim Bayerischen Rundfunk
Dr. Lisa Giehl - Förderreferentin Drehbuch bei der FFF-Bayern
Ronald Mühlfellner - Produzent Bavaria Fernsehproduktion GmbH
Doron Wisotzky - Abteilungsleiter der Drehbuchabteilung an der HFF München
Sebastian Andrae - Drehbuchautor und geschäftsführender VDD-Vorstand