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Sonntag, 25.06.2017

Beziehungskisten

Die Liebe ist ein seltsames Spiel

Beziehungskisten

WHATEVER HAPPENS mit Fahri Yardim und Sylvia Hoeks

 

Zwei Menschen treffen sich, verlieben sich, ziehen zusammen, bekommen vielleicht ein Kind – dass es nicht immer so geradlinig abläuft, erleben auch Julian und Hannah. In Niels Lauperts Film WHATEVER HAPPENS wird aus einer Wohngemeinschaft eine Liebesbeziehung. Doch mit dem schnell und ungeplant eintreffenden Töchterchen kommen auch neue Probleme: Mamas Job nimmt wahnsinnig viel Zeit in Anspruch, während sich Fotograf Julian mit dem Nachwuchs etwas allein gelassen fühlt.

Ein ganz normales Paar, dessen Liebe in die Jahre gekommen ist; genaugenommen ins achte, gibt’s auch in ZWEI IM FALSCHEN FILM. An ihrem Jahrestag gehen sie ins Kino. Nur will die romantische Stimmung von der Leinwand nicht so recht auf die beiden überspringen. Also erstellen sie eine Liste mit all den „Sachen“, die zu einer filmreifen Liebe gehören: Romantik, Sehnsucht, Leidenschaft, Eifersucht und Drama – die großen Gefühle eben. Hochmotiviert beginnen sie, diese Liste abzuarbeiten und stellen fest: Im wahren Leben ist nichts wie im Film!

 


Marc Hosemann und Laura Tonke füheln sich wie: ZWEI IM FALSCHEN FILM

 

Eleanor Coppola, berühmte Ehefrau von Francis Ford und Mutter von Sofia Coppola, besucht das FILMFEST MÜNCHEN mit ihrem Spielfilmdebüt PARIS KANN WARTEN. Weltbekannt ist sie spätestens seit ihrer grandiosen Dokumentation HEARTS OF DARKNESS über die Dreharbeiten des Goldene-Palme-Gewinners APOCALYPSE NOW. Jetzt tritt sie endlich mit einem eigenen – sogar autobiographisch angehauchten – Spielfilm aus dem Schatten ihres Ehemannes. Diane Lane spielt in PARIS KANN WARTEN die Frau eines Filmproduzenten. Weil sie einen Flug mit ihm nicht antreten kann, landet sie im Cabrio seines französischen Kollegen, der auf der Fahrt nach Paris keine Gelegenheit auslässt, mit Anne zu flirten.

Auf einen Flirt mit Konsequenzen lässt sich auch Ronald Zehrfeld ein. Als Geologe Michael arbeitet er in Arad am Toten Meer. Wie jung Alex wirklich ist, ahnt er nicht. Die 18-Jährige lebt einsam, seit ihre Mutter sich plötzlich aus dem Staub machte. Heimlich bricht THE BURGLAR in fremde Wohnungen ein und stiehlt dort neben Geld auch Lebensgeschichten, um sich damit für den älteren Michael interessant zu machen. Die israelische Regisseurin Hager Ben-Asher ist hier in bester Gesellschaft, denn ihre Kollegin Rama Burshtein ist auch mit einem Beziehungsfilm auf dem FILMFEST MÜNCHEN. Wie schon in ihrem gefeierten Debüt AN IHRER STELLE (2012) ist das Thema eine Hochzeit im jüdisch-orthodoxen Millieu, diesmal allerdings als Komödie: THROUGH THE WALL.

 


Ob ein Bräutigam auftaucht? Noa Koller in THROUGH THE WALL

 

Einen Monat vor der Trauung eröffnet Gidi seiner Verlobten, dass er sie leider nicht liebt und löst sein Versprechen. Michal lässt sich aber nicht von ihrem Plan abbringen: Der Saal ist gebucht, das Kleid in Auftrag, die Gäste geladen – jetzt muss nur noch Gott seinen Teil dazutun und ihr den Richtigen schicken. Daran lässt die orthodoxe Jüdin keinen Zweifel.

Ob er seiner eigenen Erinnerung trauen kann? Daran zweifelt Jim Broadbents Charakter Tony als er sich zurück an seine erste Liebe Veronica erinnert. Sein bester Freund Adrian spannte sie ihm vor Jahrzehnten aus. Im Erbe von Veronicas Mutter taucht nun überraschend dessen Tagebuch wieder auf, welches ausgerechnet Tony hinterlassen wurde. Ein komplexes Beziehungsgeflecht aus verdrängten Erinnerungen wird langsam aufgedeckt. Nach dem gleichnamigen Erfolgsroman von Julian Barnes blickt in THE SENSE OF AN ENDING ein alternder Mann auf sein Leben zurück und verliert dabei seine Frau und schwangere Tochter aus den Augen.

Beziehungen sind nie einfach, hoffentlich aber alle Mühe wert. Wie so oft hilft das Kino, indem es uns einen Spiegel vorhält.