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Freitag, 16.06.2017

Perlen aus Asien

Filme aus Indochina und dem Himalaya

POP AYE

Neben Filmen aus China (siehe Die neue Seidenstrasse), Korea, Japan und Indien zeigt das FILMFEST MÜNCHEN in diesem Jahr einige Entdeckungen aus hierzulande wenig bekannten asiatischen Filmländern wie Singapur, Sri Lanka, Bhutan, Myanmar, Nepal und Afghanistan.

Aus Singapur kommt ein warmherziger Film mit einem unwiderstehlichen Protagonisten: einem Elefanten. POP AYE von Kirsten Tan, die bei der Vorstellung ihres Films anwesend sein wird, ist ein relaxter Roadmovie, eine Aussteigergeschichte der ungewöhnlichen Art – ein Mann beschließt eines Tages, sein frustrierendes Arbeitsleben hinzuschmeißen und kauft sich einen Elefanten, mit dem er sich auf eine Entdeckungsreise zu sich selbst begibt.

HEMA HEMA: SING ME A SONG WHILE I WAIT


Einen künstlerisch außergewöhnlichen Trip in einen mystischen Kosmos garantiert HEMA HEMA: SING ME A SONG WHILE I WAIT. Der vierte Film des bhutanischen praktizierenden Mönchs Kyhentse Norbu (2014 mit VERA: A BLESSING beim FILMFEST MÜNCHEN) ist ein bizarres Maskenspiel, ein filmischer Feuertanz in atemberaubender Naturkulisse, den man so bisher wohl kaum gesehen hat.

WHITE SUN ist nach THE BLACK HEN (2016 in München zu sehen) ein weiterer fesselnd erzählter Film aus dem hierzulande kaum bekannten Filmland Nepal. In sorgsam komponierten Bildern erzählt Deepak Rauniyar anhand eines Familienbegräbnisses von den tiefen Rissen, die durch eine Gesellschaft gehen, die am Scheideweg zwischen Tradition und Moderne steht.

 BURNING BIRDS


Sri Lanka ist von einem grausamen, jahrzehntelangen Bürgerkrieg gezeichnet. Der junge Regisseur Sanjeewa Pushpakumara blickt zurück auf das Jahr 1989 und findet in BURNING BIRDS fast ikonographische Szenen, die zu einem Gemälde der Empathie werden, das man so schnell nicht vergessen kann. Er wurde dafür auf zahlreichen Festivals weltweit ausgezeichnet.

Midi Z, burmesischer Festival-Shootingstar eines konsequenten Arthouse-Kinos war bereits mit RETURN TO BURMA und POOR FOLK beim FILMFEST MÜNCHEN zu sehen. Auch in seinem neuen Flüchtlingsdrama THE ROAD TO MANDALAY verfolgt er engagiert Menschen auf ihren todesmutigen Weg in eine vermeintlich bessere Welt.

Kai Ko und Ke-Xi Wu in THE ROAD TO MANDALAY


Zum Schluss eine Entdeckung des jüngsten Festivals von Cannes. Die Dokumentarfilmerin Sonia Kronlund ist in Afghanistan auf eine irrwitzige lokale Kult-Persönlichkeit gestoßen: Salim Shaheen, bekanntester Schauspieler und Regisseur seines Landes, ist ein selbsterfundener No-Budget-Filmer mit einem Werk von 109 Filmen. NOTHINGWOOD unterscheidet sich nach seinen Worten von “Hollywood” und von “Bollywood” dadurch, dass hier mit null Budget gearbeitet wird. Kronlund gelingt neben einem leidenschaftlichen Charakterporträt die bestechende Momentaufnahme eines nach Visionen einer schöneren Welt gierenden Landes in Trümmern.

Bernhard Karl 

 

Spotlight
POP AYE, Kirsten Tan, Singapur/Thailand

International Independents
BURNING BIRDS, Sanjeewa Pushpakumara, Sri Lanka/Frankreich/Niederlande/Katar
HEMA HEMA: SING ME A SONG WHILE I WAIT, Khyentse Norbu, Bhutan/Hong Kong
THE ROAD TO MANDALAY, Midi Z, Thailand/Burma/Taiwan/Frankreich/Deutschland/Myanmar
WHITE SUN, Deepak Rauniyar, Nepal/USA/Katar/Niederlande

Lights! Camera! Action!
NOTHINGWOOD, Sonia Kronlund, Afghanistan/Frankreich/Deutschland

 

Sumi Malla in WHITE SUN