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Donnerstag, 03.05.2018

Was das Fernsehen im Innersten zusammenhält

Das Programm der Reihe „Neues Deutsches Fernsehen“

Was das Fernsehen im Innersten zusammenhält

Eine bajuwarische Gesellschaftssatire: DER GROßE RUDOLPH Moshammer

 

Was die #ffmuc-Reihe „Neues Deutsches Fernsehen“ im Faust-Jahr 2018 im Innersten zusammenhält, ist vielfältig und gegensätzlich wie das Leben selbst: Heimat und Fremde, Jugend und Tod, Aktuelles und Historisches, Familie und Wahlverwandtschaften spielen prominente Rollen in den deutschen TV-Produktionen…


Die #MeToo-Debatte bewegt nicht nur die globale Gesellschaft, sondern auch die deutschen Filmemacher: So erlebt die idealistische Lehrerin Luisa Jobst (Rosalie Thomass) eine RUFMORD-Kampagne, nachdem Nacktfotos von ihr auf der Website der Schule auftauchen. Auf einer realen Tragödie beruht Christian Görlitz´ Drama SIEBEN STUNDEN, in dem er das Martyrium der Psychologin Hanna Rautenberg (Bibiana Beglau) schildert, die von einem Sexualstraftäter als Geisel im Hochsicherheitsgefängnis genommen wird.

 


 Die #MeeToo-Debatte bewegt auch die deutschen Filmemacher

 

Auch in der Pubertät ist nicht ALLES ISY: Liebeskummer und Eifersucht, berauschende Substanzen und rauschende Beats knocken die Titelfigur (Milena Tscharntke) aus: Vergewaltigt und ohne Erinnerung muss sie in Mark Monheims Film erleben, was passiert – wenn nichts passiert. Einiges geschieht dagegen bei Emma (Anna Herrmann), die als Fluchthelferin in Syrien verschwindet: In FÜR MEINE TOCHTER macht sich Benno Winkler (Dietmar Bär) auf, sie aus den Fängen der weltpolitischen Entwicklungen zu befreien und nach Hause zu holen. Zwei Frauen (Britta Hammelstein, Susanne Wolff) wünschen sich UNSER KIND – in Zeiten der Ehe für Alle werden Regenbogenfamilien zur Normalität, wenn nicht ein verschleppter Adoptionsantrag und der plötzliche Unfalltod der leiblichen Mutter ihre Partnerin zu einem Kampf um das eigene Kind nötigt.

Auf der anderen Hälfte des Lebens befindet sich HANNE (Iris Berben), deren verdienter Eintritt in den Ruhestand nach einer ärztlichen Routineuntersuchung von schlimmen Ängsten überschattet wird. Dominik Graf schildert das abenteuerlustige Aufbegehren gegen die Unsicherheit von Leben oder Tod – ein Thema, das in diesem Jahr viele TV-Produktionen beschäftigen: Bissig und komödiantisch ist Niki Steins DIE AUFERSTEHUNG nach einem Roman von Karl-Heinz Ott, in dem ein Geschwisterquartett nach dem Tod des ungeliebten Papa ums Erbe fürchtet. Auch Georg Weiser (Joachim Król) sieht nach dem Tod seiner Frau keinen Anlass zum Trauern; vielmehr freut er sich nach dem Motto ENDLICH WITWER auf ein Leben ohne Pflichten und nen Kühlschrank voller Bier – bevor er unverhofft sein Liebesglück findet. Die Brüder SCHWARTZ & SCHWARTZ sind ein ungleiches Paar: Mads (Golo Euler) ein ambitionierter Polizist und Andi (Devid Striesow), ein dubioser Detektiv, ermitteln im Mordfall einer Promiarzt-Gattin auf jeweils eigene Weise.

 

 Im deutschen TV spielt das Lied vom Tod – mal satirisch, mal tragisch

 

Einen Erbstreit bajuwarischer Art inszeniert Christiane Balthasar mit BIER ROYAL: Nach dem Tod des Brauereipatriarchen Franz-Xaver Hofstetter (Andreas Giebel) wurschteln sich seine Witwe (Gisela Schneeberger) und die Tochter aus erster Ehe (Lisa Maria Potthoff) zwischen turbulenten Börsenschwankungen und verschwundenen Oktoberfest-Lizenzen vegan oder tierisch durch. Münchner Flair umweht auch Alexander Adolphs Moshammer-Film DER GROßE RUDOLPH (Thomas Schmauser), der die Geschichte des exzentrischen Münchner Modemachers für eine bissige Gesellschaftssatire nutzt.

Auch historische Stoffe inspirierten die Filmemacher der Reihe „Neues Deutsches Fernsehen“ 2018: Auf Hiddensee träumt KRUSO mit einem Sammelsurium aus Intellektuellen, Oppositionellen und vom DDR-Leben gezeichneten Aussteigern eine Inselutopie, die 1989 auf dem Festland Realität wird. In der Umbruchsgesellschaft kurz nach der Wende spielt Ulrich Tukur einen nicht wirklich fiktiven Treuhandchef, dem DER MORDANSCHLAG bei der Umgestaltung einer Plan- in eine Privatwirtschaft in die Quere kommt.

 

Die Wendezeit im Fokus: DER MORDANSCHLAG und KRUSO

 

Zwei Erzählstränge verbindet Petra K. Wagner in FRANKFURT, DEZEMBER 17: Krankenschwester Irina (Lana Cooper) beobachtet beim Auto-Sex mit dem verheirateten Oberarzt Carl (Barnaby Metschurat) eine Prügelei; Lennard (Christoph Luser) fischt Sam (Ada Philine Stappenbeck) von der Straße und wird verprügelt – wie hängt das zusammen? Rainer Kaufmanns DER POLIZIST UND DAS MÄDCHEN erzählt die Geschichte eines Menschen, der alles tut, um nichts zu verlieren: Dorfpolizist Martin Manz (Albrecht Schuch) überfährt die Tochter (Lilli Biedermann) seines Freundes Frank (Johannes Allmayer) – und verschweigt seine Schuld selbst gegenüber seiner schwangeren Ehefrau Anja (Aylin Tezel). Eine tragikomische Variante von SPEED ist Wolfgang Murnbergers NICHTS ZU VERLIEREN, wo ein schusseliges Einbrecherduo (Georg Friedrich, Christopher Schärf) einen mit einer Trauergesellschaft besetzten Reisebus kidnappt…


Das ist es, was die Reihe „Neues Deutsches Fernsehen“ 2018 im Innersten zusammenhält: „Jenes bedrängt, dieses erfrischt; So wunderbar ist das Leben gemischt.“ (Goethe)