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Donnerstag, 21.06.2018

Die Besten der Besten

Die Wettbewerbe CineMasters und CineVision

Die Besten der Besten

Wettbewerb CineMasters: GLÜCKLICH WIE LAZZARO von Alice Rohrwacher

Zwei internationale Wettbewerbe krönen auch in diesem Jahr das Programm des FILMFEST MÜNCHEN. Newcomer werden in der Kategorie CineVision mit ihrem herausragenden Debüt oder ihrem zweiten Film gezeigt, dem Gewinner winkt ein Preisgeld von 15 000 Euro, gestiftet von MPLC Deutschland. Unsere CineMasters sind Filme von bekannten und vielfach ausgezeichneten Meistern des zeitgenössischen Kinos. In beiden Wettbewerben entscheidet eine jeweils dreiköpfige Jury, die mit Stars wie Amanda Plummer, Meret Becker und Andreas Kriegenburg auch in diesem Jahr wieder hochkarätig besetzt ist. Der ARRI/OSRAM Award ist mit 50 000 Euro dotiert und geht an den besten CineMasters Film.

Goldene Palme für SHOPLIFTERS

SHOPLIFTERS von Hirokazu Kore-eda gewann im Mai die Goldene Palme und ist schon jetzt auf dem FILMFEST MÜNCHEN zu sehen. Das Drama um eine ökonomisch benachteiligte Familie, die trotz eigener Armut ein kleines, verletztes Mädchen bei sich aufnimmt, überzeugte die Cannes Jury. Ebenso wie GLÜCKLICH WIE LAZZARO vom italienischen Regietalent Alice Rohrwacher, wieder mit ihrer Schwester Alba Rohrwacher in einer der Hauptrollen, der in Cannes den Drehbuchpreis gewann. Dieser magisch-märchenhafte CineMasters Beitrag beeindruckt durch Bilder einfachen Lebens italienischer Landarbeiter, durch Sozialkritik und eine tiefe Freundschaft zwischen zwei Jungen. Hierzu passen zwei ähnlich ungewöhnliche Filme aus dem CineVision Wettbewerb: CHUVA É CANTORIA NA ALDEIA DOS MORTOS spielt unter brasilianischen Ureinwohnern, ein Teenager will seinem vorgegebenen Schicksal als Schamane nicht folgen und sucht die Stadt. BORDER aus Schweden hingegen ist die beginnende Liebesgeschichte zwischen Tina, einer Grenzbeamtin mit außergewöhnlichem Geruchssinn, und einem Mann, der eines Tages zunächst die Aufmerksamkeit ihrer Nase und später ihre weiteren Sinne erregt. Ausgezeichnet mit dem Un Certain Regard Preis in Cannes.

BORDER von Ali Abbasi

Das Regiedebüt TIGRE aus Argentinien steht in der Tradition der größten Regisseurin seines Landes, die obendrein als Ehrengast auf dem FILMFEST MÜNCHEN sein wird: Lucrecia Martel, ihr neuester Film ZAMA läuft neben THE MAN WHO KILLED DON QUIXOTE von Terry Gilliam im CineMasters Wettbewerb. Beide Regisseure haben Geschichten von sich sehnenden Männern auf abenteuerlichen Missionen mitgebracht. Zum Paradiesvogel Gilliam passen die jungen und höchstkreativen Regisseure von DIAMANTINO, die ihren ausgeflippten Erstling mit politischer Aktualität zu spicken wissen. Auch LES GARÇONS SAUVAGES ist seinem Titel nach wild, die #metoo-Debatte touchiert der Film allein schon mit der Tatsache das alle fünf bösen Jungs, die in einer folgenschweren Nacht eine Lehrerin vergewaltigen, von Schauspielerinnen anstatt von Männern verkörpert werden.

Einen Anruf von einer Frau in Not erhält Asger in THE GUILTY. Allein in einer Notrufzentrale am Telefon spielt diese kompakte Regiedebüt aus Dänemark. In Old Delhi sitzt ein Mann den ganzen Tag vor Bildschirmen und wird auch ähnlich Zeuge eines Verbrechens, das er verbissen zu lösen versucht. IN THE SHADOWS ist eine paranoide Reise in das Leben und den Kopf eines sozialphobischen Mannes.

LES GARÇONS SAUVAGES oder doch eher wilde Mädchen?

In die komplexe Gedankenwelt eines Priesters blickt Paul Schraders neuer Film FIRST REFORMED, eine radikale Entwicklung durchlebt dieser CineMasters Film, während seine Gegenstück THUNDER ROAD im CineVision Wettbewerb von einer anderen Institution, nämlich der Polizei, und der extremen Veränderung den der Verlust eines geliebten Menschen in den Alltag eines Cops reißt.

Moped-fahrende norwegische Cowboys (LAKE OVER FIRE) und ein schwebender Buddha (THE GREAT BUDDHA +) sind das leichtfüßige Gegengewicht zu ernsten Themen wie im Drama am Außengrenzposten eines israelischen Soldaten in FOXTROT. Jia Zhang-ke kommt mit seinem Gangster-Meisterwerk ASCHE IST REINES WEISS nach München und ist neben Koreas Regiestar Chang-dong Lee mit BURNING und Frankreichs Xavier Beauvois mit seinem Film LES GARDIENNES in aller bester Gesellschaft, alle drei Meister waren bereits für die Goldene Palme nominiert.

Jennifer Fox, als immerhin eine von drei fantastischen Regisseurinnen unter zehn starken Wettbewerbsfilmen der CineMasters Kategorie, geht den vielleicht ungewöhnlichsten Weg aller Kollegen. Als erfahrene Dokumentarfilmregisseurin entdeckte sie eine Geschichte von romantischen Erfahrungen die sie selbst 13-jährige niederschrieb. Dass ihre Erlebnisse Missbrauch waren, erkennt sie erst jetzt als Erwachsene. In ihrem ersten Spielfilm THE TALE, mit Laura Dern in der Hauptrolle, hat Fox diese ungewöhnliche Story jetzt verarbeitet.

Thematisch mutige Projekte, innovativ erzählt und meisterlich inszeniert, dass zeichnet die Wettbewerbe CineVision und CineMasters aus. Wir freuen uns auf viele schöne Vorstellungen, etliche auch in Gegenwart der Jurys. Möge der Beste der besten Filme gewinnen!