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Mittwoch, 13.06.2018

Italienisches Kino - vielfältig wie nie

Die Schwestern Rohrwacher und Neapel als Filmstadt

Italienisches Kino - vielfältig wie nie

Italiens Schauspielstar Alice Rohrwacher in TROPPA GRAZIA

Das italienische Kino ist auch auf dem 36. Filmfest München mit einem starken Line-Up vertreten. Schwerpunkte des weit gefächerten Programms liegen in diesem Jahr auf den zwei jungen Powerfrauen des italienischen Films, den Schwestern Alba und Alice Rohrwacher, sowie auf der italienischen Metropole und Filmstadt Neapel.

Alba Rohrwacher, eine der derzeit präsentesten Schauspielerinnen des italienischen Films, ist in München gleich in zwei Filmen zu sehen: In TROPPA GRAZIA (Regie: Gianni Zanasi) schlüpft sie in die Rolle von Lucia, einer alleinerziehenden Mutter, die vor eine folgenschwere Entscheidung gestellt wird. Außerdem spielt sie Antonia in GLÜCKLICH WIE LAZZARO (LAZZARO FELICE), dem neuen Werk ihrer Schwester, Alice Rohrwacher, die für den Film in Cannes den Preis für das beste Drehbuch gewann. Alice Rohrwacher gilt zu Recht als eine der interessantesten gegenwärtigen Regisseurinnen. Und wie in ihrem letzten Film LAND DER WUNDER (2014) beweist sie in GLÜCKLICH WIE LAZZARO ihren unvergleichlichen Stil. Die Geschichte des Bauernjungen Lazzaro und dem adeligen Tancredi ist scharfsichtige Gesellschaftskritik und magischer Realismus zugleich. Das Filmfest hat ihren Weg von Anfang an begleitet, im Jahr 2014 erhielt sie hier den CineVision Award.

LAZZARO FELICE

Mit Fokus auf der Stadt Neapel präsentiert das Filmfest München die mysteriöse Liebesgeschichte NAPOLI VELATA von Ferzan Ozpetek und das Mafia-Musical AMMORE E MALAVITA der Manetti Brüder. Beide Werke spielen in der berühmten Hafenstadt, die seit jeher eine ungeheure Faszination auf das Kino ausübt. Neapel, eine geheimnisvolle und gefährliche Stadt – Schauplatz unvergleichlicher Liebesabenteuer, Dramen und Schicksale. Herausragende Filmemacher sind mit der Stadt am Fuße des Vesuvs verbunden. Die großen Neorealisten Vittorio de Sica, Roberto Rossellini, Francesco Rosi schufen hier Klassiker der Filmgeschichte. Neapel hat von seiner Anziehungskraft nichts eingebüßt. Im Gegenteil, die Stadt bleibt unergründlich und ist präsent wie nie, dank einzigartiger Regisseure wie Paolo Sorrentino, Mario Martone oder Valeria Golino.

NAPOLI VELATA und AMMORE E MALAVITA

Schauplatz des rasanten Musicals AMMORE E MALAVITA ist Scampia, das berüchtigte Neubaughetto in Neapel aus der TV-Serie Gomorrha – und auch in der Realität eine Hochburg der Camorra. Die musikalische Mafia-Parodie der Regiebrüder Antonio und Marco Manetti war einer der großen Erfolge des letztjährigen Filmfestivals in Venedig und einer der erfolgreichsten Filme an den italienischen Kinokassen. Auch bei der Verleihung des Davide di Donatello, den italienischen Oscars, feierte AMMORE E MALAVITA mit fünf Auszeichnungen einen Triumph. Mit anarchischer Energie und großer Spielfreude ironisieren die Manetti-Brüder die gängigen Gangsterklischees. Dagegen zeigt der türkisch-italienische Regisseur Ferzan Ozpetek (HAMAM – DAS TÜRKISCHE BAD; 1997) in NAPOLI VELATA ein eigenes Bild von Neapel und zeichnet dabei ein ganz neues Portrait der Stadt. Das Drama folgt der geheimnisvollen Adriana. Zwischen leidenschaftlicher Affäre und brutalem Verbrechen verwischen allmählich die Grenzen zwischen Realität und Einbildung.

Aber auch die weiteren italienischen Filme in den Sektionen Spotlight und International Independents heben die Bedeutung des klassischen Filmlands Italien hervor: Vor dem Hintergrund der andauernden palästinensisch-israelischen Auseinandersetzungen könnte Stefano Savonas in Gaza City angesiedeltes Familienportrait SAMOUNI ROAD (LA STRADA DEI SAMOUNI) kaum zeitgemäßer sein. Der subtile Dokumentarfilm wurde beim diesjährigen Filmfestival in Cannes mit dem Prix Oeil d'or ausgezeichnet.

IL CONTAGIO, ZUHAUSE IST ES AM SCHÖNSTEN und SAMOUNI ROAD

Andere Krisen zeigt IL CONTAGIO von Matteo Botrugno und Daniele Coluccini: Verbrechen, Drogen und Korruption in Rom und das Leben in den Randbezirken der Stadt portraitiert auf eindringliche Weise. Die goldene Hochzeit auf einer kleinen Insel verläuft auch ganz anders als geplant in ZUHAUSE IST ES AM SCHÖNSTEN (A CASA TUTTI BENE) von Gabriele Muccino. Unruhe stiften hier Eifersucht, Affären und Familienintrigen. So wird das Zusammentreffen der Verwandtschaft zum gewaltigen Trubel.

Ebenfalls Teil des Programms des Filmfests ist die Publikumsdiskussion FILMMAKERS LIVE! CINEMA ITALIANO zum Stand des italienischen Films am Mittwoch, 4. Juli 2018 um 16.00 Uhr in der Black Box im Gasteig. Zu Gast werden sein: Regisseure Gianni Zanasi, Ferzan Ozpetek, Matteo Botrugno, Daniele Coluccini und Stefano Savona. Moderation: Christoph Gröner, Programmer FILMFEST MÜNCHEN. Der Eintritt zu FILMMAKERS LIVE! ist frei. Bitte sichern Sie sich ein kostenloses Einlassticket an der Kasse.