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Freitag, 01.06.2018

PARTY, LIEBE, NÖTE – KINO!

„Neues Deutsches Kino“ mit 16 Weltpremieren

PARTY, LIEBE, NÖTE – KINO!

MACKIE MESSER – BRECHTS DREIGROSCHENFILM eröffnet das #ffmuc 2018

Die Reihe „Neues Deutsches Kino“ ist ein Herzstück des FILMFEST MÜNCHEN. In den insgesamt sechzehn Weltpremieren präsentiert sich die hiesige Kinolandschaft abwechslungsreich und radikal: zwischen Party und existentiellen Nöten, Liebe und Geschlechterfragen bis hin zu historischen Reflexionen und hochaktuellen Diskursen.


In diesem Jahr lassen es die deutschen Kinomacher krachen – gleich vier Filme tauchen in die Nacht und wählen wilde PARTYS als Szenerie und Kulisse ihrer Erzählungen: Allen voran Henning Gronkowskis YUNG, einem potentiellen Skandalfilm, der Berliner Jugendliche der Generation Z auf ihrem (Irr-)Weg durch die Stadt und das Leben begleitet und dabei Hedonismus, Sexualität und Drogenkonsum explizit thematisiert. Linus de Paoli liefert mit A YOUNG MAN WITH HIGH POTENTIAL einen atemlosen Thriller ab: Als der ebenso hochintelligente wie sexuell unerfahrene Informatikstudent Piet von seinem großen Schwarm zurückgewiesen wird, greift er zu chemischen Substanzen  und durchlebt eine Nacht, in der er seine Unschuld in jeder Hinsicht verliert. Jakob Lass, der im Jahr 2013 mit LOVE STEAKS den Förderpreis Neues Deutsches Kino in gleich vier Kategorien gewann, begleitet in seinem neuen Film SO WAS VON DA die letzte Nacht eines Hamburger Musikclubs – mit Allem was zu einer guten Abschiedsparty so dazugehört.


Nachtleben und Exzesse als filmische Kulisse

Gleich mehrere Produktionen im diesjährigen Programm widmen sich der Darstellung und Erforschung existenzieller Nöte: In Eva Trobischs Drama ist für Protagonistin Jana mitnichten ALLES IST GUT. Dennoch gibt sie sich nach der Vergewaltigung durch den Schwager ihres Chefs alle Mühe, die Fassade aufrechtzuerhalten – und bringt mit ihrem Schweigen nicht zuletzt die Liebe zu ihrem Freund in Gefahr. Auch in Ann-Kristin Reyels' WIR HABEN NUR GESPIELT hütet eine Figur ein dunkles Geheimnis. Im Film zieht der junge Jonas mit seinen Eltern an die deutsch-tschechische Grenze und lernt dort den gleichaltrigen Miro kennen… Ein traumatisches Ereignis behandelt Damian John Harpers IN THE MIDDLE OF THE RIVER: Der junge Gabriel macht seinen Großvater für den Tod seiner Schwester verantwortlich und hat sich geschworen, diesen zu töten. Im Moment der Wahrheit wird sein Plan jedoch vereitelt und die beiden sind gezwungen, einen Tag miteinander zu verbringen.

 Existenzielle Nöte

Die liebe Familie birgt oftmals enormes Konfliktpotential:Davon erzählt auch Michael Kliers Kammerspiel IDIOTEN DER FAMILIE, in welchem fünf Geschwister auf engstem Raum ein moralisches Dilemma durchleben: Soll die jüngste, geistig behinderte Schwester in einem Heim leben? Auch in NIXEN von Katinka Narjes geht es um Familie: Das Band zwischen zwei Schwestern ist unzerstörbar – und dennoch müssen sie sich voneinander freischwimmen. Im Dokumentarfilm FAMILIE BRASCH behandelt Annekatrin Hendel anhand des Schicksals der titelgebenden Familie exemplarisch eine historische, wendungs- wie konfliktreiche deutsche Familiengeschichte über drei Generationen hinweg. Auch sehr persönlich erzählt die gebürtige Münchnerin und Filmfest-Wiederkehrerin Lola Randl in ihrem Film VON BIENEN UND BLUMEN, der Kinofassung ihrer Doku-Serie LANDSCHWÄRMER: eine Art filmisches Selbstexperiment eines alternativen Lebensentwurfs einer Großstädterin, die es aufs Land zieht.

 Die ‚liebe‘ Familie: Gestern und Heute

Wie so oft bewegt Liebe, Körper- und Geschlechtlichkeit auch die deutschen Kinomacher. So behandelt Philipp Eichholtz in seinem Film KIM HAT EINEN PENIS Aspekte der (sexuellen) Selbstverwirklichung und gesellschaftlichen Nonkonformität. Dagegen imaginiert Leonel Dietsche in ENDE NEU eine post-apokalyptische Welt, in der nur die Männer überlebt zu haben scheinen und das Recht des Stärkeren herrscht. Einen durchaus ungewöhnlichen LIEBESFILM legen Robert Bohrer und Emma Rosa Simon vor: Lenz, ein antriebsloser thirtysomething, und die Kriegsfotografin Ira verbringen einen unbeschwerten Sommer, bis Iras Kinderwunsch die Liebschaft jäh enden lässt – vorerst. Um Liebe – oder zumindest Artverwandtes – geht es auch in SAFARI – MATCH ME IF YOU CAN des Münchners Rudi Gaul. Die bayrische Landeshauptstadt wird darin dank der neuen Dating-App Safari zur Bühne für allerlei Selbstdarsteller und ein veritables Fegefeuer der Eitelkeiten. Arthur Schnitzlers Bühnenstück „Reigen” wird hier in die zeitgenössische Gegenwart katapultiert – mit äußerst amüsanten Folgen.

 Liebe: analog und digital

Ein weiterer Klassiker der Weltkultur bietet der Eröffnungsfilm MACKIE MESSER – BRECHTS DREIGROSCHENFILM, in dem Joachim A. Lang und ein Staraufgebot der deutschen Filmlandschaft in einem Film über einen Film die Überzeugungen Brechts über das Wesen der Kunst filmisch umsetzen und dem Kino die Zähne zeigen.

Oliver Hafners Beitrag WACKERSDORF nimmt sich ebenfalls eines historischen Ereignisses über Widerstand und Zivilcourage an: den erfolgreichen Protesten einer Bürgerinitiative gegen den Bau einer atomaren Wiederaufbereitungsanlage in der gleichnamigen oberpfälzischen Gemeinde in den 1980er Jahren.

Widerstand und Zivilcourage