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Freitag, 06.07.2018

Die Gewinner des Förderpreises Neues Deutsches Kino

 

  • Die Preise für die Beste Regie und Bestes Schauspiel Produktion gehen an „Alles ist gut“
  • Anna de Paoli erhält den Produzentenpreis für „A Young Man with High Potential“, Damian John Harper wird für „In the Middle of the River“ für das Beste Drehbuch ausgezeichnet

Am heutigen Freitag, 6. Juli wurden auf dem FILMFEST MÜNCHEN deutsche Nachwuchstalente mit dem begehrten Förderpreis Neues Deutsches Kino ausgezeichnet. Die Jury – Schauspielerin Vicky Krieps, Produzentin Jamila Wenske und Regisseurin Uisenma Borchu – ehrt das Drama „Alles ist gut“ über eine junge Frau, die nach einer Vergewaltigung die Fassade aufrechtzuerhalten versucht, mit gleich zwei Preisen: Eva Trobisch wurde für die Beste Regie ausgezeichnet und Aenne Schwarz als Beste Schauspielerin. Den Produzentenpreis erhält Anna de Paoli für die abgründig-disruptive Psychostudie „A Young Man With High Potential“, in der ein hochintelligenter Informatikstudent plötzlich seinen sexuellen Instinkten folgt. Damian John Harper bekommt für seinen Film „In the Middle of the River“ den Preis für das Beste Drehbuch. Darin macht der junge Gabriel seinen Großvater für den Tod seiner Schwester verantwortlich und schwört sich, diesen zu töten.

Der Förderpreis Neues Deutsches Kino ist einer der wichtigsten und höchstdotierten Nachwuchspreise in Deutschland. Gestiftet wird der insgesamt mit 70.000 Euro dotierte Preis von der Bavaria Film, dem Bayerischen Rundfunk und der DZ Bank. Nominiert sind automatisch alle Regisseure, Drehbuchautoren, Schauspieler und Produzenten, die ihre Spielfilme in der Festivalsektion Neues Deutsches Kino vorstellen, sofern es sich um ihren ersten, zweiten oder dritten langen Kinospielfilm handelt. Bei Produzenten darf es maximal der sechste Film sein.

Die Preisverleihung und die anschließende Party fanden heute Abend in der Hochschule für Fernsehen und Film München statt. Eine ausgelassene Feier für den jungen deutschen Film und ein zweifaches Jubiläum: 30 Jahre Förderpreis Neues Deutsches Kino und 40 Jahre BR-Sendung "kinokino".

Die Preisträger Förderpreis Neues Deutsches Kino 2018 und Jurybegründungen:

Förderpreis Neues Deutsches Kino REGIE (30.000 Euro):
Eva Trobisch für „Alles ist gut“

„(…) Ein Film, der so bescheiden und ehrlich, schonungslos und direkt erzählt – liebevoll und dennoch so trocken wie die Realität, mir wie Landschaft ausgerollt und als Knall wieder entzogen wurde. Als ich aus dem Kino kam, waren mir die Luft aus- und die Augen aufgegangen. Herzklopfend stand ich im Straßenverkehr und verstand, dass jemand einen Film gemacht und mir durch die Augen seiner bezaubernden Hauptdarstellerin die Hand gereicht hatte. Ja, Deshalb machen wir Filme – habe ich gedacht (…)“

Förderpreis Neues Deutsches Kino SCHAUSPIEL (10.000 Euro):
Aenne Schwarz für „Alles ist gut“

„Dein Schweigen wird dich nicht beschützen”, so Audre Lorde. Doch für Janne scheint genau dieses Schweigen der einzige Schutz zu sein. Sie schützt sich mit einer Ignoranz sich selbst gegenüber. Zu groß ist die Angst, andere zu verletzen und sie mit ihrer Schwäche zu enttäuschen. Janne ist eine Frau aus dem alltäglichen Leben, aber für das Kino noch eine sehr unbekannte. Aenne Schwarz schafft es, diesen Charakter authentisch darzustellen. Es tut immer wieder weh, ihr zuzusehen und die Leinwand wird mit jedem Schweigen, mit jedem „Alles gut“ zu einem Spiegel unserer Gesellschaft. Direkt und ohne einen Hauch von Selbstmitleid führt sie diese stille Frau aus der Verzweiflung heraus in eine Rebellion. Für diese bemerkenswerte Leistung überreichen wir den Förderpreis 2018 bestes Schauspiel an Aenne Schwarz."

Förderpreis Neues Deutsches Kino DREHBUCH (10.000 Euro):
Damian John Harper für „In the Middle of the River“

„Eine knallharte, verstörende Punktlandung in das Land der Verzauberung der „Tierra de Encanto“ - ist dem Autor und Regisseur Damian John Harper mit seinem Drehbuch „In the Middle of the River“ gelungen. Die Geschichte um den Irak-Kriegsveteran Gabriel nimmt uns als Geisel einer schmerzlichen Situation, der wir – ebenso wie die Protagonisten des Films – ohnmächtig gegenüberstehen und ihr nicht entfliehen können. Der emotionale Treibstoff dieses Dramas ist der Hass, der sich aus einer nie versiegenden Quelle von andauernden Verletzungen und tiefem, quälenden Schmerz speist. Der Autor hat nicht nur sich selbst beim Recherche- und Schreibprozess diesem toxischen Setting ausgeliefert, sondern vor allem auch seinen Helden Gabriel, dessen „göttliche Stärke“ in einem dauerhaften Schmerzzustand verloren gegangen ist und den er mit Tabletten zu besiegen versucht. Das komplexe Beziehungsgeflecht ist klug arrangiert, die Lebenswelt New Mexicos und seiner Ethnien genau beobachtet, schonungslos zu Papier gebracht und ihnen damit eine Stimme gegeben. Authentizität wie sie nicht zu erfinden ist, sondern nur von einem aus ihrer Mitte erzählt werden kann. Dafür gebührt Damian John Harper der Drehbuchpreis des Neuen Deutschen Kinos des FILMFEST MÜNCHEN 2018.“

Förderpreis Neues Deutsches Kino PRODUKTION (20.000 Euro):
Anna de Paoli für „A Young Man with High Potential“

„Einen Film zu produzieren gleicht einem Olympischen Zehnkampf: Stoffakquise, Buchentwicklung, Finanzierung, Budgetierung, Packaging, Dreharbeiten, Schnittabnahmen, Post-Produktion, Kostenkontrolle, Herausbringung. Für viele dieser Einzeldisziplinen gibt es Spezialisten, wie sie häufig bei großen Medienunternehmen anzutreffen sind und dort als Team die unterschiedlichen Aufgaben einer Filmherstellung gemeinsam umsetzen. Bei den wirklich unabhängigen Produktionsfirmen findet man eher diese Zehnkämpferinnen und Olympioniken, die sich mit Haut und Haar dem Filme produzieren verschrieben haben. Die möglicherweise wichtigste Eigenschaft dabei ist nicht immer sichtbar. Häufig liegt sie im Schatten und nur selten gerät sie ins Rampenlicht: die Integrität, die sich aus dem Mut zum Risiko und der Loyalität zum Film und seiner Macher dahinter zusammensetzt. Anna de Paoli ist so eine Zehnkämpferin, die sich in den letzten Jahren ohne das übliche Fördermittel-TV-Sender-Sicherheitsnetz der Produktion des europäischen Films „A Young Man With High Potential“ von Linus de Paoli gewidmet hat. Entstanden ist ein Film, der sich sowohl erzählerisch als auch qualitativ an zeitgemäßen internationalen Standards messen lassen kann und dem Neuen Deutschen Kino eine beispielhafte Perspektive für zukünftiges Produzieren aufzeigt. Anna de Paoli ist eine junge Produzentin mit "High Potential“. Wir verleihen ihr den Preis für die Beste Produktion 2018!“