JERICHOW
Filmfest 2016

Eine Dreiecksgeschichte, in dem die Liebe offenbar, wie so oft in den Filmen Petzolds, nicht ohne die notwendige ökonomische Sicherheit gedacht werden kann. Oder wie Laura (Nina Hoss) es furchtbar sagt: „Man kann sich nicht lieben, wenn man kein Geld hat.“Das Geld, das hat in JERICHOW der Imbissbudenketten-Besitzer Ali (Hilmi Sözer), der Laura, nachdem sie aus dem Knast kam, aus der Armut gerettet und sie zur Frau genommen hat. Den durchtrainierten Körper und viel Charisma hat Thomas (Benno Fürmann), der, ebenfalls in finanziellen Nöten, Alis Fahrer wird und ein Begehren in Laura weckt, das animalisch ausgespielt wird und einen Mord-Plot in Gang setzt. „Neulich lief auf Arte WENN DER POSTMANN ZWEIMAL KLINGELT mit Jack Nicholson und Jessica Lange. Den hatte ich im Kino gesehen, als ich ungefähr 24 war. JERICHOW basiert auf dem Film, aber ich wollte den extra nicht nochmal anschauen. Als ich den Film aber jetzt wieder sah, dachte ich mir, Mann, da ist damals doch viel aus meiner Erinnerung eingegangen, ganze Bildeinstellungen – ich war richtig schockiert. Was in Bob Rafelsons Romanverfilmung nicht richtig rauskommt, ist dieser Rassismus, der unterschwellig vorhanden ist. Es gibt die amerikanische Loserin und den amerikanischen Loser, sie Jessica Lange, schön, blond und sexy, er Jack Nicholson, unrasiert und ebenfalls sexy. Aber die beiden haben kein Geld. Das Geld hat der Ausländer. Und der muss weg. Das liegt drunter, dieser Pegida-Rassismus. Das habe ich damals gespürt, weshalb es in JERICHOW eingegangen ist: Dass man als Türke in diesem ostdeutschen Städtchen Ressentiments ausgesetzt ist, besonders, wenn man erfolgreich ist.“

tags: Arbeit, Beziehung, Liebe, Spielfilm, Thriller

Darsteller: Benno Fürmann, Nina Hoss, Hilmi Sözer, André M. Hennicke

Credits

Drehbuch: Christian Petzold

Kamera: Hans Fromm

Schnitt: Bettina Böhler

Musik: Stefan Will

Produktionsdesign: Kade Gruber

Kostüme: Anette Guther

Ton: Andreas Mücke-Niesytka, Martin Ehlers-Falkenberg

Produzent: Florian Koerner von Gustorf, Michael Weber

Produktion (Firma): Schramm Film Koerner & Weber

Koproduktion (Firma): Bayerischer Rundfunk (BR), Arte

Weltvertrieb: The Match Factory GmbH

Verleih: PIFFL MEDIEN GmbH

Regie: Christian Petzold

Redakteur: Bettina Reitz, Andreas Schreitmüller, Jochen Kölsch

TV-Sender: Bayerischer Rundfunk (BR), Arte

Biografie

Christian Petzold wurde 1960 in der nordrhein-westfälischen Stadt Hilden geboren. Nach Abschluss des Zivildiensts zog er 1981 nach Berlin, wo er an der Freien Universität Germanistik und Theaterwissenschaft studierte. Nach seinem Abschluss 1989 folgte ein Regiestudium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb). Während dieser Zeit arbeitete er als Regie-Assistent bei Hartmut Bitomsky und Harun Farocki und schrieb als Filmkritiker für diverse Publikationen. 1994 drehte Petzold mit PILOTINNEN seinen Abschlussfilm an der dffb. Nach den Fernsehfilmen CUBA LIBRE und DIE BEISCHLAFDIEBIN drehte er mit DIE INNERE SICHERHEIT (2000) seinen ersten Kinofilm. Das Drama um einen Jugendlichen und seine Eltern, die als Terroristen gesucht werden, wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter der Deutsche Filmpreis in Gold für den Besten Film. 2001 arbeitete Petzold erstmals mit Nina Hoss zusammen (TOTER MANN), mit der er gleich den nächsten Film drehte: WOLFSBURG (2003) wurde bei der Berlinale mit dem FIPRESCI-Preis ausgezeichnet und erhielt den Adolf-Grimme-Preis in Gold. Mit Nina Hoss drehte Petzold auch YELLA (2007), JERICHOW (2009) und BARBARA (2012). Zu seinen Fernseharbeiten zählt eine Episode des Dreiteilers DREILEBEN (2011). Petzolds jüngster Kinofilm PHOENIX (2013/2014), erneut mit Nina Hoss in der weiblichen Hauptrolle, erhielt u.a. den Preis der internationalen Filmkritik auf dem Filmfestival San Sebastián. Zu den ständigen kreativen Mitarbeitern Petzolds gehören Kameramann Hans Fromm, Cutterin Bettina Böhler, der Filmarchitekt K.D. Gruber und Komponist Stefan Will.