Neue Deutsche Serien

Seelenschatten

Es sind die Abgründe: die seelischen und moralischen, aber auch die gesellschaftlichen Dunkelkammern, aus denen all diese Serien ihre Faszination schöpfen: Wenn man beginnt, an der kindlichen Unschuld zu zweifeln und die menschliche Reinheit an sich in Frage zu stellen – was bleibt dann noch vom Urvertrauen in das Gute? SCHULD nach Ferdinand von Schirach lotet die Grenzen zwischen moralischer und juristischer Schuld aus, blickt ganz tief hinein in den Seelenschlund. In CULPA ist es dann nicht der Strafverteidiger sondern ein unkonventioneller Pfarrer, der den Sündern auf der Spur ist: Er allein kann drohende Verbrechen verhindern, er allein erfährt von ihnen – bei der täglichen Beichtabnahme. Wozu ein einzelner Mensch fähig ist, wenn Menschenleben davon abhängen, zeigt wohl die Kraft und Liebe einer Mutter, der ihr Kind entzogen wird, am besten: In DAS VERSCHWINDEN sucht Michelle ihre erwachsene Tochter und stößt auf das Schrecklichste: ihre eigene Mitschuld. Schicksalsschläge dieser oder ähnlicher Art treffen in Deutschland an einem besonderen Ort aufeinander, den Regisseur Christian Lerch für seine Doku-Serie B12 – AUF DER SUCHE NACH DEM SINN DES LEBENS besucht hat. An einer kleinen Raststätte irgendwo zwischen München und Passau werden die ganz großen Fragen diskutiert und im Kleinen durchexerziert. Exemplarisch für die Missstände dieser Welt steht auch TANNBACH, jenes fiktive Dorf, durch das eine Mauer gezogen wurde, die die Bewohner nicht nur räumlich trennt, sondern auch mitten durch die Herzen geht.

Fünf deutsche Serien, die bewegen, aufrütteln, nachdenklich stimmen. Das FILMFEST MÜNCHEN freut sich, diese fünf Weltpremieren in der Reihe Neue Deutsche Serien zeigen zu dürfen.

Britta Schönhütl

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