Das sollten Sie wissen...
American Independents

Vom "Spuren suchen" und vom
"Spuren finden", vom "Abkommen von der Spur" und vom "Bleiben in
der Spur" - die Geschichten, die die Filme in der diesjährigen
Reihe der American Independents, erzählen, sind wie immer sehr
vielseitig und doch kreisen sie alle um ein gemeinsames Thema:
Irgendwie scheinen sie alle "neben der Spur" zu sein - die
Protagonisten in diesen Geschichten.
Spur - gemeint damit ist die Gesellschaft, zu der sich die
Filmhelden verhalten sollen, können, wollen, müssen. Denn was die
einen als Sicherheit und Schutz empfinden, erleben andere wiederum
als Einschränkung ihrer persönlichen Freiheit. Sie alle bewegen
sich im Spannungsverhältnis zwischen ICH und WIR, zwischen
Individuum und Gesellschaft, und versuchen, sich zu der "Spur" zu
positionieren.
Komplett überfordert ist Lenny, der nicht mehr weiß, wie er seinen Alltag bewältigen soll.
Aber nicht alle Filme antworten auf diese Auseinandersetzung zwischen Individuum und Gesellschaft mit Verzweiflung oder gar Aussichtslosigkeit auf eine Lösung.
In HUMPDAY treffen sich nach Jahren zwei Schulfreunde. Während Ben einem geregelten Job nachgeht, verheiratet ist und an Kinder denkt, führt Andrew ein Nomadenleben und bereist die verschiedensten Ecken der Erde. Gegensätzlicher könnten zwei Lebenswege nicht sein. Aber auch wenn sie sich für den jeweiligen Weg aus freien Stücken entschieden haben, verspüren sie eine Sehnsucht nach der Lebensweise des anderen: Ben nach dem Abenteuer, Andrew nach dem Beständigen und Konkreten. Auf der Suche nach Antworten auf ihre Lebensfragen, gehen sie bis an ihre Grenzen - mit Hilfe eines Pornofilmdrehs.
Nicht minder komisch ist die Geschichte von Beth und ADAM. Adam verhält sich höchst eigenartig. Ihr gegenüber, ihren Eltern gegenüber, ihren Freunden gegenüber, einfach allen. Doch Beth mag genau das: seine Eigen- und Einzigartigkeit. Diese Liebe wird auf eine harte Probe gestellt, denn für eine "normale" Beziehung ist Adam einfach nicht geeignet.
Wohin geht der Independent Film also in diesem Jahr? Ist die Spurensuche, die sich in so vielen Filmen widerspiegelt, Anlass zur Besorgnis? Natürlich gibt es düstere Vorzeichen. Haben doch unter anderem die Bush-Administration und die Finanzkrise ihre "Spuren" hinterlassen.
Dass der unabhängige amerikanische Film sich aber in einer, wie einige behaupten und viele befürchten, Identitätskrise befindet, davon kann nicht die Rede sein.
"Sich frei machen wollen", "unabhängig sein", "infrage stellen" und viele vergleichbare Attribute sind charakteristische Bestandteile der Independents - dadurch definieren sie sich. Dass dadurch Reibungen mit dem gesellschaftlich akzeptierten Mainstream-Kino entstehen und diese als problematisch ausgelegt werden können, ist nur die logische Konsequenz. Aber Reibungen erzeugen, physikalischen Gesetzen folgend, Energie - kreative Energie, die neue Spuren hinterlässt.
Susana Borges Gomes














