Das sollten Sie wissen...
Deutsche Fernsehfilme

Spannendes, Komisches, Aufwühlendes
"Die Wirklichkeit ist leider anders als die Realität" wusste bereits Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl zu berichten. Diese Erkenntnis ist inzwischen längst bei den deutschen Filmemachern und Fernsehregisseuren angekommen.
Eine deutliche Hinwendung der fiktionalen Produktionen zum Dokumentarischen ist nicht mehr zu übersehen:
Sei es ein klassisches Biopic wie Stefan Krohmers aufwändig arrangierter und doch im Detail so fein ziselierter, exakt beobachtender DUTSCHKEmit seinen dazwischen geschnittenen Zeitzeugen-Interviews und dem schlichtweg umwerfenden Christoph Bach in der Titelrolle.
Sei es ein
den leisen Zwischentönen nachlauschender Krimi
wie HINTER BLINDEN FENSTERN von Matti
Geschonneck, der hier einen Roman von Friedrich Ani in kongenialer
Weise in Bilder gefasst hat.
Oder die stellenweise beinahe
naturalistisch anmutende Tragödie eines jungen Mädchens aus dem
Hartz IV-Milieu, das sich plötzlich nicht mehr wie üblich in
aufopfernder Weise um seine kleinen Geschwister und die
alkoholabhängige Mutter kümmert, weil es sich verliebt. Zum ersten
Mal. Mit Schmetterlingen im Bauch und was sonst noch dazu gehört.
Die unbestechliche Genauigkeit, mit der Aelrun Goette
in KEINE ANGST die Lebensumstände des so
genannten Prekariats und der Bürgerschicht seziert, könnte auch in
einer Reportage zum Thema nicht präziser sein.
Noch einen Schritt weiter in der dokumentarisch anmutenden Beobachtung geht René Heisig in seinem beklemmenden SozialdramaSCHUTZLOS. Klar und schnörkellos hat er das Schicksal der aus Honduras stammenden, illegal in Deutschland lebenden Maria eingefangen. Mühsam schlägt sich die junge Frau (eindringlich gespielt von Carolina Vera), fern von Heimat, Muttersprache und Familie, als Putzfrau oder Kindermädchen durch. Jeder Cent wird gespart, um den beiden Söhnen daheim eine teure Privatschule und eine rosige Zukunft zu ermöglichen. Doch das Leben hält für Maria und ihre Kinder noch einige Katastrophen bereit.
Schlimme Erlebnisse, wie sie die gebürtige Südafrikanerin Ella (Hannelore Hoger) in ihrer Jugend zuhauf durchleiden musste.
Noch einen Schritt weiter in der dokumentarisch anmutenden Beobachtung geht René Heisig in seinem beklemmenden SozialdramaSCHUTZLOS. Klar und schnörkellos hat er das Schicksal der aus Honduras stammenden, illegal in Deutschland lebenden Maria eingefangen. Mühsam schlägt sich die junge Frau (eindringlich gespielt von Carolina Vera), fern von Heimat, Muttersprache und Familie, als Putzfrau oder Kindermädchen durch. Jeder Cent wird gespart, um den beiden Söhnen daheim eine teure Privatschule und eine rosige Zukunft zu ermöglichen. Doch das Leben hält für Maria und ihre Kinder noch einige Katastrophen bereit.
Schlimme Erlebnisse, wie sie die gebürtige Südafrikanerin Ella (Hannelore Hoger) in ihrer Jugend zuhauf durchleiden musste.
Nun kehrt die alte Dame anlässlich der Beerdigung
ihrer Schwester wieder nach Hause zurück, zur Farm der Eltern am
Tafelberg. Und verkündet beim ersten Sundowner mit Blick auf die
überwältigende Natur: "Ich hatte ganz vergessen, wie scheußlich es
hier ist!" Wie scheußlich diese Geschehnisse von damals waren, das
enthüllt Rainer Kaufmann in seinem grandios
fotografiertenELLAS GEHEIMNIS erst in vielen
kleinen Versatzstückchen, die man erst ganz zum Schluss zu einem
wunderschönen und gleichzeitig grauenhaften Bild zusammen setzen
kann. Der Schwede Rolf Lassgård, aufmerksamen Fernsehzuschauern als
"Kommissar Wallander" der Henning Mankell-Verfilmungen bekannt,
liefert sich mit Hannelore Hoger ein beeindruckendes
Schauspielerduell.
Fern der Heimat bewegt sich seit Neuestem auch Heiner Lauterbach. In der Verfilmung des Krimis "Denn die Seele ist in deiner Hand" der israelischen Schriftstellerin Batya Gur verkörpert er Ehrfurcht gebietend souverän deren Romanhelden, den innerlich zerrissenen Macho, Schwerenöter und Eigenbrötler Kommissar Michael Ochajon, zweifellos eine der bemerkenswertesten Ermittlerfiguren in der Literatur. DIE SELE EINES MÖRDERS lautet der Titel dieser durchweg an Originalschauplätzen in Jerusalem und Tel Aviv gedrehten Produktion. Regisseur Peter Keglevic befehligte während der Dreharbeiten ein deutsch-israelisches Ensemble, das man gerne in dieser Zusammensetzung noch öfter sehen möchte. Die Chancen könnten gut stehen. Schließlich hat Batya Gur bis zu ihrem frühen Tod im Jahr 2005 mehrere Ochajon-Krimis geschrieben.
Mit einer
Rückkehr aus Tel Aviv ins deutsche Kleinstadtidyll beginnt in
diesem Jahr ein weiterer Spielfilm der TV-Reihe. Kostja Ullmann
spielt auf eine Atem beraubend intensive Weise den Mittzwanziger
Rainer in Nina Grosses schlicht und einfach großartigem,
unprätentiösem Familiendrama DER VERLORENE SOHN. In Israel
wegen Kontaktes zu islamistischen Gruppen inhaftiert, wird Rainer
zur Familie ausgeliefert. Plötzlich sitzt der konvertierte Moslem,
der sich auch von Mutter (Katja Flint) und jüngerem Bruder nur noch
mit "Omar" ansprechen lässt, wieder am Abendbrottisch und lungert
im Wohnzimmer herum. Nur beim Stadtbummel wird er vom
Personenschutz beobachtet. Eine Zeitlang scheint es, als ob die
ratlose Mutter Recht hat in ihren Beteuerungen "das war nur eine
Phase. Das ist jetzt alles wieder vorbei". Eine zaghafte Annäherung
beginnt, die allerdings jäh endet - und aus Rainer / Omar wird eine
tickende Zeitbombe.
Erfahren Sie, was es in diesem Jahr alles in der TV-Reihe zu entdecken gibt. Spannendes, Komisches, Aufwühlendes. Viel Spaß dabei!
Ulrike Frick










