DIE TERRORISTEN!
Film - Hommage | Philip Gröning Filmfest 2018

DIE TERRORISTEN!

Regie von Philip Gröning

Info

Regie: Philip Gröning
Reihe: Hommage | Philip Gröning
Land: Deutschland
Jahr: 1992
ET: THE TERRORISTS!
Sprache: deutsch
Fassung: Originalfassung
Cast: Stephanie Philipp, Michael Schech, David Baalcke, Peter Cieslinski, Gerhard Fries
18+

Logline

DIE TERRORISTEN!

Deutschland kurz nach dem Mauerfall, zur konsumsatten Weihnachtszeit. Helmut Kohl wird als Kanzler der Einheit gefeiert. Drei junge, selbsternannte Terroristen, Claudia, Jürgen und Michael, sehen das anders und planen ein Attentat auf ihn. Sie mieten sich in einem Apartment ein, um unter dem Deckmantel einer Software-Firma die Tat vorzubereiten. Unter ihrem Fenster fahren die Limousinen, es ist die tägliche Strecke des Kanzlers. Sie basteln an Sprengsätzen, laden ihre Waffen, warten. Philip Gröning sieht in diesem Film gar kein Werk über den Terrorismus, sondern über eine Welt, in der es keine Ideologien mehr gibt und nur noch die Frage zählt, ob man Geld hat oder nicht. Das Attentat findet statt. Danach zeigt Gröning ausführlich, wie die drei ihr Apartment säubern, den Boden saugen, Fenster polieren, ihre Spuren vernichten, um abzuhauen – die Möchtegern-Nestbeschmutzer als brave Reinemacher. Wäre da nicht der Immobilienmakler, der ihnen bei der Wohnungsabnahme die Kaution nicht zurückgeben will… Politischer Aktivismus ist bei Gröning eine Farce, ein Deckmäntelchen, unter dem die Sehnsucht nach Aufmerksamkeit und irgendeinem Sinn liegt. Im Grunde sind auch die Terroristen Hedonisten, wollen vor allem konsumieren, in die Glotze schauen und möglichst schön verreisen. Gröning drehte ohne Drehbuch, machte seine Schauspieler zu Komplizen in einer wahnwitzigen Komödie, die dahinrast wie das ferngesteuerte Modellauto der Terroristen, das zur bombentragenden Mordwaffe wird. Der Film selbst ist ein Attentat auf die Sinne, attackiert die Augen mit abrupten Schnitten, ungewöhnlichen Kameraperspektiven. Helmut Kohl versuchte zu verhindern, dass der Film gezeigt wird: vergeblich. DIE TERRORISTEN! gewann bei seiner Premiere in Locarno den Bronzenen Leoparden, fand dennoch keinen Verleih, weshalb Gröning ihn auf eigene Faust ins Kino brachte.

Meet the director

DIE TERRORISTEN!

Philip Gröning

Philip Gröning wurde 1959 in Düsseldorf geboren. Er wuchs in seiner Geburtsstadt und in den USA auf. Nach dem Abitur 1977 in Düsseldorf reiste erdurch Südamerika und studierte ab 1979 Medizin und Psychologie. 1981 arbeitete er als Assistent des Filmregisseurs Peter Keglevic und sammelte weitere filmische Erfahrungen als Requisiteur, Regie- und Tonassistent. Ein Jahr darauf nahm er das Studium an der HFF München auf. Er widmete sich dem Drehbuchschreiben und arbeitete als Schauspieler. 1986 gründete Gröning seine eigene Produktionsfirma. Im gleichen Jahr legte er mit SOMMER seinen ersten Langfilm vor. Mit seinem Spielfilm Die TERRORISTEN (1992) über ein geplantes Attentat auf den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl erregte Gröning erstmals Aufsehen. Kohl versuchte, die Fernsehausstrahlung des Films vergeblich zu verhindern. Gröning erhielt für den Film in Locarno den „Bronzenen Leoparden“. Den Hessischen Filmpreis für die Beste Regie erhielt Gröning für L’AMOUR, L’ARGENT, L’AMOUR (2000), Hauptdarstellerin Sabine Timoteo gewann in Locarno einen Leoparden in der Kategorie „Beste Hauptdarstellerin.“ DIE GROSSE STILLE (2005) über den Schweigeorden der Karthäusermönche entwickelte sich zum Überraschungserfolg in den deutschen Kinos. Der Film erhielt zahlreiche Preise: den Bayerischen Filmpreis für den Besten Dokumentarfilm, einen Spezialpreis der Jury beim Sundance Filmfestival, den Preis der deutschen Filmkritik, den Europäischen Filmpreis 2006 als Bester Dokumentarfilm sowie den Deutschen Kamerapreis; außerdem wurde er für den Deutschen Filmpreis nominiert. Grönings darauffolgender Spielfilm, DIE FRAU DES POLIZISTEN (2013) über Gewalt in der Ehe, wurde in Venedig mit dem Spezialpreis der Jury ausgezeichnet. MEIN BRUDER HEISST ROBERT UND IST EIN IDIOT lief im Februar 2018 im Wettbewerb der Berlinale. Wie bei fast allen seinen Filmen zeichnete Gröning auch hier für Drehbuch (mit Sabine Timoteo), Produktion, Kamera und Teile des Schnitts verantwortlich. Er war Jury-Präsident der Reihe „Orrizonti“ beim Filmfestival in Venedig 2006, sowie Mitglied der Jury beim FILMFEST MÜNCHEN im Jahr 2009, arbeitete als Gastdozent am California Institute for the Arts und als Professor für Film an der Kunsthochschule Kassel. Er doziert regelmäßig als Gast an der Filmakademie Ludwigsburg, ist Mitglied der Europäischen Filmakademie und der Deutschen Filmakademie, sowie der Bayerischen Akademie der schönen Künste.

Credits

Drehbuch: Philip Gröning, Michael Busch, Ralf Zöller
Kamera: Anthony Dod Mantle, Max Jonathan Silberstein
Schnitt: Philip Gröning, Max Jonathan Silberstein
Musik: Alexander Hacke
Produktionsdesign: Christoph Winkler, Stefan Gaffke
Kostüme: Maria Dimler
Ton: Manuel Laval
Produzent*in: Philip Gröning
Produktion (Firma): Philip Gröning Filmproduktion, Hochschule für Film und Fernsehen München (HFF)
Koproduktion (Firma): Norddeutscher Rundfunk (NDR), Südwestfunk (SWF), Filmbüro Hamburg, Filmbüro Nordrhein-Westfalen