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Samstag, 07.07.2012

Moussa Touré zu LA PIROGUE

Der ARRI-Preisgewinner im Interview

Moussa Touré zu LA PIROGUE

Moussa Touré hat  den ARRI-Preis für LA PIROGUE gewonnen. Carina Eisner sprach am Samstag, 07.07. mit ihm:

Wie kamen Sie auf die Idee zu LA PIROGUE?

Die Idee kam nicht einfach auf. Sie müssen wissen, es gibt Dinge, die einfach schon vorliegen, wie z.B. die Geschichte, die eine Wirklichkeit darstellt. Sobald eine Realität vorliegt, braucht man keine Idee. Man muss sich eher fragen, warum man den Film machen will. Es ist eine reelle Geschichte: Ich lebe nun Mal am Meer und sehe die Jugend kommen und gehen. Ich höre die Rufe des Meers. Meine Pflicht ist es einen Film zu machen, der aus der Realität entspringt.

Wie war die Zusammenarbeit mit der Produktionsfirma in Europa?

Anfänglich waren wir ausschließlich französische Produzenten in Senegal. Ich selbst habe einen Film über die Immigration gemacht, aber die Handlung findet in Spanien statt - der Konflikt zwischen den Maliern und den Katalanen. Der Film heißt NOSALTRES (2006). Und auch für den Film LA PIROGUE wollte ich nicht der Koproduzent sein, sondern ausschließlich für die Umsetzung des Films Verantwortung übernehmen. Während des Drehs gibt es immer noch genug Veränderungen und Überlegungen zu treffen, da das Drehbuch fast nur Dialoge beinhaltet. Dazu kommt, dass ich mich mit dem Kampf der Senegalesen, der Musik, den Lieder etc. befasst habe - also gab es genug für mich als Regisseur zu tun.

Denken Sie, das Team rund um den Dreh war genauso sensibel, was das Thema der Immigration angeht, wie Sie?

Das Team war zusammengewürfelt: Franzosen und Senegalesen. Die Senegalesen waren mit der Geschichte vertraut. Die Franzosen waren nicht so sensibilisiert für das Thema. Der französische DP hatte schon genaue Vorstellungen wie der Film auszusehen hat, die jedoch mit meinen Ideen nicht übereinstimmten. Es ist schwierig in ein fremdes Land zu gehen mit einer genauen Vorstellung wie der Film später auszuschauen hat - dies löste im Team zum Teil Frustration aus. Der Filmproduzent hat sich jedoch um alles gekümmert und mit den Franzosen gesprochen, so dass ich in Ruhe meinen Film machen konnte. Dennoch hat der Produzent auch sehr viel von Paris aus gesteuert, was die Arbeiten zum teil erschwert hat, da man immer wieder viel zwischen Frankreich und Senegal herumtelefonieren musste. Es gab viele Widersprüche, die den Filmprozess etwas durcheinander gebracht haben. Mit der Scriptassistenz habe ich mich jedoch ausgezeichnet verstanden und gemeinsam viel verändert. Glücklicherweise hat sich die Perspektive der anderen Kollegen aus Frankreich während der Dreharbeiten verändert, wie zum Beispiel auch das Bild von der afrikanischen Jugend, das von Land zu Land nämlich variert.

Wie hat Ihnen bisher Deutschland beziehungsweise München gefallen? Und das Festival? War das Ihr erster Besuch in Deutschland?

Das ist mein drittes Mal in Deutschland. Ich war bereits schon zweimal in Berlin, unter anderem auch auf der Berlinale mit meinem Film TGV (1997). Aber in München bin ich zum ersten Mal. Als ich hier ankam, war ich bereits ein wenig müde, da ich vorher bereits auf einem anderen Festival war. Ich kannte das Münchner Filmfestival vorher nicht richtig, obwohl ich schon auf mehreren anderen war. Was München angeht, ist es eine wunderschöne Stadt. Ich habe bereits darüber nachgedacht einen Dokumentarfilm über Deutschland zu machen. Ich selbst habe Wurzeln in Mali und Senegal. Mein Großvater hat den Zweiten Weltkrieg miterlebt und kommt ursprünglich aus Mali. Dann lernte er meine senegalesische Großmutter kennen und verließ Mali. Ich will ein Portrait über die Deutschen machen, da ich bereits schon die Franzosen kenne und weil die Geschichte des Zweiten Weltkrieges die Geschichte seiner Großeltern beeinflusst hat.