News

Freitag, 01.07.2016

Zwei Förderpreise für HÄNDE MEINER MUTTER

HAUS OHNE DACH und DINKY SINKY Beste Produktion und Drehbuch

Zwei Förderpreise für HÄNDE MEINER MUTTER

Jessica Schwarz und Andreas Döhler in DIE HÄNDE MEINER MUTTER


Am heutigen Freitag, 1. Juli wurden auf dem FILMFEST MÜNCHEN deutsche Nachwuchstalente mit dem begehrten Förderpreis Neues Deutsches Kino ausgezeichnet. Die Jury – Nicole Gerhards, Dietrich Brüggemann und Johann von Bülow – bedachte DIE HÄNDE MEINER MUTTER mit zwei Preisen: Florian Eichinger wurde für die Beste Regie ausgezeichnet und Andreas Döhler als Bester Darsteller. Der PREISTRÄGERFILM: FÖRDERPREIS NEUES DEUTSCHES KINO 2016 ist am 2. Juli um 17 Uhr im Rio 2 zu sehen.

Döhler spielt in Hoffmeisters zweitem langem Kinospielfilm einen Familienvater, der sich plötzlich daran erinnert, dass er als Kind von seiner Mutter missbraucht wurde. Die Jury urteilte: „Ein Film, bei dem uns immer wieder der Atem stockte und der uns am Ende dennoch einen Weg aus der Ausweglosigkeit weist.“

Der Preis für die Beste Produktion ging an Jana Raschke und Igor Dovgal für EIN HAUS OHNE DACH. Regisseurin Soleen Yusef erzählt darin die Odysee von drei Geschwistern, die den letzten Willen ihrer Mutter erfüllen wollen und sich auf den Weg nach Kurdistan machen, um sie in ihrem Heimatdorf zu beerdigen. Ein Film, „der uns in seiner Wahrhaftigkeit beeindruckt, mit seiner Leichtigkeit und seinem lakonischen Humor zum Lachen bringt und in seiner Traurigkeit über das Leid, welches der Krieg in diesem Teil der Welt über die Menschen bringt, sprachlos macht“, so die Jury.

DINKY SINKY wurde für das Beste Drehbuch ausgezeichnet. Regisseurin und Drehbuchautorin Mareille Klein erzählt in ihrem Abschlussfilm von der HFF München von einer jungen Frau, die alles tut, um sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen.

Der Förderpreis Neues Deutsches Kino ist einer der wichtigsten und höchstdotierten Nachwuchspreise in Deutschland. Gestiftet wird der insgesamt mit 70.000 Euro dotierte Preis von der Bavaria Film, dem Bayerischer Rundfunk und der DZ Bank. Nominiert sind automatisch alle Regisseure, Drehbuchautoren, Schauspieler und Produzenten, die ihre Spielfilme in der Festivalsektion Neues Deutsches Kino vorstellen, sofern es sich um ihren ersten, zweiten oder dritten langen Kinospielfilm handelt. Bei Produzenten darf es maximal der sechste Film sein.

Die Preisverleihung und die anschließende Party fanden heute Abend in der Hochschule für Fernsehen und Film München statt – eine ausgelassene Feier für den jungen deutschen Film.



Die Preisträger Förderpreis Neues Deutsches Kino 2016

REGIE (30.000 Euro)
Florian Eichinger für DIE HÄNDE MEINER MUTTER

Die Jury: Gebannt verfolgen wir, wie ein wohlgehütetes Familiengeheimnis Schicht für Schicht freigelegt wird. Eine Mutter, die mit dem Missbrauch ihrer Kinder unsägliches Leid über sie gebracht hat und ein Vater, der zu schwach war, sie zu schützen. Diese Erfahrung war so schmerzhaft, dass das Opfer, unser Held, sie lange nur verdrängen konnte - bis zu einem, in seiner Harmlosigkeit, großartig erzählten Schlüsselerlebnis, nach welchem ihm sein scheinbar stabiles Leben völlig aus den Händen gleitet. Hier wird von einem Schmerz erzählt, der so immens und so nachvollziehbar ist, dass es umso mehr dieser ganz besonderen und stets feinen Erzählweise bedarf, dieser klugen Psychologie der Figuren, der präzisen Schauspielführung, welche sich in allen Szenen wiederfindet.
Ein Film, bei dem uns immer wieder der Atem stockte und der uns am Ende dennoch einen Weg aus der Ausweglosigkeit weist.

DIE HÄNDE MEINER MUTTER ist eine Produktion von Kinescope Film GmbH in Koproduktion mit Bergfilm GbR und ZDF - Das Kleine Fernsehspiel
Regie / Drehbuch: Florian Eichinger


SCHAUSPIEL (10.000 Euro)
Andreas Döhler für DIE HÄNDE MEINER MUTTER

Die Jury: Wer sich vor die Kamera stellt, zieht sich nackt aus, selbst wenn er die Kleider anbehält. Die Kamera ist gnadenlos, sie kann uns Menschen in unserer ganzen Kläglichkeit entblößen. Welch eine Leistung und welch ein Mut, eine Figur darzustellen, die an Kläglichkeit kaum zu überbieten ist, und ihr zugleich eine unbeugsame Würde und Entschlossenheit zu verleihen, die den ganzen Film trägt und vorantreibt. Ein erwachsener Mann, dem als Kind ein Missbrauch widerfahren ist, der sein gesamtes Leben überschattet und lahmlegt. Ein Mann, in dem immer noch ein kleiner Junge steckt, dessen Eltern ihre Macht aufs entsetzlichste missbraucht haben. Ein Mann, der an all diesen Dingen fast zerbricht und am Ende doch mit wenigen Worten und Blicken auf sanfte Art der Stärkere bleibt.
 

DREHBUCH (10.000 Euro)
Mareille Klein für DINKY SINKY

Die Jury: Eine Frau will schwanger werden. Oder: Ein Paar will ein Kind kriegen. Allerdings hat sich das mit dem Paar ziemlich bald erledigt - der Mann ist weg, und die Frau wandert gleichermaßen zielstrebig und ziellos alleine weiter durch einen Film, der zugleich ein großes Herz und einen nüchternen Blick hat und mit großer Eleganz vor keiner Peinlichkeit haltmacht. Jeder Mensch in dieser Geschichte hat Wünsche und Sehnsüchte, die sehr ehrlich und klar geschildert werden.
Aber das Drehbuch macht sich auch keine Illusionen über die brutale Wahrheit, dass man nicht immer will, was man bekommt, dass man sich beim Versuch aber trotzdem unsterblich blamieren kann - vor sich selbst, vor den Freunden oder vor den aufgebrachten Eltern einer Schulklasse, die verdammt nochmal wissen wollen, warum die Sportlehrerin die fruchtbaren Tage ihrer Töchter ausrechnet.
 
DINKY SINKY ist eine Produktion von luethje schneider hörl I FILM in Koproduktion mit NORDPOLARIS in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk.
Regie / Drehbuch: Mareille Klein


PRODUKTION (20.000 Euro)
Jana Raschke und Igor Dovgal für HAUS OHNE DACH

Die Jury: Drei Geschwister, Jan, Alan und Liya, geboren im kurdischen Teil des Iraks, aufgewachsen in Deutschland, müssen den letzten Wunsch ihrer verstorbenen Mutter erfüllen und sie in ihrem kurdischen Heimatdorf neben dem Vater beerdigen. Ein bewegender Film über Familie, Heimat und Zusammenhalt. Den Produzenten Jana Raschke und Igor Dovgal ist zusammen mit ihrem Partner Mehmet Aktas und der Autorin und Regisseurin Soleen Yusef ein kraftvoller Film mit großartigen Figuren gelungen, denen wir auf eine Reise in das vom Krieg versehrte Kurdistan folgen dürfen und dabei erleben, wie alte Wunden aufbrechen, Totgeschwiegenes plötzlich ausgesprochen wird und wie Geschwister, die einander fremd waren, wieder zusammenfinden. Eine Reise in das Herz einer Familie.
Die Produzenten haben mit wenigen Mitteln unter schwierigen Bedingungen einen Film entstehen lassen, der uns in seiner Wahrhaftigkeit beeindruckt, mit seiner Leichtigkeit und seinem lakonischen Humor zum Lachen bringt und in seiner Traurigkeit über das Leid, welches der Krieg in diesem Teil der Welt über die Menschen bringt, sprachlos macht.

HAUS OHNE DACH ist eine Produktion von mîtosfilm in Koproduktion mit Essence Film in Zusammenarbeit mit dem Südwestrundfunk und Arte.
Regie / Drehbuch: Soleen Yusef