News

Mittwoch, 28.06.2017

#threetosee Politik + Religion

Über TV-Imame, Radikalisierung und Front National

#threetosee Politik + Religion

Nora el Koussour als LAYLA M.

Diese Geschichte sorgte Anfang des Jahres für Aufruhr in Ägypten: Führende sunnitische Geistliche riefen dazu auf, den Film THE PREACHER verbieten zu lassen, weil er angeblich ein falsches Bild von muslimischen Predigern zeichne. Der junge Scheich einer regierungsnahen Moschee wird im Film zum umjubelten TV-Imam. In seinen Predigen weicht der ehrgeizige Mann gerne von der traditionellen Rhetorik ab, doch unter dem manipulativen Druck staatlicher Institutionen und einer korrupten Medienwelt, die viel zu eng mit Staat und Religion verwoben ist, fällt es ihm schwer, seinen religiösen Prinzipien treu zu bleiben. Basierend auf Ibrahim Eissas gleichnamigem Buch möchte Regisseur Magdy Ahmed Ali die Islam-Kritiker herausfordern, über Gewalt- und Terrorismus-Vorurteile nachzudenken.

Von der Radikalisierung einer jungen Muslima erzählt eindrucksvoll LAYLA M. der niederländischen Regisseurin Mijke de Jong. Die 18-jährige Holländerin Layla, eine tiefgläubige Muslima, fühlt sich in Amsterdam nicht mehr willkommen. Die niederländisch-marokkanische Frau ist vom stumpfen Alltagsrassismus und schlimmer noch, dem permanenten Darüberhinwegsehen enttäuscht und ihre Familie zeigt kaum Verständnis. Ihre Frustration treibt sie, wie viele muslimisch-geborene Jugendliche tiefer in ihren Glauben. Dann trifft sie Abdel, selbst gläubiger Muslim. Kurze Zeit später ist sie verheiratet und auf dem Weg in den Nahen Osten – wo sie weniger das einfache Leben mit Koranstudium als vielmehr ein Jihadisten Bootcamp findet.

Niemand profitiert in den letzten Jahren und Monaten so von der Angst vor terroristischen Anschlägen wie die Rechtspopulisten. Islamophobie macht sich in Europa breit und wird von AfD und Front National tagtäglich gefüttert. Das Politdrama DAS IST UNSER LAND! um eine Krankenschwester, die den Versprechungen einer populistischen Partei verfällt, sorgte für einen handfesten Skandal und redaktionelles Interesse von zahlreichen Medien, weeil es starke an die französische Front National und Marine Le Pen erinnert.

Pauline, die Hauptfigur des Films, arbeitet als Krankenschwester in einer Kleinstadt im strukturschwachen Norden Frankreichs. Sie kümmert sich um ihren Vater und zieht ihre beiden Kinder alleine groß. Sympathisch und aufopferungsvoll, wie sie ist, wird sie von allen gemocht. Der belgische Regisseur Lucas Belvaux zeigt in seinem spannend inszenierten Drama, wie sich anständige, engagierte Menschen allzu leicht vom Populismus einnehmen lassen.