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Montag, 02.07.2018

Bunt wie ein Regenbogen

Queer Cinema beim #ffmuc

Bunt wie ein Regenbogen

NINA entdeckt neue Gefühlswelten

Im Filmmakers Live-Talk (Minute 22-23) hat die große Emma Thompson den Ausschluss lesbischer Frauen und Themen in den Diskursen der Filmwelt thematisiert. Dabei ist die Kino- und TV-Welt bunt wie ein Regenbogen und divers wie unsere Gesellschaft. Deshalb zeigt das FILMFEST MÜNCHEN auch 2018 wieder jede Menge queere Filme.

Es ist kein Zufall, dass die Mehrzahl der LGBTQ-Produktionen in den INTERNATIONAL INDEPENDENTS gezeigt wird – schließlich ist die Reihe bekannt dafür, sich für wenig stromlinienförmige Protagonisten, für Grenzgänger und Exoten zu interessieren. Oft genug dient das queere Moment dabei dazu, künstlerische wie gesellschaftliche Visionen zu beschwören

CAMERON POST meets CARMEN Y LOLA

In Ländern wie Polen etwa darf die Verfilmung einer queeren Geschichte durchaus als sozialer Fingerzeig auf eine soziale Utopie verstanden werden. Olga Chajdas’ Debütfilm ist das intensive Portrait einer starken Frau und lebt von energetischer Sinnlichkeit. Eines Tages kracht NINA in das Auto der attraktiven Magda – wie ein Knall öffnen sich für Nina mit dieser Begegnung neue Gefühlswelten. Während ihr Freund Wojtek den Plan schmiedet, Magda als Leihmutter zu gewinnen, verliebt sich Nina leidenschaftlich.

Auch in den USA der Neunzigerjahre wurde jungen lesbischen Frauen das Leben schwer gemacht. MISEDUCATION OF CAMERON POST (USA 2018) basiert auf dem gleichnamigen Roman von Emily Danforth. Die Protagonistin wird im ländlichen Amerika dabei ertappt, wie sie mit einer Freundin im Auto rummacht. Sie wird in ein Umerziehungslager geschickt, in dem die volle Dröhnung Christentum sie zurück auf den richtigen Weg bringen soll: „Pray away the gay!“ – Nichts einfach als das, oder?

Different but same geht es CARMEN Y LOLA in der Reihe SPOTLIGHT. Als Angehörige eines Roma-Clans ist Carmen, wie jeder anderen Frau, das Leben vorbestimmt: Heiraten und möglichst viele Kinder bekommen. Doch als sie die unkonventionelle Lola trifft, steht sie vor der Wahl: Will sie den tradierten Konventionen entsprechen – oder einen neuen, ebenso aufregenden wie steinigen Weg gehen?

Gliternde Parallelwelten: INFERNINHO und POSTCARDS FROM LONDON

Natürlich erzählen unsere LGBTQ-Produktionen nicht nur Geschichten von Frauen.

IL CONTAGIO etwa erzählt die Geschichte von Marcello, einem ehemaligen Bodybuilder aus der Arbeiterklasse, der seine Frau mit einem bourgeoisen Professor betrügt. Die Gefühle sind so undurchsichtig wie die städtebauliche Spekulation im Dunstkreis Roms. Die Seelen sind verdorben. Und der Kontakt mit der kriminellen Welt da draußen ist ansteckend: IL CONTAGIO.

In der Bar INFERNINHO regiert dagegen die Utopie brasilianische Bohème: Wonder Woman, Mickey Mouse und Wolverine, schwul, lesbisch und hetero, verbinden sich als glitzernd-eingeschworene Gemeinschaft. Leicht ist es nicht, hier die wahre Liebe zu finden, während Gangster und hungrige Baulöwen in die süßsaure Gegenwelt dieses Kammerspiels einzubrechen versuchen.

In POSTCARDS FROM LONDON verschlägt es den hypersensiblen Jim in die britische Metropole. Hier landet er bei den „Raconteurs“, einer Gruppe kunst- und sexbesessener Callboys. Er steigt zu einem Sachverständigen für Kunstfälschungen auf, verwickelt sich dabei wegen seiner psychosomatischen Störung jedoch immer mehr in Halluzinationen, die Kunst und Leben verschwimmen lassen.

Queer Cinema made in Germany

Das LGBTQ-Feld wird aber nicht nur internationalen Produktionen überlassen. In der Reihe NEUES DEUTSCHES FERNSEHEN erzählt Nana Neul die Geschichte eines Frauenpaares, das via künstliche Befruchtung zur Regenbogenfamilie anwächst. Doch als die leibliche Mutter tragisch verunglückt, bevor der Adoptionsantrag durch ist, muss die Co-Mutter einen Kampf um UNSER KIND ausfechten. Eher trans als homo geht es im NEUEN DEUTSCHEN KINO zu, denn Kim will einen Penis, nein: KIM HAT EINEN PENIS!

Queere Glitterstreusel: DIAMANTINO

Und auch im Wettbewerb CineVision läuft ein regenbogenbunter Beitrag: DIAMANTINO ist ein politsatirischer Fußball-Sci-Fi-Thriller mit queeren Glitzerstreuseln. Apropos Wettbewerb: Don‘t forget to vote: Alle LGBTQ-Produktionen können den BAYERN 2 und SZ Publikumspreis gewinnen – dem Wahlvolk winkt eine Reise für zwei Personen nach Venedig.