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Donnerstag, 16.05.2019

Arthur Jafa und Black Cinema

Das FILMFEST MÜNCHEN kooperiert mit dem Museum Brandhorst

Monster, 1988, gedruckt 2019. Udo und Anette Brandhorst Sammlung © Courtesy the Artist and Gavin Brown's enterprise, New York/Rome

 

Nach „Warholmania“ im Jahr 2015 kooperiert das FILMFEST MÜNCHEN erneut mit dem Museum Brandhorst. Im Rahmen der Jubiläumsausstellung „Forever Young – 10 Jahre Museum Brandhorst“ präsentiert das Museum ein Werkkonvolut des US-amerikanischen Filmemachers, Kameramanns und Künstlers Arthur Jafa, der kürzlich auf der Biennale in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurde. Neben ausgewählten fotografischen Arbeiten wird ab Juli sein epischer Film „akingdoncomethas“ (2018) im großen Medienraum des Museums vorgeführt. Parallel dazu zeigt das FILMFEST MÜNCHEN ein von Arthur Jafa kuratiertes Filmprogramm „A Peculiar Vantage: A Selection of Black Cinema“, mit dem deutschen Untertitel „Black Cinema: Eine eigene Perspektive“.

Jafa wurde 1960 in Tupelo, Mississippi, geboren, mitten hinein in die Hochphase der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Deren Anliegen, den Rassismus gegenüber der afroamerikanischen Bevölkerung zu beenden und für ihre Gleichberechtigung im Alltag wie vor dem Gesetz zu sorgen, bilden die Folie für sein Schaffen. In unterschiedlichsten Medien, von Fotografien und Objekten über Filme und Videos bis Performances, befasst er sich mit Mechanismen der Ausgrenzung aufgrund von kultureller Identität oder ethnischer Zugehörigkeit.

Jafas zentrales Thema ist „Blackness“, die Erfahrung, Schwarz zu sein – wobei sich diese nicht allein auf People of Color beschränkt. Es geht ihm allgemeiner um die Erfahrung, von der westlichen Welt konsequent ausgeschlossen worden zu sein: „Wir sind die unehelichen Sprösslinge, die Bastarde der westlichen Welt, die von ihrem Vater nie anerkannt wurden. Wir profitieren zwar von den Vorzügen des Westens, aber unser Verhältnis ist entfremdet, genauso wie bei Schwulen oder Frauen.“ In seinen Fotografien und Filmen zeigt er eine Welt fast ohne Weiße und kehrt damit um, was über Jahrhunderte hinweg bestimmend war: die Vorherrschaft des weißen Mannes, der entschied, was als bedeutsam gilt und was nicht. Dem tritt Jafa mit einem Werk entgegen, das die amerikanische (Kultur-)Geschichte als primär afroamerikanisch geprägte präsentiert.

Patrizia Dander, die leitende Kuratorin des Museum Brandhorst, sieht Arthur Jafas Arbeit als perfekten Ausgangspunkt für eine Verbindung des Museums mit dem FILMFEST MÜNCHEN: „In unserer Jubiläumsausstellung ‚Forever Young – 10 Jahre Museum Brandhorst‘ zeigen wir eine Auswahl seiner bahnbrechenden Werke: Diese werden nicht müde, uns mit der von Unterdrückung und Ausgrenzung geprägten afroamerikanischen Geschichte zu konfrontieren. Seine Wurzeln hat Jafa jedoch im ‚Black Cinema‘ und es ehrt uns, dass er diese mit seiner Filmreihe für das FILMFEST MÜNCHEN offenlegt.“

Seit den 1990er-Jahren machte sich Arthur Jafa einen Namen in der Filmbranche, unter anderem für die Bildgestaltung in Julie Dashs „Daughters of the Dust“ (1991) und Spike Lees „Crooklyn“ (1994). 2013 gründete er darüber hinaus mit Elissa Blount Moorhead and Malik Sayeed die Filmproduktion TNEG zur Förderung des Schwarzen Avantgardefilms. 2017 führte er Regie beim Video zu Jay-Zs „4:44“. Er gilt heute als einer der wichtigsten afroamerikanischen Künstler und Filmemacher seiner Generation. Für das FILMFEST MÜNCHEN hat Arthur Jafa eine eigene Filmreihe kuratiert: „A Peculiar Vantage: A Selection of Black Cinema“. Die Reihe mit dem deutschen Untertitel „Black Cinema: Eine eigene Perspektive“ gibt einen Überblick über wichtige Filme zum Thema Black Cinema, u.a. mit Werken von Arthur Jafa selbst, Larry Clark (PASSING THROUGH 1977), Julie Dash (DIARY OF AN AFRICAN NUN) und weiteren Filmemacher*innen.

Anlässlich der Kooperation zwischen dem FILMFEST MÜNCHEN und dem Museum Brandhorst findet am 1. Juli 2019 um 19 Uhr ein Panelgespräch mit Arthur Jafa und Gästen im Museum Brandhorst statt.  

Weitere Informationen zur Jubiläumsausstellung „Forever Young – 10 Jahre Museum Brandhorst“ finden Sie hier.

 

Julia Weigl