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Donnerstag, 23.05.2019

Ein alter Freund

100 Jahre Bavaria Film

Hans Albers in WASSER FÜR CANITOGA

Als Hans-Jürgen Buchner gefragt wurde, ob er nicht eine neue Musik zum Klassiker DER OCHSENKRIEG (1920) schreiben wolle, da zögerte der Sänger der Kult-Band Haindling nicht lange. Schließlich war der Film einer der ersten, den er als Kind gesehen hatte. Aber auch in anderer Hinsicht war Franz Ostens Adaption des gleichnamigen Romans eine Premiere: Der Film über einen eskalierenden Konflikt zwischen dem Kloster Berchtesgaden und den Ramsauer Bauern war seinerzeit der erste, der in den Bavaria Studios entstand. Gegründet wurden diese schon ein Jahr zuvor von Peter Ostermayr, dem Bruder von Osten, damals noch unter dem Namen Münchner Lichtspielkunst, kurz EMELKA. Der musikalisch neu unterlegte Stummfilm ist einer von drei Titeln, die das FILMFEST MÜNCHEN zur Ehrung der Institution zeigt.

Im Laufe dieser 100 Jahre hat Bavaria Film, wie das Unternehmen seit 1933 heißt, zahlreiche Wandlungen durchgemacht. Eine der wichtigsten war der Wechsel von Stumm- zu Tonfilm, der für die gesamte Branche eine große Herausforderung darstellte. Aber auch das Dritte Reich stellte seine ganz eigenen Anforderungen an den Deutschen Film. Reine Propagandafilme blieben im Geiselgasteig jedoch eine Ausnahme, stattdessen dominierte aus Berlin angeordnete leichte Unterhaltung, die von dem Schrecken des Krieges ablenken sollten. Gleichzeitig wandte sich der Kamerablick oft in die Ferne. Für WASSER FÜR CANITOGA (1939) entstand beispielsweise eine eigene Cowboy-Stadt, die ein wenig Wild-West-Flair an die Isar holte. In dem kürzlich von der Murnau Stiftung restaurierten Abenteuerfilm spielt Hans Albers einen Ingenieur im Kanada des frühen 20. Jahrhunderts, der mysteriösen Saboteuren auf die Spur kommt.

 

DER OCHSENKRIEG und DIE SIEGER (DIRECTOR'S CUT)

 

Der nächste bedeutende Wandel erfolgte in den 1950ern: das Fernsehen eroberte die deutschen Haushalte. Das große Kinosterben begann – und damit das der klassischen Filmstudios. In Geiselgasteig machte man aus der Not eine Tugend und erfand sich als TV-Produktionsstätte einfach neu. Doch trotz des neuen Schwerpunkts, dem wir Kultsendungen wie die Science-Fiction-Serie RAUMPATROUILLE ORION (1966) und die Musikshow FORMEL EINS (1983-90) verdanken, das Kino spielte auch in der Folgezeit eine wichtige Rolle. Das für sechs Oscars nominierte Kriegsdrama DAS BOOT (1981), die fantasievolle Koproduktion „Die unendliche Geschichte“ (1984) oder das Science-Fiction-Spektakel ENEMY MINE – GELIEBTER FEIND (1986): Regisseure wie Wolfgang Petersen eroberten von München aus die Welt.

Auch Dominik Graf, der damals seine ersten Filmerfahrungen sammelte, orientierte sich stark an internationalen Vorbildern. Das zeigte sich gerade in seinem DIE SIEGER (1994), ein Kino-Epos, das dieses Jahr in Zusammenarbeit mit der Bavaria Film als erweiterter Director’s Cut neu erschienen ist. „Ich hatte immer das Bedürfnis, den Film einer Revision zu unterziehen“, verriet Graf dem FILMFEST MÜNCHEN. Die erneute Zusammenarbeit mit der Bavaria verlief sehr harmonisch. „Eine Art Begegnung wie mit einem Freund.“ So wie auch die Bavaria Film in den letzten 100 Jahren zu einem treuen Begleiter des deutschen Films geworden ist, ohne den unser Leben etwas ärmer wäre.