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Freitag, 24.05.2019

MINGA, Baby!

Beim Open Air gibt's acht eigensinnige Blicke auf die bayerische Landeshauptstadt

Bajuwarische Fantasien in 9 LEBEN HAT DIE KATZE

Mal ulkig, mal ernst, mal betörend, mal gesellschaftskritisch – aber stets typisch München. In acht Filmen zeichnen Münchner Filmschaffende ein Bild ihrer Stadt, machen München zur Kulisse und Protagonistin zugleich. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Filme in den 1960ern spielen oder heute – seit eh und je scheute München die Gegensätze nicht: Großstadtflair und Dorfgeflüster, Konservativismus und Weltoffenheit, Klischees und Subkultur.

Gezeigt werden Filme von Rainer Werner Fassbinder und Helmut Dietl, von wichtigen Filmemacherinnen wie etwa May Spils, Ula Stöckl und Gabriela Zerhau. Letztere ist auch mit ihrem neuen Fernsehfilm EIN DORF WEHRT SICH in der Reihe Neues Deutsches Fernsehen vertreten. Das FILMFEST MÜNCHEN freut sich besonders, mit SCHMUCKLOS von Thomas Schwendemann eine Weltpremiere in der Open-Air-Reihe feiern zu dürfen. Die Komödie zeichnet ein geselliges Bild von München, um genauer zu sein einem ganz besonderen Stadtteil: In Giesing wird eine alte Kneipe wiedereröffnet und soll zur Kult-Boazn werden. Mit dabei sind altbekannte Münchner Gesichter: u.a. Marianne Sägebrecht, Eisi Gulp, Günther Maria Halmer, Uschi Glas. 

In ZUR SACHE, SCHÄTZCHEN (1968) von May Spils, einer der ersten deutschen Regisseurinnen, gibt es ein München zu sehen, das nie lässiger war. Der Tunichtgut Martin und die fesche Barbara verkörperten eine ganz neue Generation: Anpassen ist vorbei, lieber einen flotten Spruch auf den Lippen haben und sich gesellschaftlichen Regeln versperren. Explizit nicht politisch entspinnt sich eine Komödie, die einfach so in den Sommer hineinlebt. Ein wenig kritischer ist da Ula Stöckls feministischer Film 9 LEBEN HAT DIE KATZE aus dem gleichen Produktionsjahr: In essayistisch angeordneten Episoden treffen zwei junge Frauen auf ihren Streifzügen durch München, tags wie nachts, weitere Frauen, die allesamt ganz eigenen Lebensentwürfen folgen. Dabei lernen die beiden nicht nur München und sein Umland kennen, sondern auch sich selbst.

 

ZUR SACHE, SCHÄTZCHEN und DIE HAUSMEISTERIN

 

Um Selbstbestimmung geht es auch in der erfolgreichen BR-Serie DIE HAUSMEISTERIN, die in den Achtzigerjahren schnell zum Publikumsliebling avancierte: Die Kombination aus der selbstständigen Martha und dem sowohl von seiner Ex-Frau, als auch Neugeliebten abhängigen Josef sprach mit ihrem Humor und sympathischen Charme eine breite Fernsehgemeinde an. Das war natürlich auch der prominenten Besetzung zu verdanken, wie etwa Veronika Fitz, dem späteren „Monaco-Franze“ Helmut Fischer, Ottfried Fischer und Hans Brenner. Das FILMFEST MÜNCHEN zeigt jeweils die erste Folge der ersten beiden Staffeln.

 

SCHMUCKLOS und MEISTER EDER UND SEIN PUMUCKL

 

Eine weitere ganz besondere Lokalprominenz wird in restaurierter Fassung auf die große Open-Air-Leinwand projiziert: Der vielleicht berühmteste Kobold Deutschlands! Das Filmfest präsentiert die ersten fünf Folgen der legendären Kinderserie MEISTER EDER UND SEIN PUMUCKL, eine Erinnerungsreise in die Kindheit vieler Erwachsener.

Bei „MINGA, Baby“ dürfen natürlich zwei Filmgrößen nicht fehlen: Rainer Werner Fassbinder und Helmut Dietl. Während sich Fassbinders Milieudrama KATZELMACHER (1969) in der Tradition des kritischen Volkstheaters mit Themen wie Ausgrenzung und Borniertheit der von Langeweile angetriebenen Sehnsüchten der spießigen Vorstadtgesellschaften beschäftigt, hat die Münchner Filmlegende Helmut Dietl mit ROSSINI – ODER DIE MÖRDERISCHE FRAGE, WER MIT WEM SCHLIEF (1997) eine bissige Satire übers Filmemachen und zugleich eine Hommage an die lebensfrohe Schwabinger High-Society geschaffen.

 

KEEP SURFING und ROSSINI – ODER DIE MÖRDERISCHE FRAGE, WER MIT WEM SCHLIEF

 

Typisch für München sind natürlich auch die Eisbachsurfer. Diesen widmet sich KEEP SURFING von Björn Richie Lob, der 2009 seine Weltpremiere auf dem FILMFEST MÜNCHEN feierte. In diesem Dokumentarfilm kommt eine ungewohnt anarchistische Seite der bayerischen Metropole ans Licht, in der Freigeister und Individualisten eine eigene kleine Welt aufgebaut haben.

Die Vorführungen in der Open-Air-Reihe sind wie immer kostenlos und beginnen jeweils um 22 Uhr.