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Freitag, 14.06.2019

Schlagfertiger Humor

THE ART OF SELF-DEFENSE ist Eröffnungsfilm beim FILMFEST MÜNCHEN 2019

Faust aufs Auge: THE ART OF SELF-DEFENSE

Wenn am 27. Juni Regisseur Riley Stearns und Hauptdarsteller Jesse Eisenberg ihre gefeierte Komödie THE ART OF SELF-DEFENSE vorstellen, bringen sie den Glanz Hollywoods nach München. Dabei geht es in ihrem Film so gar nicht glanzvoll zu.

„Ich will sein, was mir Angst macht“, sagt Casey, als er das erste Mal seinem Trainer gegenübersteht. Und es gibt eine Menge, das ihm Angst macht – allen voran die Typen von dieser Motorradgang, die ihn verprügelt haben. Karatestunden sollen das in Zukunft verhindern und einen echten Mann aus dem unscheinbaren Buchhalter mit der sanften Stimme machen. Nur: Was ist eigentlich ein echter Mann? Und was genau hat es mit diesen mysteriösen Abendkursen auf sich?

Mit viel schwarzem Humor seziert Riley Stearns, der auch das Drehbuch schrieb, überholte Männlichkeitsbilder und fragwürdige soziale Normen. Dabei stell sich heraus: Ein Karate-Anzug macht noch keinen Kerl. Aus einem Verlierer mit Hundeblick wird kein reißender Dobermann, nur weil man ihm einen bunten Gürtel umhängt. Aber vielleicht braucht es das auch gar nicht. Die schreiend komischen Kampfversuche demontieren eine Gesellschaft im Selbstoptimierungswahn, der deutlich gefährlicher ist als nächtliche Schlägertruppen.

 

Imogen Poots und Jesse Eisenberg beim Training, Regisseur Riley Stearns

 

Mit Jesse Eisenberg fand sich die Idealbesetzung für diese humorvolle Auseinandersetzung. Der oscarnominierte Star (THE SOCIAL NETWORK) spielt bekanntlich häufiger mal neurotische Figuren, die so gar nicht unseren üblichen Heldenvorstellungen entsprechen. Wenn er hier einen verunsicherten Niemand mimt, der so gerne ein Jemand wäre, dann ist das ebenso komisch wie rührend, eine gleichermaßen absurde und doch höchst menschliche Sinnsuche in einer Welt, in der vieles so gar keinen Sinn ergibt.

 

Oliver Armknecht