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Dienstag, 16.07.2019

Und der Gewinner ist …

Preisregen auf dem FILMFEST MÜNCHEN

Haben gut lachen: Produzentin Emilie Lesclaux und Regisseur Juliano Dornelles nehmen den ARRI/OSRAM Award für BACURAU entgegen


Rund 180 Filme aus 62 Ländern, das Programmangebot auf dem FILMFEST MÜNCHEN 2019 war ebenso umfangreich wie vielfältig. Das zeigt auch ein Blick auf die zahlreichen Preise, die zum feierlichen Abschluss verliehen wurden und Filmemacher*innen aus aller Welt würdigten.

Stark vertreten war dieses Jahr beispielsweise das lateinamerikanische Kino. So ging der mit 50.000 Euro dotierte ARRI/Osram Award im CineMasters Wettbewerb an die beiden brasilianischen Regisseure Kleber Mendonça Filho und Juliano Dornelles. Ihr BACURAU ist eine ebenso poetische wie mörderische Allegorie auf das aktuelle Weltgeschehen und verschmilzt mühelos die unterschiedlichsten Genres zu einem unvergesslichen Kinoereignis.

Eine Reise in die Vergangenheit tritt das Publikum hingegen in CANCIÓN SIN NOMBRE an, der dieses Jahr den CineVision Award im Wert von 15.000 Euro für den besten internationalen Nachwuchsfilm erhielt. Basierend auf wahren Vorfällen erzählt die peruanische Regisseurin Melina León in ihrem packenden Schwarzweiß-Drama von einer Frau, dessen Kind 1988 direkt nach der Geburt aus einer vermeintlichen Klinik entführt wird.

Noch weiter zurück liegen die Ereignisse in der brasilianisch-deutschen Koproduktion A VIDA INVISÍVEL DE EURÍDICE GUSMÃO, die  den neu geschaffenen CineCoPro Award gewonnen hat. In dem Melodram des brasilianischen Regisseurs Karim Aïnouz lernen wir zwei Schwestern kennen, die ein sehr inniges Verhältnis haben, deren Wege sich dennoch in den 1950ern trennen und die sich zeit ihres Lebens suchen werden.

In die Zukunft blickt hingegen der von der Interfilm-Akademie verliehene ONE-FUTURE-PREIS. Dieses Jahr wurde der chilenische Regisseur Juan Cáceres damit gewürdigt, dessen PERRO BOMBA von den Schwierigkeiten eines haitianischen Immigranten erzählt und dennoch vom festen Glauben an eine gerechtere Welt beseelt ist.

Dass auch hierzulande herausragende Werke produziert werden, das demonstrieren die Preisträger des Förderpreises Neues Deutsches Kino auf beeindruckende Weise. Martin Lischke erhielt für LEIF IN CONCERT den Produzentenpreis: Darin folgen wir einen Abend lang dem munteren Treiben in einer Kneipe, lauschen kuriosen Gesprächen, während wir auf ein Konzert warten. ES GILT DAS GESPROCHENE WORT über eine Scheinehe zwischen einer deutschen Pilotin und einem deutlich jüngeren kurdischen Einwanderer erhielt sogar zwei Preise: Nils Mohl und Ilker Çatak wurden für das Beste Drehbuch ausgezeichnet, der Preis für das Beste Schauspiel ging an Oğulcan Arman Uslu. Jan-Ole Gerster durfte für seinen lang erwarteten zweiten Film LARA den Preis für die Beste Regie entgegennehmen. Außerdem erhielt das Drama um eine 60-Jährige, die sich von dem Rest ihrer Familie entfremdet hat, den FIPRESCI-Preis 2019, der von der internationalen Filmkritiker- und Filmjournalisten-Vereinigung FIPRESCI verliehen wird.

Aber auch das Publikum durfte bei der 37. Ausgabe des FILMFEST MÜNCHEN kräftig bei der Wahl des besten Films mitbestimmen. Am Ende konnte FOR SAMA die Herzen der Zuschauer*innen für sich gewinnen: Der Dokumentarfilm von Waad Al Kateab und Edward Watts ist gleichzeitig warmherziges Familienporträt wie auch Einblick in ein vom Krieg zerstörtes Syrien. Der Kinderfilmfest-Publikumspreis ging an den fantasievollen und mitreißenden Animationsfilm LOTTE UND DIE VERSCHWUNDENEN DRACHEN von Janno Põldma und Heiki Ernits.

Apropos mitreißend: Auch innerhalb der neuen Sektion rund um die virtuellen Welten wurde ein eigener Wettbewerb um die besten Beiträge veranstaltet. Der 360-Grad-Film ACCUSED #2: WALTER SISULU von Nicolas Champeaux und Gilles Porte wurde hier zur besten linearen Experience gekürt. A FISHERMAN’S TALE von Balthazar Auxietre und Alexis Moroz wurde last but not least als beste interaktive Experience und allgemein als beste immersive Arbeit ausgezeichnet.