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Freitag, 05.07.2019

Tipps für Freitag

05.07.

Eines von mehreren Highlights aus Lateinamerika: DESLEMBRO

Endspurt! Das FILMFEST MÜNCHEN neigt sich so langsam dem Ende zu. Doch bevor es so weit ist, locken noch einmal jede Menge Highlights. Wie wäre es beispielsweise mit einer spannenden Reise quer durch Südamerika? Gleich drei FILMMAKERS LIVE! Veranstaltungen laden dazu ein, den Kontinent in all seinen Facetten kennenzulernen. In BRASILIEN – DIE KUNST DES GEGENBILDS (16.00 Uhr, Carl-Amery-Saal) geben Regisseurinnen Einblicke in den gesellschaftlichen und filmischen Wandel ihres Heimatlandes. Auch NEUE STIMMEN AUS LATEINAMERIKA (16.50 Uhr, Carl-Amery-Saal) befasst sich mit den aktuellen Tendenzen eines Kontinents, der in vielerlei Hinsicht im Um- bzw. Aufbruch ist. Ein Muss für alle Fans des besonderen Kinos ist zudem DAS KOLLEKTIV EL PAMPERO CINE AUS BUENOS AIRES (18.00 Uhr, Black Box): Die Macher des 14-stündigen, wilden Genreexperiments LA FLOR und des Künstlerporträts POR EL DINERO stellen sich den Fragen aus dem Publikum. Und wer die Filme der kompromisslosen Argentinier*innen gesehen hat, der wird jede Menge Fragen auf Lager haben.

Filme aus Lateinamerika oder mit lateinamerikanischen Wurzeln sind am Freitag natürlich auch zu sehen. In DESLEMBRO (16.00 Uhr, Rio 2) muss sich eine junge Frau beispielsweise mit der Vergangenheit ihres Landes und ihrer Vorfahren auseinandersetzen, als sie mit der Familie aus dem französischen Exil nach Brasilien zurückkehrt. Denn dort ist ihr Vater einst verschwunden, die Wunden der Militärdiktatur sitzen tief.

Ernesto hat in PAPI CHULO (20.30 Uhr, Rio 1) hingegen seine Heimat verlassen, um in Los Angeles sein Glück zu suchen. Dabei trifft er auf den Wettermann Sean, der noch immer damit zu kämpfen hat, von seinem Freund verlassen worden zu sein – der Beginn einer großen Freundschaft über alle (Kultur-)Grenzen hinweg und ein Muss für alle Freund*innen warmherziger Geschichten.

Auch Elia Suleiman ist ausgezogen, um woanders eine Heimat zu finden. Aber was bedeutet Heimat eigentlich? Und kann man je seine Vergangenheit hinter sich lassen? Das ist ganz schön knifflig, wie IT MUST BE HEAVEN (17.00 Uhr, ASTOR Kino) beweist. Denn wohin der arabisch-israelische Filmemacher auch geht, überall wird er daran erinnert, was er meinte, zurückgelassen zu haben. Ein gemütlicher Ausflug in ein Café und donnernde Panzer sind untrennbar miteinander verbunden, gestern und heute – zwei Seiten einer Medaille.

Die Schatten der Vergangenheit wiegen auch in JUDY AND PUNCH (21.00 Uhr, Sendlinger Tor Kino) schwer: Zwischen Hexen, historischem Setting und Handpuppen hat in der schwarzen Komödie ein verheiratetes Marionettenspielerpaar mit vielem zu kämpfen – unter anderem mit sich selbst. Denn in dem englischen Dorf Seaside, das fernab von jeglichem Wasser gebaut wurde, läuft nicht nur die Namensgebung verkehrt. Absurder Humor plus menschliche Abgründe, das bedeutet absolutes Kultpotenzial!

Düstere Filme gibt es aber auch hierzulande, etwa Dominik Grafs DIE SIEGER (16.00 Uhr, Carl-Orff-Saal). Der packende Thriller läuft zum 25. Jubiläum restauriert und um einige Minuten erweitert als Director’s Cut beim FILMFEST MÜNCHEN. Der Inhalt ist dafür zeitlos: Ein Polizeihauptmeister muss feststellen, dass sein angeblich verstorbener Kollege quicklebendig und in eine fiese Geschichte verwickelt ist, die bis in die obersten Kreise von Politik und Gesellschaft führt. Wie sich hier nach und nach Puzzlestücke zu einem verstörenden Gesamtbild zusammensetzen, das ist große Genrekunst, die sich vor Hollywood nicht zu verstecken braucht.

Aber auch einen sehr aktuellen Film wollen wir euch zum Schluss noch ans Herz legen: EXFILTRÉS (19.00 Uhr, Münchner Freiheit 2) erzählt von einer französischen Sozialarbeiterin, die zum Islam konvertiert und in Syrien aushelfen will. Doch in dem kriegsgebeutelten Land ist die Situation noch viel verheerender, als sie es sich ausgemalt hat. Die gefährliche Rettungsaktion fordert nicht nur der Französin und ihrem erst fünf Jahre alten Sohn einiges ab. Auch das Publikum sollte lieber etwas stärkere Nerven haben, um heil aus dem Kriegsalbtraum zu entkommen.