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Montag, 27.05.2019

Retrospektiven: Mads Brügger und Bong Joon Ho

Das FILMFEST MÜNCHEN widmet in diesem Jahr zwei herausragenden Persönlichkeiten des internationalen Kinos eigene Filmreihen. Zwei Retrospektiven würdigen das jeweilige Gesamtwerk des dänischen Dokumentarfilm-Provokateurs Mads Brügger sowie des weltbekannten südkoreanischen Autorenfilmers Bong Joon Ho. Mit nach München bringen die beiden Filmemacher außerdem ihre neuen Filme: Brüggers True-Crime-Doku „Cold Case Hammarskjöld“ und Bong Joon Hos gefeierter Cannes-Sieger „Parasite“ werden als Deutschlandpremieren im CineMasters-Wettbewerb zu sehen sein.

 

Retrospektive Mads Brügger – Investigativer Grenzgänger

Der dänische Dokumentarfilmer, Drehbuchautor und Journalist Mads Brügger bewegt sich virtuos im Grenzgebiet zwischen Dokumentar- und Spielfilm. Mit jeder Menge schwarzem Humor geht Brügger den Dingen auf den Grund, ob absurdes Theater in Nordkorea, Bernhardinerzucht in China oder Diamantenschmuggel und Verschwörungen in Afrika. Provokant und selbstreflexiv agiert Brügger selbst vor der Kamera und betreibt Aufklärung im besten und unterhaltsamsten Sinne – mit versteckter Kamera und teils unter akuter Lebensgefahr. Ausgangspunkt der Retrospektive ist Brüggers aktueller Film „Cold Case Hammarskjöld“ (2019). In dieser aufsehenerregenden True-Crime-Dokumentation rollt Brügger den Fall des 1961 zu Tode gekommenen UN-Generalsekretärs Dag Hammarskjöld neu auf. Mit für ihn typischen Mitteln der Performance deckt Brügger kriminelle Strukturen auf und geht dem potenziellen Anschlag auf den Grund. Inszeniert wie ein spannender Kriminalfilm ist „Cold Case Hammarskjöld“ das Ergebnis einer sechsjährigen, aufwändigen Recherche voller Uneindeutigkeiten und Widersprüche. Der Film hat eine öffentliche Debatte angestoßen und den Fall wieder ins kollektive Bewusstsein gerufen. Außerdem erhielt Brügger den World Cinema Directing Award im Bereich Documentary beim Sundance Film Festival. Beim FILMFEST MÜNCHEN feiert die hochgelobte Dokumentation nun im Rahmen der Retrospektive ihre Deutschlandpremiere.

In „Die rote Kapelle“ (2009), „The Ambassador“ (2011), „The Saint Bernard Syndicate“ (2018) und „Cold Case Hammarskjöld“ präsentiert die Werkschau die vier abendfüllenden Filme Brüggers, die alle auf dem FILMFEST MÜNCHEN ihre jeweilige Deutschlandpremiere feierten.

 

Retrospektive Bong Joon Ho – Regiestar aus Südkorea

Mit dem Südkoreaner Bong Joon Ho ehrt das FILMFEST MÜNCHEN nicht nur einen der renommiertesten Filmemacher des aktuellen Weltkinos, sondern auch den frisch gekürten Gewinner der Goldenen Palme in Cannes. Als Genreregisseur hat er sich im Verlauf seiner bisherigen Karriere höchst erfolgreich mit unterschiedlichsten Themen beschäftigt, wobei Solidarität und Zusammenhalt wiederkehrende Motive sind, die sich durch Bongs filmisches Schaffen ziehen. Im diesjährigen CineMasters-Wettbewerb ist der Regisseur nun mit seinem brandaktuellen Cannes-Gewinner „Parasite“ vertreten. In diesem mysteriösen Drama mit komödiantischen Untertönen stehen die Familie und deren Abgründe im Mittelpunkt. Der Film lässt sich bewusst in keine Genre-Schublade stecken und wartet mit einigen Überraschungen auf. Die Mischung aus Satire, Suspense und Sozialkritik ist typisch für Bong Joon Ho und der ideale Ausgangspunkt um sein Werk neu oder wieder zu entdecken.

„Parasite“ schlägt eine Brücke zu seinem tragikomischen Erstlingswerk „Hunde, die bellen, beißen nicht“ (2000), mit dem Bong ebenfalls beim FILMFEST MÜNCHEN zu Gast war. Dieser bildet den Auftakt einer bemerkenswerten Reihe von Filmen, die – und das ist selten genug – sowohl von der Kritik als auch vom Publikum stets äußerst positiv aufgenommen wurden. Seinen Durchbruch erlangte Bong mit dem gefeierten Polizeithriller „Memories of Murder“, der mit zahlreichen Auszeichnungen auf Festivals weltweit bedacht wurde. An den bemerkenswerten Erfolg konnte der Autorenfilmer mit dem Katastrophen- und Monsterfilm „The Host“ (2006) mehr als anknüpfen: Die aufwändige Produktion avancierte zum erfolgreichsten südkoreanischen Film aller Zeiten und war auch international enorm erfolgreich. Auf „Tokyo!“ (2008) und „Mother“ (Deutschlandpremiere beim FILMFEST MÜNCHEN 2010) folgte mit „Snowpiercer“ (2013) Bongs erste englischsprachige Produktion. Der starbesetzte Science-Fiction-Film setzt sich kritisch und zugleich unterhaltsam mit gesellschaftlicher Ungleichheit und den fatalen Folgen globaler Erwärmung auseinander. Auch Bongs Cannes-Beitrag „Okja“ aus dem Jahr 2017 formuliert unter der spektakulären Oberfläche deutliche Kritik an zeitgenössischen Phänomenen wie Massentierhaltung und genetisch veränderten Lebensmitteln.