PILOTINNEN
Filmfest 2016

Altersfreigabe

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Christian Petzolds Abschlussfilm an der dffb: ein Buddy-Movie über zwei Parfumverkäuferinnen, die als unfreiwilliges Team gemeinsam durch Deutschland fahren und nach gegenseitigen Zwistigkeiten ein paar kräftige verbrecherische Duftnoten setzen. „Vor dem Dreh hatte ich einen sehr schönen Film, den ersten von Michael Cimino gesehen: THUNDERBOLT AND LIGHTFOOT mit Clint Eastwood und Jeff Bridges. Eastwood ist der alte Gangster, Bridges der junge Gangster, beide sitzen im Auto. Eigentlich mag der Alte den Jungen nicht, aber sie kommen irgendwie zusammen. Das hat mir gefallen, und so kam die Idee für PILOTINNEN auf: Da ist diese alternde Kosmetikvertreterin, für die im beginnenden Neoliberalismus der Bundesrepublik die Luft immer dünner wird. In dieser Amazon-Gesellschaft, die sich am Horizont auftut, ist kein Platz mehr für sie. Und da ist diese junge Verkäuferin, für die nie ein Platz da sein wird. Die beiden begreifen das und tun sich zu einer Solidargemeinschaft zusammen. Meine Mutter war übrigens selbst Avon-Beraterin. Viele ihrer Kundinnen hatten dabei Sehnsüchte, die sich mit diesen Parfums verbunden haben. Allein, was auf den Fläschchen und Flakons draufsteht, die Orte: Rom! Tokio! New York! Die Frauen sitzen aber in Rosenheim, Leverkusen, Wolfsburg rum und denken sich: Ich habe einen Mann, ich habe Kinder, ich sitze in einem Reihenhaus, aber eigentlich wollte ich nie hier landen. Ich wollte nach Rom, Tokio oder New York, zumindest für eine Nacht mal. Dieses Sehnsuchtspotential habe ich immer gespürt, und das ging dann als Energie in diesen Film ein.“

tags: Älterwerden, Arbeit, Frauen, Gesellschaft, Spielfilm

Darsteller: Eleonore Weisgerber, Nadeshda Brennicke, Udo Schenk, Barbara Frey

Credits

Drehbuch: Christian Petzold

Kamera: Hans Fromm

Schnitt: Monika Kappl-Schmith

Musik: Georges Delerue

Produktionsdesign: K.D. Gruber

Kostüme: Anette Guther

Ton: Heino Herrenbrück, Martin Ehlers-Falkenberg

Produzent: Florian Koerner von Gustrof, Michael Weber

Koproduzent: Annedore von Donop

Produktion (Firma): Schramm Film Koerner & Weber

Koproduktion (Firma): dffb Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin GmbH

Regie: Christian Petzold

Redakteur: Annedore von Donop

TV-Sender: Zweites Deutsches Fernsehen (ZDF)

Biografie

Christian Petzold wurde 1960 in der nordrhein-westfälischen Stadt Hilden geboren. Nach Abschluss des Zivildiensts zog er 1981 nach Berlin, wo er an der Freien Universität Germanistik und Theaterwissenschaft studierte. Nach seinem Abschluss 1989 folgte ein Regiestudium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb). Während dieser Zeit arbeitete er als Regie-Assistent bei Hartmut Bitomsky und Harun Farocki und schrieb als Filmkritiker für diverse Publikationen. 1994 drehte Petzold mit PILOTINNEN seinen Abschlussfilm an der dffb. Nach den Fernsehfilmen CUBA LIBRE und DIE BEISCHLAFDIEBIN drehte er mit DIE INNERE SICHERHEIT (2000) seinen ersten Kinofilm. Das Drama um einen Jugendlichen und seine Eltern, die als Terroristen gesucht werden, wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter der Deutsche Filmpreis in Gold für den Besten Film. 2001 arbeitete Petzold erstmals mit Nina Hoss zusammen (TOTER MANN), mit der er gleich den nächsten Film drehte: WOLFSBURG (2003) wurde bei der Berlinale mit dem FIPRESCI-Preis ausgezeichnet und erhielt den Adolf-Grimme-Preis in Gold. Mit Nina Hoss drehte Petzold auch YELLA (2007), JERICHOW (2009) und BARBARA (2012). Zu seinen Fernseharbeiten zählt eine Episode des Dreiteilers DREILEBEN (2011). Petzolds jüngster Kinofilm PHOENIX (2013/2014), erneut mit Nina Hoss in der weiblichen Hauptrolle, erhielt u.a. den Preis der internationalen Filmkritik auf dem Filmfestival San Sebastián. Zu den ständigen kreativen Mitarbeitern Petzolds gehören Kameramann Hans Fromm, Cutterin Bettina Böhler, der Filmarchitekt K.D. Gruber und Komponist Stefan Will.