DIE BEISCHLAFDIEBIN
Filmfest 2016

Altersfreigabe

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Ein weiterer Fernsehfilm über eine Betrügerin, die Männer verführt, gerne an Hotelbars, mit solchen überzeugenden Sprüchen wie: „Ich bin so einsam wie ein Rentner auf Mallorca.“ Bald hat sie jedoch jemanden an ihrer Seite, ihre Schwester, die ebenfalls Geld braucht. „Das sollte der zweite Teil zu PILOTINNEN werden: wieder zwei Frauen, nur dieses Mal zwei Schwestern, die eine von beiden eine alternde Beischlafdiebin. Das Wort für den Titel habe ich bei Alexander Kluge gelesen. Es klingt so wunderbar sachlich, aber es ist gleichzeitig so märchenhaft: Wie kann man den Beischlaf stehlen? Daran musste ich ständig denken: eine Frau, die Sexualität stiehlt. Dabei wehrt sich diese Beischlafdiebin vehement dagegen, dass sie als Prostituierte bezeichnet wird, weil der Geschlechtsverkehr ja nicht vollzogen wird. Sie macht den Mann so was von scharf, dass bei ihm jede Rationalität aussetzt. Dann mischt sie seinem Drink K.O.-Tropfen bei, er fällt um, sie nimmt ihm alles ab und verschwindet. Das Furchtbare an dieser Form von Kriminalität ist aber, dass sie den Mann erstmal verführen muss. Das heißt, sie muss zwei Stunden mit ihm in der Bar sitzen und mit ihm reden, ihm was vorspielen. Das verletzt ihre Seele und nicht den Körper. Die Beischlafdiebin, die von Constanze Engelbrecht gespielt wird, ist Anfang 40 und merkt: Ich bin noch viel fertiger als eine Hure.“

Die Kopie des Filmes wurde vom Österreichischen Filmmuseum zur Verfügung gestellt.

tags: Älterwerden, Frauen, Liebe, Sexualität, Spielfilm

Darsteller: Constanze Engelbrecht, Nele Mueller-Stöfen, Wolfram Berger, Richy Müller

Credits

Drehbuch: Christain Petzold, Harun Farocki

Kamera: Hans Fomm

Schnitt: Katja Dringenberg

Musik: Stefan Will

Produktionsdesign: K.D. Gruber

Kostüme: Anette Guther

Ton: Martin Ehlers-Falkenberg, Heino Herrenbrück

Produzent: Florian Koerner von Gustorf, Michael Weber

Produktion (Firma): Schramm Film Koerner & Weber

Regie: Christian Petzold

Redakteur: Bettina Reitz, Caroline von Senden

TV-Sender: Zweites Deutsches Fernsehen (ZDF), Arte

Biografie

Christian Petzold wurde 1960 in der nordrhein-westfälischen Stadt Hilden geboren. Nach Abschluss des Zivildiensts zog er 1981 nach Berlin, wo er an der Freien Universität Germanistik und Theaterwissenschaft studierte. Nach seinem Abschluss 1989 folgte ein Regiestudium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb). Während dieser Zeit arbeitete er als Regie-Assistent bei Hartmut Bitomsky und Harun Farocki und schrieb als Filmkritiker für diverse Publikationen. 1994 drehte Petzold mit PILOTINNEN seinen Abschlussfilm an der dffb. Nach den Fernsehfilmen CUBA LIBRE und DIE BEISCHLAFDIEBIN drehte er mit DIE INNERE SICHERHEIT (2000) seinen ersten Kinofilm. Das Drama um einen Jugendlichen und seine Eltern, die als Terroristen gesucht werden, wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter der Deutsche Filmpreis in Gold für den Besten Film. 2001 arbeitete Petzold erstmals mit Nina Hoss zusammen (TOTER MANN), mit der er gleich den nächsten Film drehte: WOLFSBURG (2003) wurde bei der Berlinale mit dem FIPRESCI-Preis ausgezeichnet und erhielt den Adolf-Grimme-Preis in Gold. Mit Nina Hoss drehte Petzold auch YELLA (2007), JERICHOW (2009) und BARBARA (2012). Zu seinen Fernseharbeiten zählt eine Episode des Dreiteilers DREILEBEN (2011). Petzolds jüngster Kinofilm PHOENIX (2013/2014), erneut mit Nina Hoss in der weiblichen Hauptrolle, erhielt u.a. den Preis der internationalen Filmkritik auf dem Filmfestival San Sebastián. Zu den ständigen kreativen Mitarbeitern Petzolds gehören Kameramann Hans Fromm, Cutterin Bettina Böhler, der Filmarchitekt K.D. Gruber und Komponist Stefan Will.