DIE INNERE SICHERHEIT
Filmfest 2016

Altersfreigabe

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Ein Spiegelfilm zu Sidney Lumets RUNNING ON EMPTY (1988), den Petzold jedoch erst nach Fertigstellung von DIE INNERE SICHERHEIT gesehen hat: Richy Müller und Barbara Auer als Ex-Terroristen, Julia Hummer als ihre 15-jährige Tochter, die mit ihnen auf der Flucht ist. Sie müssen nach Deutschland zurück, gar eine Bank überfallen, um sich über Wasser halten zu können. Die Tochter aber ist verliebt in einen Surfer-Typen, den sie in der Fremde kennengelernt hat und nun in der Heimat wieder trifft. Und nicht nur das: Die Luxus-Wohnung, die er ihr beschrieben hat (mit Fußbodenheizung!) und die das Mädchen sich in ihrer Fantasie in Bilder gefasst hat, gibt es tatsächlich. Die Familie nistet sich dort ein. „Ich habe mal einen Film von Juan Luis Buñuel gesehen, da ist die Kraft eines pubertierenden Mädchens so stark, dass sie die Männer vernichten kann. Julia Hummer spielt in DIE INNERE SICHERHEIT ein Mädchen, das nie in ihrem Leben in die Schule gegangen ist, die nicht in der Eisdiele rumgehangen hat, die niemals auf einer Party geweint hat, die aber von so etwas gelesen hat und so eine Sehnsuchtskraft hat, eine Energie, die so stark ist, dass sich die Wirklichkeit ihr fügt. Mir kommt es so vor, dass ich selbst in der Pubertät solche Sehnsuchtsbrutalitäten entwickelt habe. Es gab so ein Mädchen, in das wir alle verliebt waren. Mein Freund und ich saßen einmal auf einer Bank in einem Naturschutzgebiet und haben uns vorgestellt, wie toll das wäre, wenn wir dieses Mädchen kennenlernen würden. Und dann ritt sie einfach auf einem Pferd an uns vorbei. Mit einem Reitlehrer. Scheiße, da wussten wir natürlich, wir kommen nie an die ran. Aber sie war immerhin wirklich da.“

tags: Familie, Geschichte, Gesellschaft, Kindheit, Spielfilm

Darsteller: Julia Hummer, Barbara Auer, Richy Müller, Bilge Bingül, Katharina Schüttler

Credits

Drehbuch: Christian Petzold, Harun Farocki

Kamera: Hans Fromm

Schnitt: Bettina Böhler

Musik: Stefan Will

Produktionsdesign: K.D. Gruber

Kostüme: Anette Guther

Ton: Heino Herrenbrück

Produzent: Florian Koerner von Gustorf, Michael Weber

Produktion (Firma): Schramm Film Koerner & Weber

Koproduktion (Firma): Hessischer Rundfunk (HR), Arte

Regie: Christian Petzold

Redakteur: Liane Jessen, Andreas Schreitmüller

TV-Sender: Hessischer Rundfunk (HR), Arte

Biografie

Christian Petzold wurde 1960 in der nordrhein-westfälischen Stadt Hilden geboren. Nach Abschluss des Zivildiensts zog er 1981 nach Berlin, wo er an der Freien Universität Germanistik und Theaterwissenschaft studierte. Nach seinem Abschluss 1989 folgte ein Regiestudium an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (dffb). Während dieser Zeit arbeitete er als Regie-Assistent bei Hartmut Bitomsky und Harun Farocki und schrieb als Filmkritiker für diverse Publikationen. 1994 drehte Petzold mit PILOTINNEN seinen Abschlussfilm an der dffb. Nach den Fernsehfilmen CUBA LIBRE und DIE BEISCHLAFDIEBIN drehte er mit DIE INNERE SICHERHEIT (2000) seinen ersten Kinofilm. Das Drama um einen Jugendlichen und seine Eltern, die als Terroristen gesucht werden, wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter der Deutsche Filmpreis in Gold für den Besten Film. 2001 arbeitete Petzold erstmals mit Nina Hoss zusammen (TOTER MANN), mit der er gleich den nächsten Film drehte: WOLFSBURG (2003) wurde bei der Berlinale mit dem FIPRESCI-Preis ausgezeichnet und erhielt den Adolf-Grimme-Preis in Gold. Mit Nina Hoss drehte Petzold auch YELLA (2007), JERICHOW (2009) und BARBARA (2012). Zu seinen Fernseharbeiten zählt eine Episode des Dreiteilers DREILEBEN (2011). Petzolds jüngster Kinofilm PHOENIX (2013/2014), erneut mit Nina Hoss in der weiblichen Hauptrolle, erhielt u.a. den Preis der internationalen Filmkritik auf dem Filmfestival San Sebastián. Zu den ständigen kreativen Mitarbeitern Petzolds gehören Kameramann Hans Fromm, Cutterin Bettina Böhler, der Filmarchitekt K.D. Gruber und Komponist Stefan Will.