CORIOLANUS

Altersfreigabe

Für seine erste Regiearbeit nimmt sich Ralph Fiennes ein spätes Shakespeare-Stück vor, dessen Titelhelden er bereits im Jahr 2000 selbst auf der Bühne spielte. Der römische General Caius Martius fällt dabei nicht nur durch seine entschlossene Kampfkraft auf, sondern auch durch seinen Stolz und seinen Mangel an sozialen Umgangsformen, was ihm immer wieder selbst im Wege steht. Vom römischen Volk angefeindet, weil die Getreidevorräte auf sein Geheiß unter Verschluss gehalten werden, kämpft der Feldherr mit seinem Heer gegen die Feinde Roms, die Volsker, und erobert die volskische Stadt Corioli, weshalb er „Coriolanus“ genannt und sogar Konsul im römischen Senat wird.
Als Anführer hinter der Kamera hat Fiennes ein beachtliches Heer an erfahrenen Profis um sich versammelt, darunter Barry Ackroyd, Kameramann des Irakkriegsdramas THE HURT LOCKER, und John Logan, den Drehbuchautor von Ridley Scotts GLADIATOR. Fiennes und Logan einigten sich vorab darauf, die Sprache Shakespeares unverändert zu belassen. So hält sich der Film unruhig zwischen den Zeiten auf und hat einen von Machtstreben getriebenen, aber doch integren Feldherrn im Zentrum. Die Tribunen manipulieren das wankelmütige Volk, während Coriolanus seine Emotionen der Wut und Verzweiflung nicht deckeln kann. Er ist ein Außenseiter, gegen den sich selbst die eigene Mutter (Vanessa Redgrave) und der eigene Sohn wenden. Nur seine Frau (Jessica Chastain) hält ihm die Treue.
In den wenigen Momenten mit der Familie wird Fiennes Stimme sanft, der General sehnt sich nach Ruhe vor der eigenen Getriebenheit und lässt sich doch immer wieder provozieren, bis er in der Verbannung landet und mit seinem Erzfeind, dem Kommandanten der volskischen Armee, gemeinsame Sache macht. Gerald Butler ist der grimmige Gegenpart und gleichzeitig die homoerotisch aufgeladene Spiegelfigur zu Fiennes Coriolanus. Die Einsamkeit verbindet beide Anführer. Die Historie hat jedoch ihren ganz eigenen tragischen Drive.

tags: Geschichte, Gesellschaft, Krieg, Politik, Spielfilm

Darsteller: Ralph Fiennes, Gerard Butler, Vanessa Redgrave, Brian Cox, Jessica Chastain

Credits

Drehbuch: John Logan

Originalvorlage: William Shakespeare

Kamera: Barry Ackroyd

Schnitt: Nicolas Gaster

Musik: Ilan Eshkeri

Produktionsdesign: Ricky Eyres

Kostüme: Bojana Nikitovic

Ton: Ray Beckett

Produzent: Gabrielle Tana, Julia Taylor-Stanley, Colin Vaines, Ralph Fiennes, John Logan

Koproduzent: Kevan Van Thompson

Produktion (Firma): Hermetof Pictures, Magna Films, Icon Entertainment International

Regie: Ralph Fiennes

Biografie

Ralph Fiennes wurde 1962 in Ipswich in der englischen Grafschaft Suffolk geboren. Sein Schauspielhandwerk lernte er an der Royal Academy of Dramatic Art in London. Seit 1987 ist er Mitglied des Royal National Theatre, kurz darauf wurde er von der Royal Shakespeare Company engagiert. Sein Kinofilm-Debüt gab er in WUTHERING HEIGHTS (1992). Ein Jahr später spielte er einen Nazikommandanten in Steven Spielbergs SCHINDLERS LISTE (1993). Für seine darstellerische Leistung wurde Fiennes für den Oscar nominiert und bekam gehäuft Kinorollen. Er spielte die Hauptrolle in Robert Redfords QUIZ SHOW (1994) und wurde für seine Darstellung in DER ENGLISCHE PATIENT (1996) erneut für den Oscar nominiert. Währenddessen verfolgte er weiterhin seine Bühnenkarriere, spielte u.a. Hamlet in einer Broadway-Produktion von 1995 und erhielt dafür eine Tony-Nominierung. Im Kino spielte er u.a. einen Schriftsteller in Neil Jordans DAS ENDE EINER AFFÄRE (1999), einen Serienkiller in ROTER DRACHE (2002) und einen Witwer, der den Tod seiner Frau rächen will in THE CONSTANT GARDENER (2005). 2008 spielte er in BRÜGGE SEHEN... UND STERBEN?, DER VORLESER, DIE HERZOGIN und TÖDLICHES KOMMANDO – THE HURT LOCKER markante Rollen. In der Harry-Potter-Filmreihe verkörperte er Lord Voldemort, in SKYFALL (2012) und SPECTRE (2015) den Boss von James Bond, M. Sein komödiantisches Talent bewies er in Filmen wie GRAND BUDAPEST HOTEL (2014) von Wes Anderson und HAIL, CAESAR! (2016) von den Coen-Brüdern. Als Sprecher war er in diversen Animationsfilmen zu hören, etwa in DER PRINZ VON ÄGYPTEN (1998) und THE LEGO BATMAN MOVIE (2017). Mit CORIOLANUS legte Fiennes 2011 sein Regiedebüt vor und übernahm selbst die Titelrolle, die er bereits 2000 auf der Bühne gespielt hatte. 2013 folgte mit THE INVISIBLE WOMAN sein zweiter abendfüllender Spielfilm: Darin übernahm Fiennes selbst die Rolle des Schriftstellers Charles Dickens, der eine (historisch verbürgte) Affäre mit einer jungen Schauspielerin hatte. Das Biopic NUREJEW – THE WHITE CROW (2018) ist Fiennes dritter Spielfilm.

Vorstellungen

Sonntag, 30.06.2019, 15:00 Uhr (123 Min.)
Filmmuseum