DER ENGLISCHE PATIENT

Altersfreigabe

Ein Flugzeug über der nordafrikanischen Wüste, darin ein Pilot und eine Frau, deren Gesicht in den Schein der Sonne gerät. Zu den Bildern ertönt ein fremdländisch klingender Song, der jedoch nicht arabisch, sondern ungarisch ist: das Volkslied „Szerelem, szerelem“, gesungen von Márta Sebestyén. Die nationalen Identitäten sind im ständigen Fluss in Anthony Minghellas Verfilmung des Romans von Michael Ondaatje. Der titelgebende „englische Patient“ ist der ungarische Graf Lázló Almásy, der in den Wirren des Zweiten Weltkriegs sogar einmal fatalerweise für einen Deutschen gehalten wird. Ralph Fiennes spielt diesen Grafen, der nach einem Flugzeugabsturz schwer verbrannt in einem italienischen Lazarett landet, wo er von der kanadischen Krankenschwester Hana (Juliette Binoche) behandelt wird. Während die alliierten Truppen weiterziehen, bleibt sie mit Almásy in einem Mönchskloster zurück. Almásy leidet unter Amnesie. In Rückblenden entfaltet sich seine Geschichte.
Regisseur Minghella hat aus dem Roman ein bildstarkes Epos gemacht, dass zwölfmal für den Oscar nominiert war und neun Trophäen gewann, darunter für den besten Regisseur und den besten Film. Ralph Fiennes und Kristin Scott-Thomas waren jeweils für ihre schauspielerische Leistung nominiert: Sie spielen ein Liebespaar, das sich in der Wüste kennenlernt und das gegenseitige Begehren von Anfang an geheim halten muss, da die von Scott-Thomas gespielte Katharine bereits mit einem Briten (Colin Firth) verheiratet ist. Fiennes spielt den Grafen als gefühlskontrollierten Abenteuer, der nur kurz euphorisch wird, als er im Rahmen der Expedition, die er gemeinsam mit einem Freund in der ägyptischen Wüste leitet, die „Höhle der Schwimmer“ entdeckt. Seine erotischen Energien sublimiert der Graf zunächst in der Kunst, zeichnet etwa die Dünenlandschaft, sieht in ihr den Rücken einer Frau.
In einem Sandsturm kommen sich Almásy und Katherine näher, unterhalten kurz darauf eine Affäre, die von ihrem Gatten jedoch entdeckt wird. Parallel zu dieser Liebesgeschichte von einst entwickelt sich eine Beziehung zwischen Krankenschwester Hana und dem indischen Soldaten Kip, der als Bombenentschärfer ein aufs andere Mal sein Leben aufs Spiel setzt. Der Krieg wirkt schicksalhaft auf die Beziehungen ein. Fiennes ist dabei ein klassisch romantischer Held von gefährlich ruhiger Präsenz.

Images courtesy of Park Circus/ Miramax

tags: Beziehung, Geschichte, Liebe, Schuld, Spielfilm

Darsteller: Ralph Fiennes, Juliette Binoche, Willem Dafoe, Kristin Scott Thomas, Naveen Andrews

Credits

Drehbuch: Anthony Minghella

Originalvorlage: Michael Ondaatje

Kamera: John Seale

Schnitt: Walter Murch

Musik: Gabriel Yared

Produktionsdesign: Stuart Craig

Produzent: Saul Zaentz

Produktion (Firma): Miramax, Tiger Moth Productions

Regie: Anthony Minghella

Biografie

Anthony Minghella wurde 1954 als Sohn italienisch-schottischer Eltern auf der Isle of Wight geboren. Nach seinem Schulabschluss studierte er an der Universität von Hull, wo er daraufhin auch als Dozent arbeitete. 1978 drehte er seinen ersten Kurzfilm, ab 1981 arbeitete er als freier Autor, vor allem von Theaterstücken und Hörspielen. Er war auch als Drehbuchautor tätig, u.a. für Jim Hensons TV-Serie THE STORYTELLER (1988). Mit WIE VERRÜCKT UND AUS TIEFESTEM HERZEN legte Minghella 1990 seinen ersten abendfüllenden Spielfilm vor, für den er auch das Drehbuch schrieb. Er wurde dafür vom Londoner Film Critics Circle zum „Besten Newcomer“ gekürt. Minghellas erfolgreichster Film, DER ENGLISCHE PATIENT (1997), erhielt zwölf Oscar-Nominierungen und wurde neunmal ausgezeichnet, u.a. für den besten Film und die beste Regie. Zwei Jahre später erhielt Minghella eine Oscarnominierung in der Kategorie „Bestes adaptiertes Drehbuch“ für DER TALENTIERTE MR. RIPLEY nach dem Roman von Patricia Highsmith. Auch hier führte er Regie. UNTERWEGS NACH COLD MOUNTAIN (2003) war eine weitere, mit Jude Law, Nicole Kidman und Renée Zellweger hochkarätig besetzte Literaturverfilmung. Zellweger bekam einen Oscar für die beste Nebenrolle. BREAKING AND ENTERING (2006) sollte Minghellas letzter abendfüllender Spielfilm werden. 2008 starb er in einem Londoner Krankenhaus nach einer Krebs-Operation an inneren Blutungen. Er wurde 54 Jahre alt.

Vorstellungen

Sonntag, 30.06.2019, 11:00 Uhr (162 Min.)
Filmmuseum