Spotlight

Lauter Lichtblicke

Das Scheinwerferlicht lässt sich auf alles Mögliche richten, nicht nur auf die schönen, sondern auch melancholischen Momente des Lebens. Matthew Bomer, bekannt aus der Stripperballade MAGIC MIKE und der Serie WHITE COLLAR, steht im Bild oben die Schwermut ins Gesicht geschrieben. In PAPI CHULO spielt er einen heiter bis wolkigen Wettermann in L.A., der nach dem Verlust seines Freundes vor der Fernsehkamera nervlich kollabiert. Sein Leben nimmt jedoch eine positive Wende, als er einen lateinamerikanischen Migranten engagiert, um sein Haus auf Vordermann zu bringen. Eine Buddy-Komödie beginnt und Ernesto, gespielt von Alejandro Patiño, rückt ebenfalls ins Zentrum des Interesses, hat seinen Auftritt im stetig wachen Auge des Kinos.

In der Reihe Spotlight finden sich Stars und Berühmtheiten, laden anspruchsvolle Unterhaltungsfilme zum gespannten, manchmal aber auch völlig entspannten Zuschauen ein. Dabei fällt der Blick der Kamera auch gerne auf die Ränder, auf einen Alltag fern des Glamours, wo Situationen und Menschen warten, die ein wenig Rampenlicht auf jeden Fall verdient haben. Eine Achtklässlerin, die mit ihren Internet-Videos vergeblich die Aufmerksamkeit ihrer Altersgenossen zu erhaschen versucht, hinterlässt einen genauso starken Eindruck wie ein Feuerwehrmann, der bei einem Einsatz schwere Verbrennungen erleidet und zurück ins Leben finden will. Gespielt wird die Online-Bloggerin von Elsie Fisher, die für ihren ersten Filmauftritt gleich mal eine Golden-Globe-Nominierung bekam. Den versehrten Feuerwehrmann gibt Pierre Niney, ein Jung-Star des französischen Kinos, der seine Strahlkraft immer weiter ausbaut.

Ein paar Dokumentarfilme richten in der diesjährigen Spotlight-Reihe noch mal verstärkt ein Augenmerk auf historische Ereignisse und Persönlichkeiten, die bereits im kollektiven Gedächtnis ihren Platz haben. Miles Davis hat den Cool Jazz auf den Weg gebracht, Michael Hutchinson mit seiner Band INXS in den Achtzigern die Charts gestürmt. Wie ihre Persönlichkeiten aufgebaut waren, was mitunter im Schatten lag, kann jetzt im Nachhinein bildstark beleuchtet werden.

Mit dem uruguayischen Präsidenten José Mujica, genannt „El Pepe“, setzt sich Emir Kusturica ganz dokumentarisch und persönlich bei einer Tasse Tee auseinander, während sich Chanya Button in fiktiver Form der wahren Liebesgeschichte von Virginia Woolf und Vita Sackville-West annimmt. Die beiden Schriftstellerinnen mussten sich im London der 1920er gegen die Konventionen ihrer Zeit durchsetzen, während die Schweizerin Enriqueta Faber sich Anfang des 19. Jahrhunderts in Kuba gar als Mann verkleiden musste, um die Liebe ihres Lebens heiraten und der Profession ihrer Wahl, der Chirurgie, nachgehen zu können, wie das Regie-Team Laura Cazador und Fernando Perez vorführen.

Manchmal braucht es gerade bekannte Namen, um solche historischen Geschichten einem breiten Publikum näher zu bringen. Was einst geschah, kann dabei beispielhaft in die Gegenwart wirken. Und was die Beziehungen angeht, sind manche Konflikte sowieso zeitlos: Ricardo Darín und Mercedes Morán, zwei Stars des lateinamerikanischen Kinos, spielen in EL AMOR MENOS PENSADO ein Paar, das nach 25 Jahren ausprobiert, ob sie noch woanders ihr Glück finden. Und der Belgier Philippe „Bouli“ Lanners muss in C’EST ÇA L’AMOUR schauen, wie er sich mit seiner Ex-Frau und den gemeinsamen Kindern eine neue Form von Familienleben zurechtbastelt. Melancholisch kann man da schon manchmal werden, aber im Kino führt der Weg über die Schatten hinweg doch des Öfteren ins Licht.

Michael Stadler

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