CineMerit Award | Ralph Fiennes

Das FILMFEST MÜNCHEN freut sich darauf, dass der britische Schauspieler und Regisseur Ralph Fiennes dieses Jahr am 1. Juli unser Gast sein wird. Er wird mit dem CineMerit Award, dem Ehrenpreis unseres Festivals ausgezeichnet. Außerdem wird er an einem Filmmakers Live!-Gespräch in der Black Box teilnehmen, bei dem Fans und Gäste dem Oscarnominierten selbst Fragen stellen können.

Ob als Lord Voldemort oder als SS-Hauptsturmführer Amon Göth versteht es Ralph Fiennes, pure Bosheit zu personalisieren. Doch er kann auch ein liebevoll-verspielter Concierge in Wes Andersons „Grand Budapest Hotel“ sein. Ralph Fiennes erfindet sich in seinen Schauspielrollen immer wieder aufs Neue, setzt überraschende Akzente und scheut niemals das Risiko. In einem Interview sagte er, dass ein Leben voller Widersprüche ihm als Schauspieler helfen würde, seine Figuren lebendig werden zu lassen. So prägte er Oscar-prämierte Dramen wie SCHINDLERS LISTE, DER EWIGE GÄRTNER oder DER ENGLISCHE PATIENT mit seinen intensiven und einzigartigen Darstellungen – und wurde dafür auch mehrfach mit internationalen Preisen ausgezeichnet. Diese Wandelbarkeit ist es, die Fiennes zu einem herausragenden und vielseitigen Schauspieler macht, der in den letzten Jahren auch die Regie für sich entdeckt hat.

Daher wird das FILMFEST MÜNCHEN alle seine bisherigen Regiearbeiten sowie weitere Werke seines schauspielerischen Schaffens zeigen. Im Rahmen der CineMerit-Preisverleihung präsentiert das Filmfest seinen neuen Film NUREJEW – THE WHITE CROW. Fiennes führte nicht nur Regie, sondern spielte auch die Rolle des berühmten Leningrader Ballettmeisters Alexander Puschkin. Ein intensiver Blick reicht aus und die Aufmerksamkeit ist garantiert. Der Tanzlehrer Puschkin steht im leeren Raum, stoisch ruhig mit zart-bestimmtem Blick. An der Ballettstange warten seine Schüler auf sein Zeichen. Eine kleine Geste, ein prägnantes „Los geht’s“ – und der Ton ist gesetzt. Ebenso zart-bestimmt ist die Handschrift des Regisseurs Ralph Fiennes. Er inszeniert unaufgeregt sorgsam die unglaubliche Geschichte des legendären sowjetischen Ballettstars Rudolf Nurejew, der die Welt 1961 mit seiner Flucht nach Frankreich verblüffte. Gespielt wird Nurejew vom ukrainischen Weltklasse-Balletttänzer Oleg Ivenko.

In seiner ersten Regiearbeit CORIOLANUS übertrug Fiennes sein Verständnis für die Werke Shakespeares auf die Kinoeinwand. Denn bevor er im Film Erfolge feierte, war Fiennes in England längst aus dem Theater bekannt. Mit nur 27 Jahren spielte er wichtige Shakespeare-Rollen im Londoner National Theater und bei der Royal Shakespeare Company. Auch wenn ihn seine Karriere bald zum Film führte, kehrte er doch immer wieder zum Theater zurück, spielte Hamlet, King Lear, Julius Caesar und den Inselmagier Prospero. In CORIOLANUS spielte er selbst den titelgebenden hochmütigen und rachsüchtigen General Caius Martius Coriolanus, der den Unmut des römischen Volks auf sich gezogen hat.

Auch in seiner nächsten Regiearbeit THE INVISIBLE WOMAN spielte Fiennes eine der Hauptrollen, den legendären britischen Autor Charles Dickens, der mit der jungen Schauspielerin Nelly eine verzwickte Liebesgeschichte eingeht. Erneut greift der Regisseur hier auf eine literarische Vorlage zurück, den gleichnamigen Roman von Claire Tomalin. Dickens wirkt in der Beziehung zu Nelly gebieterisch und bestimmend, doch schafft es der Schauspieler Ralph Fiennes, seine Unsicherheit und Zerbrechlichkeit beim Älterwerden in das Spiel miteinfließen zu lassen.

Bestimmt und zart, aufrührerisch und feinsinnig, das ist der Ton der Regiearbeiten von Ralph Fiennes. Wie seine Rollen zeigen seine Filme die Widersprüche des Lebens auf.

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