CineMerit Award | Antonio Banderas

Das FILMFEST MÜNCHEN würdigt in diesem Jahr den spanischen Ausnahme-Schauspieler Antonio Banderas mit einem CineMerit Award. Unlängst als bester Darsteller auf dem Filmfestival in Cannes ausgezeichnet, präsentiert der 58-Jährige seinen neuesten Film LEID UND HERRLICHKEIT (2019) in München. Daneben werden vier Filme, die wichtige Stationen in der Karriere des Künstlers markieren, gezeigt.

Inspiriert von dem Musical HAIR (1974) fasste Banderas schon als Jugendlicher den unumstößlichen Entschluss, Schauspieler zu werden. Fünf Jahre lang genoss er deswegen an der High School of Dramatic Art in Málaga eine breitgefächerte Ausbildung, bevor er nach Madrid aufbrach.

Madrid sollte es Banderas zunächst nicht einfach machen, bis er bei der Aufnahmeprüfung am Teatro Nacional antrat und aufgenommen wurde. Dort lernte er auch seinen Schlüssel zum Film, in der Person von Pedro Almodóvar, kennen. Der damals noch völlig unbekannte Regisseur und der junge Schauspieler entdeckten sofort die gleiche Leidenschaft und Furchtlosigkeit im jeweils anderen. Die Zusammenarbeit für die wilde, vor Sexualität strotzende Komödie LABYRINTH DER LEIDENSCHAFTEN (1982) war geboren und viele weitere gemeinsame Werke sollten folgen.

Mit dem Film DAS GESETZ DER BEGIERDE (1987), der aufgrund seiner vielen Tabubrüche einen kleinen Skandal auslöste und mit dem weltweiten Erfolg FRAUEN AM RANDE DES NERVENZUSAMMENBRUCHS (1988), welcher mit einer Oscar-Nominierung bedachte wurde, etablierten sich in der Folge sowohl Banderas als auch Almodóvar national wie international.

Bevor Banderas jedoch für MAMBO KINGS (1992) nach Hollywood aufbrechen sollte, folgte die zunächst letzte Kollaboration mit seinem spanischen Lieblingsregisseur für FESSLE MICH! (1989). In dem intensiven Liebesdrama spielt er Ricky, der nach seiner Entlassung aus der Psychiatrie den brennenden Wunsch hegt, die Pornodarstellerin Marina zu heiraten. Für die Erfüllung seines Traumes hält er sie – ans Bett gefesselt – in ihrer eigenen Wohnung fest.

Zwischen roher Gewalt und Verwundbarkeit oszillierend, zeichnete Banderas einen vor Liebe wahnsinnigen Mann. Die Fähigkeit, seine Charaktere mit allen ihren Facetten wie auch widersprüchlichen Gedanken und Empfindungen darzustellen, bewies Banderas ebenfalls als rachesuchender Mariachi-Sänger in DESPERADO (1995). Für den wortkargen Antihelden legte er seinen ganzen Ausdruck in das Auftreten des Sängers, der blutige Vergeltung für seine ermordete Geliebte sucht. Mit dem Film zeigte Banderas außerdem, dass er es auch in Amerika verstand die Menschen ins Kino zu locken.

Einer anderen Leidenschaft, nämlich der für die Musik, welche in DESPERADO bereits anklang, konnte Banderas mit dem Musical EVITA (1996) vollkommen nachgehen. Als Arbeiter Che kommentiert er die Entwicklungen um Aufstieg, Ruhm und den frühen Tod Eva Duartes, der vielleicht bekanntesten First Lady Argentiniens. Der große Erfolg des Films festigte Banderas‘ Ruf als Schauspieler, der Kritiker wie Kinogänger in seinen Bann zieht.

Daran konnte er auch mit DIE MASKE DES ZORRO (1998) anknüpfen, in dem er sich erneut als rachesuchender Held in unzählige Abenteuer stürzt. In der Banderas auf dem Leib geschneiderten Rolle, ist er der Verführer, der nicht nur den Witz, sondern auch ein gutes Herz auf seiner Seite weiß.

In seiner weiteren Karriere arbeitete er gerne mit vorherigen Weggefährten zusammen und führte Filmreihen fort. Doch auf einen bestimmten Figurentypus festlegen, ließ er sich nie: Er spielte den mexikanischen Künstler David Alfaro Siqueiros in FRIDA (2002) genauso wie den Maler Pablo Picasso in der TV-Serie GENIUS (2017-) und lieh dem gestiefelten Kater von SHREK 2 (2004) seine Stimme.

Zuletzt kehrte Banderas mit LEID UND HERRLICHKEIT an seine Anfänge als Schauspieler und zu seinem ersten Regisseur Pedro Almodóvar zurück. Als Alter Ego des Filmemachers in der Figur des Regisseurs Salvador Mallo, porträtiert er seinen Freund darin in feinen Nuancen und – wie immer – mit seiner vereinnahmenden Körperlichkeit.

Tatjana Michel

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