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Immer authentisch

Fabio Kühnemuth
Fabio Kühnemuth

Senta Berger erhält den CineMerit Award für ihr vielseitiges Lebenswerk.

Immer authentisch

Bodenständig und selbstbewusst

 

Senta Berger und München verbindet eine langjährige Beziehung, im privaten wie im beruflichen Bereich. Denn auch wenn Berger in Wien geboren wurde, hielt sie sich jahrelang in der bayerischen Landeshauptstadt auf, wohnt heute weiterhin in Grünwald und spielte zudem hier einige ihrer liebenswertesten Figuren. Unvergessen ist ihre Rolle in KIR ROYAL (1985/1986): So nachhaltig wie Helmut Dietls Serie bis heute das Bild der Münchner „Schickeria“ prägt, so souverän verkörpert Senta Berger die weltläufige Mona. Als unerschütterliche Stimme der Vernunft steht sie stets über den extravaganten Eskapaden von „Baby“ Schimmerlos und lässt sich nie aus der Ruhe bringen.

Während Mona sich in KIR ROYAL also elegant und besonnen durch die Münchner High Society manövriert, bahnt sich DIE SCHNELLE GERDI (1989/2002) ihren ganz eigenen Weg durch den Großstadtdschungel.  Berger spielt die resolute, aber jederzeit liebenswerte Taxifahrerin Gerdi voller Verve, Selbstbewusstsein und Humor („Ich fahr‘ nicht schnell, ich fahr‘ zügig!“). Die Straßen der bayerischen Landeshauptstadt sind schließlich auch das Revier der Kriminalrätin Dr. Eva Maria Prohacek, die Berger über viele Jahre in der Kriminalfilmreihe UNTER VERDACHT verkörperte. Darin kämpft sie mutig für Gerechtigkeit und macht sich als interne Ermittlerin nicht nur Freunde. Drei Rollen, drei ganz unterschiedliche Figuren – Senta Berger ist dabei mal glamourös, mal ganz bodenständig, aber immer authentisch.

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Die interne Ermittlerin Eva Maria Prohacek in Unter Verdacht.

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Senta Berger auf dem FILMFEST MÜNCHEN 2015.

Von Wien in die weite Welt

 

Ihre Karriere begann die Österreicherin schon mit 16, als sie das Gymnasium verließ, um am renommierten Max Reinhardt Seminar Schauspiel zu studieren. Doch bereits kurz darauf musste sie die Schauspielschule wieder verlassen, da sie ohne Erlaubnis des Schuldirektors eine Filmrolle in Anatole Litvaks THE JOURNEY (1959) mit Deborah Kerr und Yul Brynner angenommen hatte. Eine Episode, die nicht nur beispielhaft für Bergers Selbstbewusstsein ist, sondern auch der Türöffner für ihre erfolgreiche Zeit in Hollywood war.

Denn nach einigen größeren Rollen in deutschen Erfolgsfilmen und dem Durchbruch mit ES MUSS NICHT IMMER KAVIAR SEIN (1961), zieht es die junge Wienerin in die Ferne, wo sie in Hollywood-Großproduktionen wie SIERRA CHARRIBA (MAJOR DUNDEE, Sam Peckinpah, 1965) oder CAST A GIANT SHADOW (IM SCHATTEN DES GIGANTEN, 1966) mit Kirk Douglas und John Wayne zu sehen war. Zudem spielte sie Hauptrollen in zahlreichen populären italienischen Genrefilmen und verfolgte zugleich ihre Bühnenkarriere weiter. So spielte unter anderem am Wiener Burgtheater und übernahm die Rolle der Buhlschaft im „Jedermann“ bei den Salzburger Festspielen. Keine andere Schauspielerin spielte die Buhlschaft so lange wie sie, von 1974 bis 1982; ihr gegenüber standen dagegen mehrere „Jedermänner“, etwa Curd Jürgens oder Maximilian Schell.

 

Sozial engagiert und vielfach ausgezeichnet

 

Für ihre vielseitige Arbeit wurde Senta Berger mehrfach mit Preisen ausgezeichnet, zum Beispiel 2009 mit dem Deutschen Fernsehpreis in der Kategorie „beste Schauspielerin in einer Hauptrolle“ für den Fernsehfilm SCHLAFLOS, in dem sie als zu Unrecht inhaftierte Schauspielerin Carla Sagmeister ihre Unschuld beweisen muss. Einen unerschütterlichen Sinn für Gerechtigkeit beweist auch die Figur der Rita Böhm in FRAU BÖHM SAGT NEIN – für ihre darstellerische Leistung darin erhielt Senta Berger den Grimme-Preis sowie den Bayerischen Fernsehpreis. Im Jahr 2003 war sie Gründungsmitglied der Deutschen Filmakademie und von 2003 bis 2010 an der Seite von Günter Rohrbach deren erste Präsidentin. Darüber hinaus ist Berger immer wieder auch als Synchronsprecherin erfolgreich und lieh etwa Catherine Deneuve in François Ozons 8 FRAUEN (2002) ihre markante Stimme. Zuletzt war sie in dem Film AN SEINER SEITE mit Peter Simonischek zu sehen. Ihr nächstes Werk, OSKARS KLEID in der Regie von Hüseyin Tabak, soll 2022 in die Kinos kommen.

Neben der Arbeit im Film- und Theatergeschäft engagiert sich Senta Berger seit jeher auch für soziale und politische Zwecke. Bereits 1971 beteiligte sie sich an der Stern-Aktion „Wir haben abgetrieben!“ und setzte so ein starkes Zeichen für weibliche Selbstbestimmung. Außerdem setzt sie sich als Botschafterin sowohl für den Tierschutz als auch für den Kampf gegen Leukämie ein.

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Privat und Beruflich ein tolles Team: Senta Berger und ihr Mann Michael Verhoeven.

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Senta Berger zusammen mit ihrem Sohn Simon Verhoeven.

 

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Senta Berger und ihr Film-Ehemann Heiner Lauterbach in Willkommen bei den Hartmanns.

Familiengeschichten

 

Eine weitere Konstante in der Laufbahn Senta Bergers ist ihre langjährige künstlerische Partnerschaft mit ihrem Ehemann, dem Regisseur Michael Verhoeven. Kennengelernt hatten sich die beiden am Filmset, beim Dreh von JACK UND JENNY (1963), in dem sie beide mitspielten. Gemeinsam gründeten sie die bis heute tätige Produktionsfirma „Sentana“; kurz darauf stand Berger erstmals in einem Film ihres Mannes (WER IM GLASHAUS LIEBT/DER GRABEN) vor der Kamera und fungierte zudem als Produzentin.

Die Leidenschaft für den Film übertrug sich auf die nachfolgende Generation: Ihre zwei Söhne, Simon (*1972) und Luca (*1979) Verhoeven, sind inzwischen beide selbst erfolgreiche Regisseure und anderweitig im Filmgeschäft unterwegs. Simon führte auch bei WILLKOMMEN BEI DEN HARTMANNS Regie. Er schrieb außerdem das Drehbuch zum Film und besetzte seine eigene Mutter als Mutter der titelgebenden Film-Familie. Senta Berger ist die treibende Kraft dieser Komödie über eine Münchner Wohlstandsfamilie, die einen Geflüchteten bei sich aufnimmt. WILLKOMMEN BEI DEN HARTMANNS wurde mit über vier Millionen Kinobesuchern zum erfolgreichsten deutschen Film des Jahres 2016 und wird auf persönlichen Wunsch und in Anwesenheit Senta Bergers im Anschluss an die CineMerit-Preisverleihung gezeigt.

 

Das FILMFEST MÜNCHEN ehrt damit eine der renommiertesten Schauspielerinnen des deutschsprachigen Films mit dem CineMerit Award für ihre Verdienste um die Filmkunst.

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