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Finstere Gräben

Maike Müller
Maike Müller

Die deutsche Geschichte im Fokus: Fünf Filme im Programm des FILMFEST MÜNCHEN untersuchen auf verschiedene Art die Vergangenheit des Landes und in „Filmmakers Live!“-Talks gehen die Filmemacher:innen in den Dialog mit dem Publikum.

Finstere Gräben

Experimentell, emotional und ganz individuell: Die filmische Erkundung der Geschichte Deutschlands kann ganz unterschiedlich ausfallen. So auch in fünf spannenden Filmen im Programm des 38. FILMFEST MÜNCHEN, die jeweils ganz neue Blickwinkel aufzeigen.

SCHATTENSTUNDE, für den Regisseur Benjamin Martins gerade mit dem Nachwuchspreis First Steps Award ausgezeichnet wurde, betrachtet ein individuelles Schicksal, in kleiner Kammer. Der christliche Schriftsteller und Dichter Jochen Klepper, seine jüdischen Frau Johanna und seine ebenfalls jüdische Stieftochter Renate haben eine unerhörte Entscheidung getroffen. Die Zuschauer:innen bekommen die Beklemmung, die Ausweglosigkeit ihrer Situation zu spüren, denn während in ihrer kleinen Wohnung die Wände näher rücken, wird auch der Bildausschnitt auf der Leinwand immer kleiner. Im „Filmmakers Live!“ spricht Martins über seinen erschütternden Film und die ästhetische Vision dahinter.

 

Mit dem Mauerbau geht es chronologisch bei 3 1/2 STUNDEN von Regisseur Ed Herzog weiter. Darin erfahren Zugpassagiere auf der Fahrt von München nach Ost-Berlin von der endgültigen Abriegelung der Grenzen. Von diesem Moment an haben sie noch 3,5 Stunden Zeit, sich für oder gegen einen Ausstieg vor der Ankunft in der DDR zu entscheiden. Diese Entscheidungsfreiheit hat Schriftsteller Thomas Brasch in LIEBER THOMAS nicht. Er wird in der DDR geboren, als die Mauer gebaut wurde, war er noch jung. Dennoch kommt er weder mit der physischen Mauer, noch mit der in den Köpfen vieler klar und möchte fliehen. Im „Filmmakers Live!“ blicken Regisseur Andreas Kleinert und Drehbuchautor Thomas Wendrich noch einmal auf dieses Künstlerleben zwischen Exzess und Revolte zurück.

 

Nahschuss Online 02

NAHSCHUSS

Lieber Thomas Online 05

LIEBER THOMAS

Dreieinhalbstunden Online 04

3 1/2 Stunden

 

Raus aus diesem System will auch Franz Walter in NAHSCHUSS von Regisseurin Franziska Stünkel. Lars Eidinger spielt den DDR-Karrieristen eindrücklich und auch wenn der zu Beginn die Bequemlichkeiten, die ihm die Arbeit bei der Stasi einbringen, genießt, beginnen Skrupel ihn innerlich aufzufressen. DAS MÄDCHEN MIT DEN GOLDENEN HÄNDEN hat die physische Mauer indes schon überwunden; der Film von Regisseurin Katharina Marie Schubert spielt im Jahr 1999. Doch die Mauer in den Köpfen steht noch und treibt selbst zwischen eine Mutter und ihre Tochter einen Keil. Den gemeinsamen Ausblick auf Gegenwart und Zukunft versuchen die Regisseurinnen von NAHSCHUSS und DAS MÄDCHEN MIT DEN GOLDENEN Händen im „Filmmakers Live!“ in München. Die Frage ist: „Wer sind wir, wer wollen wir sein?“.

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