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DER LAUF DER DINGE

Michael Stadler
Michael Stadler

Die Filme der diesjährigen Reihe Neues Deutsches Fernsehen

DER LAUF DER DINGE

Auch in diesem Jahr werden In der Reihe Neues Deutsches Fernsehen zukünftige TV-Highlights als Weltpremiere auf der großen Leinwand in Anwesenheit der Filmemacher:innen gezeigt. Der von der VFF gestiftete Bernd Burgemeister Fernsehpreis wird dabei zum ersten Mal zweifach vergeben: dotiert mit jeweils 25.000 Euro, werden mit ihm erneut der beste Spielfilm ausgezeichnet als auch die beste Serie oder der beste Mehrteiler im Programm (siehe Blog: „Von Träumen und Stürmen“).

Juliane Hansen (Anna Schudt) steckt in ihrer Trauer fest. Vor einem Jahr starb ihr Partner Johann (Maximilian Brückner), danach ging ihr eigener Lebensantrieb verloren. Stillstand. Bis sie eines Tages ihre Sportschuhe anzieht und wieder regelmäßig läuft, was auch innere Bewegungen auslöst. Rainer Kaufmanns Fernsehfilm LAUFEN erzählt davon, wie Juliane allmählich wieder auf die Beine kommt, unterstützt von ihrer Freundin Rieke (Katharina Wackernagel). Ebenfalls eng verbunden, schon seit der Kindheit, sind Paula und Jojo (Caro Cult und Nina Gummich) in FÜR JOJO von Regisseurin Barbara Ott. Als Jojo den Mann fürs Leben kennenlernt und heiraten will, befürchtet Paula jedoch, dass die innige Freundschaft auseinanderbrechen könnte und will das verzweifelt verhindern.

Man möchte nun mal nicht einsam sein, sollte aber den anderen auch ihre Freiheit lassen, sonst wirkt das anhänglich. In Dominik Grafs neuem Werk GESICHT DER ERINNERUNG hängt Christina (Verena Altenberg) einer alten Liebe nach, Jacob (Florian Stetter) starb einst bei einem Autounfall. In Patrick (Alessandro Schuster) entdeckt Christina Züge von Jacob wieder und verliebt sich aufs Neue, aber die Vermischung von frisch erlebter und erinnerter Beziehung erweist sich als problematisch.

Was geschehen ist, bekommt man leider nicht so leicht aus dem Kopf. Wobei Maja (Nina Gummich) in SO LAUT DU KANNST von Esther Bialas am liebsten verdrängen möchte, dass sie vergewaltigt wurde. Ihre Freundin Kim (Friederike Becht) lässt jedoch nicht locker und ermittelt in den Kreisen eines eingeschworenen Männerclubs. Von „toxischer Männlichkeit“ kann auch in DER SPALTER von Susanna Salonen die Rede sein. Ein Chef (Axel Stein) lädt sich da selbst zu der Grillparty eines Untergebenen ein und provoziert gleich zwei Paare mit seinen Ansichten, nicht ohne am Ende selbst Blessuren davonzutragen.

Ein Ort, wo man sich eigentlich medizinische Betreuung und Heilung erhofft, wird gleich in zwei Fernsehfilmen zum Schauplatz beängstigender Verbrechen. In DAS LICHT IN EINEM DUNKLEN HAUS von Lars-Gunnar Lotz stirbt eine Komapatientin in einem Hamburger Krankenhaus, weil jemand die lebenserhaltenden Maschinen bei ihr abstellt – was den Ermittler Johannes Fischer (Henry Hübchen) und sein Team in Aktion setzt. In DAS WEISSE SCHWEIGEN merkt eine Krankenpflegerin (Julia Jentsch), dass ihr Kollege willkürlich über Leben und Tod von Patient:innen entscheidet. Der von Esther Gronenborn inszenierte Thriller basiert auf dem realen Fall des serienmordenden „Todespflegers“.

Ausgehend von dem Flugschau-Unglück, das 1988 auf dem US-Militärstützpunkt Ramstein passierte, erzählt Kai Wessel in RAMSTEIN – DAS DURCHSTOSSENE HERZ aus der Opferperspektive von Trauer- und Traumabewältigung und lässt ein Ermittler-Duo die Hintergründe der Katastrophe erforschen. Auch hier lässt sich zwar nichts rückgängig machen, aber mancher Stillstand aufbrechen. Was schiefgelaufen ist, kommt endlich ans Licht. Und das Leben hoffentlich wieder in die Gänge.

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