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Donnerstag, 04.07.2019

Und jetzt alle zusammen!

Musik-Filme auf dem FILMFEST MÜNCHEN

Aus der Provinz an die Chartsspitze: FISHERMEN'S FRIENDS

Dass Musik uns zusammenbringen kann, ist eine der schönen Erfahrungen, die wir im Alltag machen. Gemeinsam auf Konzerte zu gehen, die Lieblingsband zu sehen oder musikalische Entdeckungen mit Freunden zu teilen, das verbindet und schafft Momente, an die wir uns später noch sehr gerne erinnern. Musikalisch geht es dann auch in einer ganzen Reihe von Titeln zu, die dieses Jahr auf dem FILMFEST MÜNCHEN zu sehen sind und in denen oft eine Gemeinschaft im Mittelpunkt steht.

Gleich drei Filme handeln beispielsweise von Chören, die sich mal mehr, mal weniger zufällig bilden und so zu einer echten identitätsstiftenden Einheit werden. Der bekannteste der drei Chöre sind sicherlich die FISHERMEN’S FRIENDS. Basierend auf der wahren Geschichte eines Fischerchors lernen wir hier ein paar gestandene Männer kennen, die eigentlich nur für sich selbst in dem kleinen englischen Dorf alte Seemannslieder sangen, damit aber zu einer echten Sensation wurden – Top-10-Album inklusive.

Bei der dänischen Tragikomödie OUT OF TUNE kommen die Herren gezwungenermaßen zusammen, die Auswahl an Freizeitaktivitäten im Knast ist nun einmal überschaubar. Da trällert man schon mal Lieder, während gleichzeitig die Messer gewetzt werden, schließlich will jeder die Führung übernehmen. Vor allem Jet-Setter Markus Føn, ein ehemaliger Unternehmer, der jetzt wegen Finanzbetrugs hinter Gittern sitzt, sich aber nichts von anderen sagen lassen will.

OUT OF TUNE, DER CLUB DER SINGENDEN METZGER und LEIF IN CONCERT

Während die beiden obigen Chor-Filme mit viel Humor zur Sache gehen, ist der deutsche Zweiteiler DER CLUB DER SINGENDEN METZGER trotz des kuriosen Titels eine sehr ernste Angelegenheit. Die Romanadaption erzählt von traumatisierten Verlierern des Ersten Weltkriegs, die in die USA auswandern, um dort auf ein besseres Leben zu hoffen. Doch auch in der Ferne braucht es ein bisschen Heimat: „German sausages“ und deutsches Liedgut, welches ein Hobby-Gesangsverein zum Besten gibt, um etwas Gemeinschaft weit weg von zu Hause zu empfinden.

Gemeinschaft gibt es natürlich auch in der Heimat. Siehe LEIF IN CONCERT: In dem teilimprovisierten Film verbringen wir einen launigen Abend in einer Jazz-Blues-Bar, treffen kuriose Stammgäste, plaudern mit Freunden und Bekannten. Und wer weiß, vielleicht schaut ja auch Leif noch vorbei, der dänische Musiker, auf dessen Konzert alle warten. Und während einer solchen Wartezeit kommt man schon einmal mit Leuten ins Gespräch, denen man  sonst wohl nie begegnen würde.

Musik als verbindendes Mittel hat auch in CRESCENDO #MAKEMUSICNOTWAR eine große Bedeutung. Darin ist es ein Orchester junger Palästinenser und Israelis, die mit ihren Auftritten während schwieriger Friedensverhandlungen ein starkes Zeichen für Aussöhnung setzen. In Zeiten der Ausgrenzung und schwelender Konflikte macht das deutsche Drama Mut, aufeinander zuzugehen und gemeinsam eine bessere Zukunft zu schaffen.

Einen Blick in die Vergangenheit gewähren hingegen zwei Dokumentarfilme über absolute Musikgrößen. In WER 4 SIND erzählen Die Fantastischen Vier anlässlich ihres 30-jährigen Bestehens von den Herausforderungen und Triumphen ihrer Karriere, die so bald wohl kein Ende nehmen wird. MYSTIFY: MICHAEL HUTCHENCE erinnert hingegen an einen Ausnahmesänger, der viel zu früh von uns gegangen ist. Als Aushängeschild der australischen Rocker von INXS schrieb er in den 1980ern und 90ern Musikgeschichte. Doch das ständige Leben im Rampenlicht forderte einen hohen Preis.

WU-TANG CLAN: OF MICS AN MEN, MYSTIFY: MICHAEL HUTCHENCE und MAKING WAVES: THE ART OF CINEMATIC SOUNDS


Wer noch mehr Musikgeschichte hören (und sehen) will: Hip-Hop-Fans dürfen sich auf die Serie WU-TANG CLAN: OF MICS AN MEN freuen, deren ersten beiden Folgen auf dem FILMFEST MÜNCHEN 2019 laufen. Die acht Rap-Mönche lassen nicht nur ihre lange Laufbahn Revue passieren, sondern demonstrieren, dass sie als Wortakrobaten nichts von ihrer messerscharfen Kunst verlernt haben – ein heißer Tipp selbst für Zuschauer*innen, die noch keine Berührungspunkte mit der Kultband hatten.

So wichtig Musik in Filmen auch ist, die Tongestaltung umfasst noch deutlich mehr. Das führt Midge Costin, die als ausgebildeter Sound Editor an diversen Hollywood-Filmen mitwirkte, vor Augen. Oder besser: vor Ohren. Ihr Dokumentarfilm MAKING WAVES: THE ART OF CINEMATIC SOUNDS nimmt uns mit auf einen Streifzug durch die Geschichte des Films, verrät die Tipps und Tricks am Mischpult und lässt zahlreiche Regie- und Soundgrößen zu Wort kommen. Unter anderem verraten George Lucas, Steven Spielberg und David Lynch, wie wichtig Geräusche und Soundeffekte in ihren Filmen waren, auch wenn kaum einer es gemerkt hat – bis jetzt.