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Montag, 06.04.2020

Kurzinterview mit Diana Iljine

2020 wird das FILMFEST MÜNCHEN leider nicht stattfinden. Diana Iljine antwortet auf vier zentrale Fragen zum Entscheidungsprozess.

Kurzinterview mit Diana Iljine


Warum kann man nicht noch einige Wochen abwarten, wie sich die Lage entwickelt und dann erst entscheiden?

Diana Iljine: „Ein Festival ist ja auf die Zusage von Filmen und Gästen angewiesen. Niemand kann aber zurzeit entscheiden, ob er Ende Juni eine Reise antreten kann. Und da der Festivalmotor normalerweise im April schon auf Hochtouren laufen muss, um mit einem doch relativ kleinen Team ein solches Event zu organisieren, ist das leider keine Option. Es ist zeitlich nicht zu schaffen ein Festival wie das FILMFEST MÜNCHEN in seiner Breite und so, wie das Publikum dieses Festival liebt, auf die Beine zu stellen, wenn z.B. erst im Mai Klarheit herrschen würde.“

Warum wird das FILMFEST MÜNCHEN nicht in den Herbst verschoben?

Diana Iljine: „Das war natürlich ein Szenario, das wir intensiv durchgespielt haben. Aber der Festivalkalender ist ja nicht leer im Herbst. Wir haben Festivals in Locarno, Venedig und Toronto, mit denen eine Überschneidung auf keinen Fall sinnvoll wäre. Außerdem wird es möglicherweise noch weitere Nachholtermine geben, man würde den Festivalkalender nachhaltig durcheinanderbringen. Auch unseren eigenen im Übrigen, denn im November wollen wir die 40. Jubiläumsedition unseres FILMSCHOOLFEST MUNICH feiern. Und auch logistisch wäre das im Hinblick auf unser Team und unsere Partner nur mit immensem, auch finanziellem Zusatzaufwand möglich. Und es bliebe trotzdem unsicher, ob wir stattfinden könnten. Auch das ist zurzeit nicht der richtige Weg.“

Warum findet das FILMFEST MÜNCHEN nicht als Online-Festival statt?

Diana Iljine: „Das klingt zunächst in der Tat sehr verlockend. Machen wir es doch einfach digital. Das ist modern. Aber leider ist dieser Schritt speziell für das FILMFEST MÜNCHEN nicht so einfach umzusetzen, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Das fängt an bei den Rechten für das Streaming von Filmen, die zum Teil ihre Welturaufführung auf dem Festival haben sollten. Und es berührt auch die Frage, was das denn auch langfristig für die Kinos bedeuten würde. Und darüber hinaus wäre es auch technisch eine große Herausforderung eine gute Verknüpfung zwischen VoD und Livestreaming beispielsweise von Filmgesprächen mit Regisseur*innen zu erreichen, das Ganze dann auch noch mit funktionierendem Rückkanal bei Bandbreiten, die aufgrund der hohen Nutzung derzeit eher schrumpfen. Da müsste man sehr viel Geld für eine vergleichsweise kleine Lösung ausgeben, denn es ist ja niemandem geholfen, wenn einfach nur irgendetwas gestreamt wird. Wir sind ein Festival der realen Begegnungen für die Branche und das Publikum."

Was heißt die Absage für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des FILMFEST MÜNCHEN?

Diana Iljine: „Wir sind uns unserer Verantwortung für das gesamte Team da sehr bewusst. Aber, so ehrlich muss man sein, es wird nicht ohne Einschnitte gehen. Aber wir haben darauf hingewirkt, dass wir Lösungen finden können, um soziale Härten zu vermeiden und von unseren Gesellschaftern dafür positive Signale erhalten. Dafür sind wir sehr dankbar. Trotz der Absage wollen und können wir positiv in die Zukunft blicken, denn wir haben nicht vor, jetzt einfach untätig zu sein, ganz im Gegenteil! Wir haben für die Zukunft noch viel vor mit dem FILMFEST MÜNCHEN und genau daran werden wir jetzt als Team arbeiten. 2021 wird das FILMFEST MÜNCHEN wieder all das bieten, für das die Leute es lieben – und so viel wage ich zu versprechen: nicht nur das Bekannte, sondern mehr und Neues."