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DIE GUTEN ALTEN ZEITEN

Michael Stadler
Michael Stadler

Das FILMFEST MÜNCHEN weckt auch in diesem Jahr wieder bittersüße Nostalgie: zum Beispiel mit drei Filmen, die uns in die 70er- und 80er-Jahre entführen und einige wichtige Fragen klären!

DIE GUTEN ALTEN ZEITEN

Frage 1: Wie zeigte man in den Achtziger-Jahren dem anderen seine Zuneigung?

Wer sich an die Achtziger kaum erinnern kann (oder da noch gar nicht geboren war) und vom Flirten fern von Dating-Apps keine Ahnung hat, findet in DIE MAGNETISCHEN eine Antwort auf diese Frage.

Vincent Maël Cardona nimmt uns in seinem ersten Spielfilm in die frühen 1980er mit und erzählt von zwei Brüdern, die ihr Leben in der französischen Provinz dadurch aufpeppen, dass sie einen Piraten-Radiosender betreiben. Moderator der Shows ist der draufgängerische Jerôme (Joseph Olivennes), sein zurückhaltender Bruder Philippe (Thimotée Robart) drückt die Knöpfe im Hintergrund. Beide verlieben sich in die alleinerziehende Mutter Marianne (Marie Colomb). Vom stürmischen Jerôme lässt sie sich sofort einnehmen, sie werden ein Paar. Philippe hingegen kommt zunächst nicht über seine Schüchternheit hinaus, beeindruckt Marianne aber mit seinen Bastel-Skills an den Tonbandgeräten.

Philippe liebt Marianne. Aber sie auch ihn? Als er zum Militärdienst nach West-Berlin eingezogen wird, scheint die Frage hinfällig zu werden. Kurz bevor er abreist, steht Marianne früh am Morgen jedoch vor seiner Haustür und hat ein paar Kassetten dabei. Selbstgemachte Mix-Tapes. Mit der neuesten Musik aus Berlin, mit Songs von Nina Hagen und der New-Wave-Frauenband Malaria. „Ça, c’est super. Moi, j’adore“, betont Marianne und übergibt Philippe die Kassetten. Braucht es sonst noch Worte?

 

Die Magnetischen Online3

 

 

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Frage 2: Wie machte eine deutsche Frau in den 1970ern ihren italienischen Lover eifersüchtig?

Die Antwort auf diese Frage findet sich in Klaus Lemkes neuem Werk CHAMPAGNER FÜR DIE AUGEN – GIFT FÜR DEN REST. Lemke schaut in diesem Dokumentarfilm auf die späten Sechziger und die Siebziger Jahre zurück, erzählt launige Anekdoten aus der Zeit und lässt sein Schaffen ausgiebig Revue passieren. Auch aus seiner Liebeskomödie AMORE von 1978 zeigt Münchens großer Kino-Desperado Ausschnitte: Cleo Kretschmer spielt Maria, Tochter eines verwitweten Gemüsehändlers in Haidhausen. Als ihre Freundin Bärbel wegen des italienischen Frauenhelds Pietro (Pietro Giardini) Liebeskummer hat, bandelt Maria mit Pietro an, um ihm wiederum als Bärbels Racheengel das Herz zu brechen.

Marias Freund, der Bundeswehrsoldat Franz (Wolfgang Fierek), sieht es natürlich nicht gerne, dass sie offenbar fremdgeht. Trotzdem kann er von ihr nicht lassen. Dabei benutzt sie ihn, um Pietro in die Eifersucht zu treiben. Und zwar wie? Franz soll ihr Knutschflecken am Hals machen. Mit welcher Ungelenkigkeit sie diese Intrige in die Tat umsetzen („Jetzt stell dir halt mal vor, du wärst ein Vampir!“), wie Kretschmer und Fierek diese Szene spielen, ist allein schon das Ticket für Lemkes Rückschau wert.

 

Frage 3: Was haben die Minions und die Supernasen gemeinsam?

Herzlich wenig. Thomas Gottschalk und Mike Krüger haben, ja, große Nasen. Die Minions haben keine Nasen, also keine sichtbaren, dafür gelbe Haut, wenig Hirn und manchmal nur ein Auge. In ihrem neuen Abenteuer MINIONS – AUF DIE SUCHE NACH DEM SUPERBOSS tummeln sich die quirligen Mini-Helfer gemeinsam mit ihrem noch kleinen Chef Gru in den 1970ern, nähern sich also der fulminanten Ära von Mike und Tommy – der erste Supernasen-Film kam 1983 in die Kinos – trippelnden Schritts an.

An die Party-Lässigkeit des großen Blonden und seines Nippel-durch-die-Lasche-Kumpel kommen die Minions durchaus ran. Zudem gibt es riesige Afro-Frisuren, Easy-Rider-Anleihen, eine Verfolgungsjagd auf den Straßen von San Francisco, irre blühende Flower-Power. Und eine fiese Gang, die den Minions ihren Gru wegstiehlt. Im toll animierten Action-Chaos taucht aber vor allem ein Schurke immer wieder auf. „Wilder Knöchelknacker“ nennt er sich und wird in der deutschen Fassung gesprochen von: Thomas Gottschalk. Supernase trifft Kein(gelb)nasen! Das müssen Sie gesehen und gehört haben.

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Hier sind die Termine zu den Filmen: DIE MAGNETISCHEN erleben am morgigen Montag um 18 Uhr im Filmtheater Sendlinger Tor ihre Deutschlandpremiere. Es folgen zwei weitere Vorführungen am Dienstag um 21:30 Uhr im HFF Kino 1 und am Mittwoch, 14:30 Uhr, im City 1. Bei den ersten beiden Terminen sind die Hauptdarsteller:innen, Thimotée Robart und Marie Colomb, anwesend und stehen nach dem Film dem Publikum Rede und Antwort.

Klaus Lemke wird höchstpersönlich seinen Dokumentarfilm CHAMPAGNER FÜR DIE AUGEN – GIFT FÜR DEN REST noch zweimal vorstellen: am Dienstag um 21 Uhr im Sugar Mountain und am Samstag, 21 Uhr, im Astor Arri Kino. Und das neue Abenteuer der Minions hat bereits heute um 17:15 Uhr im Astor Kino und um 21:30 Uhr im Kino, Mond & Sterne seine deutsche Premiere, in Anwesenheit von Thomas Gottschalk und Oliver Rohrbeck (Moderation: Tobias „Checker Tobi“ Krell). Am Montag kann man MINIONS – AUF DER SUCHE NACH DEM MINI-BOSS dann noch mal um 16 Uhr im Rio 1 genießen.

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