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IN A GALAXY NOT THAT FAR AWAY ...

Sedat Aslan
Sedat Aslan

Science-Fiction- und Fantasy-Elemente finden sich in einigen Werken des diesjährigen Filmfest-Programms. Es stehen dabei allerdings keine Raumschiffe oder Superhelden im Vordergrund, sondern Klone, Cyborgs und mediale Parallelwelten, die die Filmemacher:innen in alltäglich scheinende Szenarien integrieren.

IN A GALAXY NOT THAT FAR AWAY ...

Nachdem sie eine tödliche Diagnose erhalten hat, lässt Sara sich klonen, um ihre Familie vor dem schmerzvollen Verlust zu bewahren. Sie schult ihren Klon, genauso zu fühlen und zu reagieren wie sie selbst. Als sie wie durch ein Wunder wieder gesundwird, scheitern ihre Versuche, ihren Klon außer Betrieb zu setzen, was zu einem gerichtlich angeordneten Duell auf Leben und Tod führt – nur eine darf überleben.

Die wahnwitzigen Wendungen in Riley Stearns' DUAL zeigen, was die Science-Fiction- und Fantasy-Auswahl des diesjährigen FILMFEST MÜNCHEN zu bieten hat: ein futuristisch anmutendes Szenario, das unweit unserer heutigen Welt zu spielen scheint und in der die Regisseur:innen gekonnt den Ton zwischen Action, Witz und Realitätsbezug halten.

Brian And Charles Online

Brian and charles

BRIAN AND CHARLES von Jim Archer steht dem in nichts nach. Diese herrlich ungewöhnliche Buddy-Komödie ist in der britischen Provinz angesiedelt: Nach einem besonders harten Winter fällt Brian in eine tiefe Depression – völlig vereinsamt, mit niemandem, mit dem er sich austauschen kann. Er tut das, was jeder vernünftige Mensch in einer solch melancholischen Situation machen würde: Er baut sich einen Roboter.

The Ordinaries Online4

The ordinaries

Ebenso aberwitzig gibt Sophie Linnenbaum in ihrem ersten Langfilm THE ORDINARIES eine Kostprobe ihres großen Talents: In einer Welt, die in Haupt- und Nebenfiguren unterteilt ist, werden Figuren mit Filmfehlern ausgegrenzt. Paula hat sich von der einfachen Nebenfigur hochgearbeitet und steht kurz vor der Prüfung zur Hauptfigur, da gelangt sie unvermittelt in die Abgründe der filmischen Welt, zu den geächteten Filmfehlern, die keinen Platz in der Geschichte haben. Mit den Mitteln der Satire werden hier althergebrachte Ordnungen und Hierarchien, nicht nur in der Filmwelt, entlarvt, und jede Nebenfigur steht hier auch für ein uneingelöstes (Diversitäts-)Versprechen.

QUANTUM COWBOYS von Geoff Marslett ist ein kreativer Stilmix, der einen (teilanimierten) Western mit Sci-Fi-Elementen anreichert und zwei herumvagabundierende Cowboys dabei begleitet, wie sie quer durch die Zeiten und Dimensionen reisen – auf der Suche nach dem Liedermacher Blacky, begleitet von der toughen Linde. Der Film ist visuell außergewöhnlich und inspiriert wie jeder gute Sci-Fi-Film dazu, über die physischen Grenzen unseres Universums und unseren Platz darin nachzudenken.

Als exemplarischer Film unseres Specials zu Body Horror sei auf Claire Denis' Kultfilm TROUBLE EVERY DAY hingewiesen, der dieses Frühjahr nach über 20 Jahren erstmals in den deutschen Kinos zu sehen war, und den auch wir in der neu restaurierten Fassung in 4K zeigen. Fast wie auf Drogen schlafwandeln Vincent Gallo und Béatrice Dalle in dieser Vampirromanze durch ein Paris, das seinem realen Pendant zwar frappierend ähnelt, aber doch einer Paralleldimension entsprungen zu sein scheint. Beide Figuren wollen hier ihrer Animalität endlich freien Lauf lassen. Wie jeder gute Film des Genres spiegelt TROUBLE EVERY DAY in weltentrückt scheinender Verfremdung auf doppelbödige Art unser Hier und Jetzt und lässt uns nachdenken, ob es nicht doch eigentlich wir sind, die in einer fremden Dimension leben.

TED Online1

Trouble every day

Am Dienstag, den 28. Juni können Sie Sophie Linnenbaum (Regisseurin von THE ORDINARIES) in einem FILMMAKERS LIVE! zum Thema „Alltag/Utopie“ hören und sehen (gemeinsam mit Oliver Grüttner, Regisseur von PERFORMER, 18:00–19:00 Uhr im Amerikahaus, Karolinensaal). Am selben Tag findet von 18:30–19:15 Uhr das FILMMAKERS LIVE! „New Voices in Cinema: Science Fiction“ mit Jim Archer (Regisseur von BRIAN AND CHARLES), David Earl (Hauptdarsteller und Co-Autor von BRIAN AND CHARLES) und Riley Stearns (Regisseur von DUAL) im Amerikahaus, Theatersaal statt.

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