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All Eyes on Queers

Sophia Merwald
Sophia Merwald

Radikal, furchtlos und entschlossen – dieses Jahr zeigen wir euch eine erlesene Auswahl an Filmen des „Newest“ Queer Cinema. Sie hinterfragen hegemoniale Inszenierungen von queerer Sexualität und rufen auf zur selbstbestimmten Gegendarstellung.

All Eyes on Queers

Sie tragen rote Kleider, versuchen, ihre Identität zwischen Kulturen zu finden oder sehnen sich nach einer queeren Community, in der sie sich nicht behaupten müssen, sondern einfach ankommen dürfen.

Die Frage nach Gemeinschaft wirft auch unser Eröffnungsfilm des 40. FILMFEST MÜNCHEN auf. THE PERSIAN VERSION ist eine Mischung aus Culture-Clash-Komödie und Familiendrama. Als Teil einer iranisch-amerikanischen Familie ist die queere Leila Gegensätze gewohnt. Völlig unerwartet ist für sie jedoch, dass ihre Mutter auch einmal eine junge Frau mit eigenen Träumen und Traumata war.

In dem FILMMAKERS LIVE! CELEBRATING DIFFERENCES spricht die amerikanisch-iranische Regisseurin Maryam Keshavarz mit ihren beiden Hauptdarstellerinnen Layla Mohammadi und Niousha Noor über die kulturellen und sexuellen Differenzen, die sie in ihrer filmischen Mutter-Tochter-Beziehung erleben. Die in Sundance mit dem Publikumspreis ausgezeichnete Tragikomödie ist dabei eine generationenübergreifende Entdeckungsreise, die selbstbewusst über Grenzen hinwegtanzt und an unerwarteten Orten Versöhnliches findet.  

The Persian Version Online1

The persian version

Filmische Grenzsprenger sind solche, die ihren eigenen Schwellenbereich ausloten und sich mit ihren Abgründen anfreunden. Was aber, wenn manche Grenzen zwar spürbar, aber kaum zu stürzen sind? Das diskutieren in dem FILMMAKERS LIVE! (DE-)CONSTRUCTING MASCULINITIES die Regisseur:innen Dionne Edwards und Elegance Bratton mit ihren Produzent:innen Chester Algernal Gordon und Georgia Goggin. Sie reden über ihre mal tragische, mal komische Auseinandersetzung mit Männlichkeitsinszenierungen und fragen sich: Wer bestimmt eigentlich, was männlich ist? Und wie lassen sich Männlichkeitsbilder in unserer Gesellschaft und auf der Leinwand (de-)konstruieren?

Die Filme der beiden Regisseur:innen sprechen für sich. Dionne Edwards erzählt in PRETTY RED DRESS von einem ehemaligen Gefängnisinsassen und Bad Boy, der sich durch das Tragen eines roten Kleides ganz neu entdeckt. Und damit auch seine Familie mit der Frage konfrontiert, welche unausgesprochenen Wahrheiten und Wünsche in ihnen schlummern. PRETTY RED DRESS zerrt liebevoll wie musikalisch an den Schubladen im Kopf – von Queerness bis Black Masculinity. Regisseurin und Drehbuchautorin Dionne Edwards ist bekannt für ihre einfühlsamen Analysen zwischenmenschlicher Beziehungen und der inneren Konflikte ihrer Figuren.

In THE INSPECTION widmet sich Elegance Bratton der von der eigenen Biografie inspirierten Geschichte eines queeren Rekruten des US Marine Corps. Der sensible Protagonist Ellis sieht sich mit einem durch und durch homophoben Umfeld konfrontiert und muss den riskanten Balanceakt zwischen Unterordnung und Rebellion wagen. Als Mitglied der LGBTQ+-Community fängt Bratton in seinen Arbeiten unerzählte Geschichten ein, um die universelle Kraft von Menschlichkeit zu zeigen.

The Inspection Online2

the inspection

Rotting In The Sun Online

rotting in the sun

ROTTING IN THE SUN von Sebastián Silva bewegt sich im Dazwischen, wo sicher geglaubte Lebenspläne nicht mehr greifen: Was macht ein Filmemacher in einer Krise? Er wird von seinem Manager in den Urlaub an einen FKK-Strand geschickt. Dort versucht er, sich durch anonymen Sex mit vielen Männern, ein Stück Lebendigkeit zurückzuholen. Es ist ein irrsinnig komischer Trip quer durch alle Metaebenen und eine Sinnsuche voller Häme, vor der nichts und niemand sicher ist.

Queere und weiblich gelesene Sexualität auf der Leinwand zeigen, feiern und kritisieren: Das von der Künstlerin A.L. Steiner kuratierte Film- und Videoprogramm FILMMAKERS LIVE! URANIANS wird von dem FILMFEST MÜNCHEN in Kooperation mit dem Museum Brandhorst und dem QFFM I Queer Film Festival präsentiert. Der Abend des 30. Juni beginnt mit einem Screening von COMMUNITY ACTION CENTER, ein „sozio-sexuelles Video, das die Erotik einer Gemeinschaft umfasst, in der das Persönliche nicht nur politisch, sondern auch sexuell ist“. Im Anschluss findet ein Panelgespräch zwischen Steiner und internationalen Protagonist:innen der Kunst- und Filmszene wie Bruce LaBruce, Underground-Kultregisseur, oder Jürgen Brüning, Gründer des Pornfilmfestivals Berlin, statt. Sie sprechen über Darstellungen von erotischen Begegnungen und queerer Sexualität im Film, über Gemeinschaft und Kollaboration sowie über das aufgeladene Genre des Pornos.

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